Sie waren maßgeblich an der Entwicklung von "Integreat" beteiligt (v. li):  Martin Schrimpf (er leitete gemeinsam mit Daniel Langerenken die technische Umsetzung), Maximilian Schreieck, Julia Götz, Prof. Helmut Krcmar und Dr. Manuel Wiesche.
Sie waren maßgeblich an der Entwicklung von "Integreat" beteiligt (v. li): Martin Schrimpf (er leitete gemeinsam mit Daniel Langerenken die technische Umsetzung), Maximilian Schreieck, Julia Götz, Prof. Helmut Krcmar und Dr. Manuel Wiesche. (Bild: U. Benz / TUM)
  • Forschung

Integreat: TUM-Studierende entwickeln kostenlose App für FlüchtlingeSmartphone-App soll Flüchtlingen den Neuanfang erleichtern

Wo befindet sich der nächste Arzt, an welcher Schule werden Deutschkurse angeboten, und bis wann müssen bestimmte Anträge abgegeben werden? Antworten auf diese Fragen sind essentiell für Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen. Studierende und Mitarbeiter der Technischen Universität München (TUM) haben eine kostenlose App entwickelt, in der die wichtigsten Informationen bereitgestellt werden. "Integreat" ging in der vergangenen Woche für Augsburg online.

Seit vielen Jahren fasst der Verein "Tür an Tür" in Augsburg wichtige Informationen für Flüchtlinge in einer Broschüre zusammen, die alle zwei Jahre aktualisiert wird. Doch Adressen und Ansprechpartner ändern sich schnell, und damit sind einige Informationen bereits nach wenigen Wochen veraltet. Daniel Kehne, Student im Elite-Studiengang Finanz- und Informations-Management der TUM und der Uni Augsburg, engagiert sich bei "Tür an Tür". Er wandte sich mit der Idee, die Broschüre zu digitalisieren, an Professor Helmut Krcmar, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik der TU München. Dort traf er auf großes Engagement für das Projekt.

Innerhalb von acht Monaten entwickelten Studierende und Mitarbeiter der TUM gemeinsam mit "Tür an Tür" und dem Sozialreferat der Stadt Augsburg die App mit dem Namen Integreat. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützte die Arbeit finanziell. Augsburg ist die erste Stadt, die die App nutzt.

Fünf Sprachen

"Die größte Herausforderung war es, eine grundlegende Struktur zu entwickeln", erklärt Dr. Manuel Wiesche, Mitarbeiter am TUM-Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik. Die Informatiker entschieden sich für die freie Web-Software WordPress. Sie bietet einige Vorteile. "WordPress ist sehr weit verbreitet und es wurden bereits Plug-ins entwickelt, die wir nutzen können, etwa für die Sprachenverwaltung." So müssen sich die App-Programmierer nicht mehr darum kümmern, dass arabische Buchstaben richtig dargestellt werden und der Text entsprechend formatiert ist.

Die App gibt es in fünf Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Arabisch und Farsi. Zusätzlich arbeitet das Team daran, auch die Bildsprache zu verbessern, um mehr Informationen über Symbole vermitteln zu können.

App kann offline genutzt werden

Da der überwiegende Teil der Flüchtlinge ein Android-Smartphone besitzt, wurde die App für dieses System programmiert. Allerdings besitzen die meisten Flüchtlinge keinen Tarif für die Datennutzung im Internet. Daher kann die App offline genutzt werden, nachdem sie einmal heruntergeladen wurde - zum Beispiel an einem WLAN-Hotspot.

Die Software soll als Open-Source-Programm jeder Stadt und Gemeinde zur Verfügung stehen. Nötig sind dafür nur einige Anpassungen an die lokalen Gegebenheiten. Dies ist auch der wichtigste Unterschied zu anderen Apps, die bereits zur Information für Flüchtlinge entwickelt wurden.

Anfrage aus Wien

In Bad Tölz wird bereits an der Einführung der Integreat-App gearbeitet, weitere Initiativen in München, Regensburg, Erlangen, Nürnberg, Düsseldorf, Schwerin, Köln und der Main-Taunus-Kreis sind an der Nutzung interessiert. Es gibt sogar eine Anfrage aus Wien, sagt Wiesche.

Professor Helmut Krcmar bezeichnet Integreat als seine Herzensangelegenheit. Als Vorsitzender des Nationalen E-Government Kompetenzzentrums in Berlin ist er sehr daran interessiert, dass die App in ganz Deutschland genutzt wird: "Wir möchten das Engagement fördern, sodass am Ende eine nachhaltige Lösung steht, von der Geflüchtete dauerhaft profitieren."

Um die Arbeit besser zu koordinieren, ist geplant, eine gemeinnützige GmbH zu gründen, die dem Augsburger Verein "Tür an Tür" angeschlossen ist.

Studienangebot für Flüchtlinge

Die TUM öffnet in einem Sofortprogramm ihre Studienangebote für Flüchtlinge. Sie können seit Oktober als Gasthörer deutsch- oder englischsprachige Kursmodule kostenfrei besuchen, um den Anschluss an das deutsche Bildungssystem zu finden. Ein Mentorenprogramm begleitet sie auf dem Weg ins Studium. Die Flüchtlinge erhalten eine Beratung und Begleitung durch das TUM Studenten Service Zentrum (SSZ) und im Gasthörerprogramm steht ihnen der Zugang zu Serviceeinrichtungen und Angeboten der TUM offen.

Weitere Informationen:www.tum.de/fluechtlinge

Bildmaterial

Kontakt:
Dr. Manuel Wiesche
Technische Universität München
Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik
Tel: +49 (89) 289 - 19539
Email: wiesche@in.tum.de

Technische Universität München

Corporate Communications Center Stefanie Reiffert
reiffert(at)zv.tum.de

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