Birkenpollen Nahaufnahme
Birkenpollen sind in Europa ein wesentlicher Auslöser für Allergien (Bild: Fotolia)
  • Forschung

Europäische Allergiestudie untersucht Birken-, Oliven- und GräserpollenGroße Unterschiede bei Pollen-Aggressivität

Pollen ist nicht gleich Pollen: In einer europaweiten Studie untersuchten Wissenschaftler das allergische Potenzial von Birken, Gräsern und Oliven. Die Pollen dieser drei Pflanzen sind in Europa die wesentlichen Auslöser für Heuschnupfen. Die allergische Reaktion gegen eine bestimmte Pollenart kann dabei höchst unterschiedlich ausfallen. Wie die Forscher der Hialine-Studie jetzt feststellten, variiert auch die Schlagkraft der Pollen: Abhängig von Zeit und Region produzieren die Pollen verschieden große Mengen an Eiweißverbindungen, die letztlich für die allergische Immunantwort verantwortlich sind.

Von Finnland bis Italien, von Spanien bis Litauen: An der dreijährigen Hialine-Studie beteiligten sich 13 Forschungseinrichtungen in elf europäischen Ländern. Die Studie wurde von Prof. Dr. Jeroen Buters vom Lehrstuhl für molekulare Allergologie der TU München, der am Zentrum Allergie & Umwelt (ZAUM) forscht, koordiniert. In ihrer Arbeit untersuchten die Wissenschaftler die drei Hauptverursacher von Heuschnupfen in Europa – die Pollen (also die Keimzellen) von Birken, Gräsern und Oliven. Die allergischen Symptome entstehen, wenn die betroffenen Personen mit dem Allergen in Kontakt kommen, für das sie sensibilisiert sind. Wie stark die Belastung für die Patienten ist, lässt sich bis heute nur über die Pollenkonzentration in der Luft ermitteln.

Diese Methode sagt jedoch wenig über die tatsächliche Aggressivität der Pollen aus. Denn abhängig von ihrem Reifungszustand stellen Pollen einer Pflanzenart nicht nur verschiedene Allergene her – auch die Menge der Allergie-auslösenden Proteine variiert. Die Wissenschaftler interessierten sich daher für den Zusammenhang zwischen Pollenzahl und Menge der freigesetzten Allergene. Dabei konzentrierten sich die Forscher auf das jeweils wichtigste Allergen der drei Pflanzenarten: Bet v 1 (Birke), Phl p 5 (Gräser), Ole e 1 (Olive). Dabei fanden sie eine hohe Übereinstimmung zwischen Pollenzahlen und der Menge an Allergen.

Auf einzelne Tage und Messstationen bezogen gab es jedoch teils eklatante Unterschiede, wie Studienleiter Jeroen Buters erklärt: „Das allergische Potenzial variierte um den Faktor 10, das heißt, an den ‚starken’ Tagen wurde bis zu zehnmal mehr Allergen freigesetzt als an anderen.“ Im Vergleich der europäischen Standorte beobachteten die Forscher bei den Gräserpollen die größten Schwankungen. Mit der Bildung der siebenfachen Menge an Phl p 5 waren die Gräserpollen in Frankreich deutlich aggressiver als in Portugal. Weniger auffällig waren die Unterschiede bei den Birkenpollen. Interessanterweise scheint die geografische Entfernung nur eine untergeordnete Rolle zu spielen: Bei zwei Oliven-Messstationen im Abstand von nur 400 Kilometer stellten die Wissenschaftler fest, dass die Allergenlast um das Vierfache voneinander abwich.
 
Auch der Einfluss des Wetters wurde deutlich, wie Buters ausführt: „An der Messstation in Portugal konnten wir eine hohe Allergenbelastung durch Ole e 1 messen, obwohl an diesen Tagen kaum portugiesische Pollen unterwegs waren. Durch meteorologische Berechnungen fanden wir heraus, dass das Allergen aus Spanien eingeflogen war, wo die Pollen ein deutlich erhöhtes allergisches Potenzial haben.“

Die Ergebnisse der Studie weisen darauf hin, dass die Messung von Allergenen im Vergleich zum Pollenflug genauere Vorhersagen für Allergiker liefert. „Mit kombinierten Auswertungen von Allergen-Messungen, Pollenflug und Wetterdaten könnten wir bisherige Allergie-Modelle deutlich verbessern“. Auch für die Behandlung von Allergikern sieht Buters neue Ansätze: „Die einzig echte Therapie gegen Allergien ist die Hyposensibilisierung, also die langsame Gewöhnung an das Allergen. Statt mit Pollen-Extrakten könnten die Ärzte künftig mit den allergenen Proteinen, den eigentlichen Allergie-Auslösern, impfen – die Behandlung verliefe damit deutlich gezielter.“

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Jeroen Buters
TU München, Lehrstuhl für molekulare Allergologie
Zentrum Allergie & Umwelt - Technische Universität München und HelmholtzZentrum München
Biedersteinerstr. 29
80802 München

Tel. +49 (0) 89 41 40-34 87
Fax +49 (0) 89 41 40-34 53
E-Mail: buters@lrz.tu-muenchen.de

Bild einer Birkenpolle in Druckqualität:
http://mediatum.ub.tum.de/node?id=1106911

Publikation:
Jeroen T.M. Buters, Michel Thibaudon, Matt Smith, Roy Kennedy, Auli Rantio-Lehtimäki, Roberto Albertini, Gerald Reese, Bernhard Weber, Carmen Galan, Rui Brandao, Celia M. Antunes, Siegfried Jäger, Uwe Berger, Sevcan Celenk, Łukasz Grewling, Bogdan Jackowiak, Ingrida Sauliene, Ingrid Weichenmeier, Gudrun Pusch, Hakan Sarioglu, Marius Ueffing, Heidrun Behrendt, Marje Prank, Mikhail Sofiev, Lorenzo Cecchi;
Release of Bet v 1 from birch pollen from 5 European countries. Results from the HIALINE study;
Atmospheric Environment, Volume 55, August 2012, Pages 496–505  http://dx.doi.org/10.1016/j.atmosenv.2012.01.054

Technische Universität München

Corporate Communications Center
presse(at)tum.de

Weitere Artikel zum Thema auf www.tum.de:

Birkenpollen in der Nahaufnahme

Heuschnupfens Helfer

Die Forschung an Pollenallergien hat sich lange auf Allergene konzentriert – die Bestandteile von Pollen also, die Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen. Beim Kontakt mit der Nasenschleimhaut setzen Pollen jedoch neben…

Die Blüte des Beifußblättrigen Traubenkrauts verbreitet einen hochallergenen Pollen. (Foto: Elenathewise / fotolia.de)

Adenosin in Ambrosia-Pollen verstärkt Allergie

Das Beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia) – ein unscheinbares Gewächs – produziert Pollen, die schon in sehr geringer Menge starke allergische Reaktionen wie Asthma auslösen können. Wissenschaftler der…

Pollenalarm - draußen wie drinnen

Die Augen jucken, die Nase läuft, der Hals kratzt. Schon 50 Gräserpollen pro Kubikmeter Luft lösen bei Allergikern Heuschnupfen-Symptome aus. Doch Allergiker haben es nicht nur im Freien schwer: Auch im Büro und zuhause…

Immer mehr Menschen reagieren auf Pollen allergisch

Juckende Augen, ständiges Niesen und eine laufende Nase – dieses Problem kennen viele Allergiker im Frühjahr, wenn die Pollen wieder durch die Luft fliegen. Dabei beginnt die Pollen-Saison nicht nur immer früher, es leiden…

Die Birke blüht Anfang April - ihre Pollen sind ein Hauptauslöser von Heuschnupfen.

"Die Zeiten für Allergie-Geplagte werden immer härter"

Ein milder Winter und seine Folgen: Die Frühblüher machen Pollenallergikern dieses Jahr drei Wochen früher als sonst zu schaffen. Und die Aussichten sind wenig rosig: durch Umweltbelastungen werden die Pollen aggressiver,…

Elektronenmikroskopische Aufnahme eines Birkenpollens

Allergien nehmen zu

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Ozon ein zentraler Faktor im Zusammenhang zwischen Klimawandel, Verstädterung und der Zunahme von allergischen Erkrankungen und Symptomen darstellt. Die Ergebnisse der…

Allergiebelastung

Die Zukunft könnte für Allergiker eine schlechte Zeit werden. Wissenschaftler prophezeien eine Zunahme aggressiver Pollen. In Deutschlandradio Wissen erklärt TUM-Ökoklimatologin Annette Menzel, wie und warum sich die…

Schnäuzendes Mädchen in Blumenwiese

Pollenbelastung steigt europaweit an

Von Reykjavík bis Thessaloniki müssen sich die Menschen auf eine höhere Allergiebelastung einstellen. Europaweit ist die Pollenmenge bereits in den vergangenen Jahren angestiegen, berichtet ein Forscherteam um Prof. Annette…