Über den Wolken? Nicht hoh genug. Akram Abdellafit will als erster Ägypter ins All fliegen. (Foto: privat)
Über den Wolken? Nicht hoh genug. Akram Abdellafit will als erster Ägypter ins All fliegen. (Foto: privat)
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Erster ägyptischer Astronauten-Kandidat:Akram Abdellatif greift nach den Sternen

Akram Abdellatif (27) will ins All. Der TUM-Doktorand aus Ägypten nimmt dafür einiges in Kauf. Mit Erfolg: Er wurde für das Forschungsprojekt „PoSSUm“ akzeptiert, das von der Nasa gefördert wird. Diese Woche beginnt das erste Training.

Astronaut werden zu wollen ist in Ägypten nicht der konventionelle Karrierewunsch. Es gibt dort keine Weltraumagentur. Noch nie ist ein Mensch mit ägyptischer Staatsangehörigkeit ins All geflogen. Um von Nasa oder Esa aufgenommen zu werden, muss ein Astronauten-Anwärter die amerikanische Staatsangehörigkeit bzw. die eines Esa-Mitgliedstaates haben.

Dass man seinen Traum verfolgen kann, obwohl er ungewöhnlich ist: "Das ist etwas, dass ich in Deutschland gelernt habe", erklärt Abdellatif. Vom All träumte er schon als Kind.

Ausbildung in Eigenregie

Zunächst wählte Abdellatif eine "normale" Karriere als Kommunikationsingenieur. Sein Bachelorstudium absolvierte er an der German University Kairo. Für sein Master-Studium kam er 2009 nach Stuttgart.

Er bewarb sich außerdem bei mehreren Raumfahrt-Unternehmen in Europa. Zunächst ohne Erfolg, da seine Qualifikation nicht ausreichte. Beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Stuttgart hatte er dann doch Erfolg: wenn auch zunächst nur als Praktikant. Nach dem Master of Science in „Communication Engineering and Media Technology“ wechselte er zur TUM, um seinen Master in "Earth Oriented Space Science and Technology" zu machen.

Seit 2011 arbeitet Abdellatif außerdem als Entwicklungsingenieur beim DLR in Oberpfaffenhofen. Gleichzeitig schreibt er seine Doktorarbeit, die am Lehrstuhl für Flugsystemdynamik an der TUM betreut wird. Er ist Mitglied bei der gemeinnützigen Organisation "Astronauts 4hire". Hier werden die Mitglieder für Weltraumeinsätze trainiert. Die Staatsangehörigkeit ist dabei kein Kriterium.

Mit kleinen Schritten Richtung All

Abdellatif nahm Flugstunden, machte den Tauchschein. Alles, was zu einem Grundtraining von Astronauten gehört. "Ob an den Wochenenden oder in den Urlauben: Ich arbeite immer an mir", sagt Abdellatif. Seine Frau unterstützt ihn. "Sie hat gesagt, dass wir meinen Traum zusammen verwirklichen."

Mit ihr und dem kleinen Sohn lebt Abdellatif in München. Die Urlaube verbringen sie in Ägypten, unter anderem beim Tauchen im Roten Meer. Unterstützung erhält Abdellatif auch von seiner Familie zu Hause. "Ohne diese Hilfe könnte ich das alles nicht machen", sagt er.

Bereits 2014 konnte Abdellatif dem All ein Stück näher kommen: Mit dem Projekt "Egypt Against Hepatitis C Virus" gewann er zusammen mit Hanaa Gaber von der TUM den US-Wettbewerb "International Space Station (ISS) Research Competition". Die ISS-Crew führte das Forschungsvorhaben der beiden Wissenschaftler kostenlos auf der Internationalen Raumstation durch. Bei dem Projekt wurden zwei Proteine des Hepatitis C Virus (HCV) unter Mikroschwerkraft-Bedingungen kristallisiert.

Als Astronauten-Kandidat qualifiziert

Nun ist Abdellatif seinem Ziel wieder einen großen Schritt nähergekommen: Er konnte sich für das Projekt "PoSSUM" als Astronauten-Kandidat qualifizieren. Die wissenschaftliche Mission beschäftigt sich mit Klimaforschung und wird von der Nasa gefördert. Das erste von vier Trainings findet dieser Tage in Florida statt.

Wenn die Trainings abgeschlossen sind, muss Abdellatif darauf hoffen, möglichst bald für eine der Missionen eingesetzt zu werden, die 2017 starten. Der Blick auf die Erde von weit oben, darauf hat der Ägypter viele Jahre hingearbeitet. "Ich werde sehr viel arbeiten müssen auf der Mission. Dabei darf ich aber auf keinen Fall vergessen, den Augenblick zu genießen, wenn ich oben bin."

Kontakt:
akram.abdellatif(at)dlr.de

Technische Universität München

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