Eine Frau sitzt im Fahrzeugsimulator und blickt auf die Leinwand, auf der das Head-up-Display zu sehen ist.
Das Head-up-Display ist in drei Cluster aufgeteilt. (Bild: Uli Benz / TUM)
  • Mobilität, Forschung

TUM-Wissenschaftler stellen integriertes Informations-Konzept vorWas will mir mein Auto sagen?

Das Navigationssystem meldet die nächste Abzweigung, ein Verkehrsschild weist auf eine 30er-Zone hin - und plötzlich nähert sich von der Seite ein Rettungsfahrzeug. Der Verkehr erfordert ständig Entscheidungen. Assistenzsysteme sollen die Fahrer entlasten - doch zu viele Informationen verwirren eher. Forscher der Technischen Universität München (TUM) haben ein Konzept entwickelt, das Informationen filtert und übersichtlich präsentiert. 

Autos, Busse, Lkw, Tram, Motorrad- und Fahrradfahrer sowie Fußgänger: In der Stadt gib es eine Vielzahl unterschiedlicher Verkehrsteilnehmer. Autofahrer müssen diese im Auge behalten und gleichzeitig auf Verkehrsschilder, Ampeln und Straßenführung achten. Ausgeklügelte Assistenzsysteme sollen den Fahrer in Zukunft vor gefährlichen Situationen warnen und ihm wichtige Informationen anzeigen. 

 

Dabei darf der Fahrer nicht mit Meldungen überflutet werden, erklärt Prof. Klaus Bengler, Inhaber des Lehrstuhls für Ergonomie an der TUM. Wenn gleichzeitig die Warnung vor einem Hindernis und ein Hinweis des Navigationssystems gegeben werden, ist dies eher störend als hilfreich. "Die Information muss übersichtlich dargestellt sein, nicht jedes System muss zu Wort kommen. Nicht benötigte Informationen können also auch weggelassen werden", sagt Bengler.

 

Im Verbundprojekt "UR:BAN" arbeiten Partner aus Industrie und Forschung gemeinsam daran, Fahrerassistenz- und Verkehrsmanagementsysteme für die Stadt zu entwickeln. Die TUM-Wissenschaftler entwickelten in diesem Zusammenhang ein Informations-Konzept, das aus drei Komponenten besteht: 

  • Head-Up-Display,
  • aktives Gaspedal und
  • Instrumenten-Cluster.

Beim Head-Up-Display werden Information in die Windschutzscheibe eingespiegelt. Das heißt, ein Projektor projiziert ein Bild in die Windschutzscheibe. Dieses schwebt sozusagen vor dem Fahrzeug. Der Vorteil: Der Fahrer muss den Blick nur sehr kurz von der Straße abwenden. Auch müssen sich die Augen nicht von Fernsicht auf Nahsicht anpassen. "Das Resultat sind signifikant kürzere Reaktionszeiten sowie geringere Verkehrsblindzeiten", sagt Martin Götze, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Ergonomie.

Aufteilung in drei Cluster

 

Die Wissenschaftler teilten die Anzeige in drei Cluster auf. Links werden dynamische Informationen wie Geschwindigkeit oder Hinweise zu Verkehrsschildern eingeblendet. Im mittleren Bereich laufen die Informationen der Fahrerassistenzsysteme ein, wie etwa einem "Grüne-Welle-Assistenten". Im rechten Bereich ist die Navigation zu finden.

 

"Die Sicherheitshinweise haben immer Priorität", sagt Götze. Andere Informationen werden ausgeblendet. Die Anzeigen sind generell so gestaltet, dass sie für eine begrenzte Zeit sichtbar sind. So wird ein Verkehrszeichen etwa für fünf Sekunden eingeblendet, um zu vermeiden, dass zu viele Informationen auf einmal zu sehen sind. 

 

Zu dem Konzept gehört außerdem das Instrumenten-Cluster. Dabei handelt es sich um ein digitales Display, in dem Informationen wie die Tankanzeige oder die Motortemperatur angezeigt werden. Zusätzlich werden ergänzende Information zum Head-Up-Display angezeigt. Die dritte Komponente ist das haptische Gaspedal. Es kann durch Vibration oder Widerstand ohne visuelle Ablenkung die Aufmerksamkeit des Fahrers wecken.   

 

Bisher wurden diese Komponenten meist getrennt voneinander entwickelt. Bengler: "Wir versuchen die bereits verfügbaren Technologien zusammenzuführen, um sie für den Stadtverkehr zu optimieren." 

Bilder zum Download

Mehr Informationen:

Kontakt:

Martin Götze
Technische Universität München
Lehrstuhl für Ergonomie
goetze(at)lfe.mw.tum.de
+49 89 289-15419
www.ergonomie.tum.de

Technische Universität München

Corporate Communications Center Stefanie Reiffert
reiffert(at)zv.tum.de

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