Frau erhält eine Impfung.
Bei einer COVID-19-Kreuzimpfung ist die Antikörperantwort sehr viel stärker ausgeprägt ist als bei der zweimaligen Gabe von AstraZeneca.
Bild: iStockphoto.com / insta_photos
  • Covid-19, Forschung
  • Lesezeit: 2 MIN

Immunantwort stärker als nach zweimaliger Impfung mit AstraZeneca-VakzinCOVID-19-Kreuzimpfung überprüft

Unter 60-Jährige, die initial eine COVID-19-Impfung mit dem Vakzin von AstraZeneca erhalten haben, sollen bei ihrem zweiten Termin einen mRNA-Impfstoff verabreicht bekommen. Das empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO). Bisher lagen allerdings kaum Daten dazu vor, wie gut der Organismus auf eine solche Kreuzimpfung mit der Bildung von Antikörpern reagiert. Nun fand ein Forschungsteam heraus, dass die Antikörperantwort bei der Kreuzimpfung sehr viel stärker ausgeprägt ist als bei der zweimaligen Gabe von AstraZeneca.

Forscherinnen und Forscher der Technischen Universität München (TUM), des Helmholtz Zentrum München, des Universitätsklinikums Erlangen und des Universitätsklinikums Köln haben die Immunreaktion bei einer Kreuzimpfung im Rahmen einer retrospektiven Studie wissenschaftlich überprüft. Sie untersuchten das Blut von rund 500 Probandinnen und Probanden, die neun Wochen nach ihrer ersten COVID-19-Impfung mit dem Vakzin von AstraZeneca eine zweite Impfung mit dem mRNA-Vakzin von BioNTech/Pfizer erhalten hatten. Das Fazit: Die neutralisierende Antikörperantwort war bei diesen Probandinnen und Probanden sehr viel stärker ausgeprägt als bei Menschen, die zweimal das Vakzin von AstraZeneca bekamen. Die Immunreaktion auf die Kreuzimpfung zeigte sich als mindestens genauso gut wie die Antikörperantwort nach zwei Impfungen mit dem mRNA-Vakzin von BioNTech/Pfizer. Die Studienergebnisse wurden nun in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „The Lancet Infectious Diseases“ veröffentlicht.

Kreuzimpfung bei Unverträglichkeiten oder Versorgungsengpässen

Auf Basis der erhobenen Daten kommen die Forscherinnen und Forscher zu dem Schluss, dass die Kreuzimpfung eine valide Option darstellt. Sie könnte beispielsweise bei individuellen Unverträglichkeiten oder bei Versorgungsengpässen zum Einsatz kommen. Die Forscherinnen und Forscher hoffen zudem, dass die Kreuzimpfung ein weiterer Baustein ist, um die Wirksamkeit der COVID-19-Impfung generell zu verbessern. Allerdings sind dafür noch weitere Studien zur Bestätigung der Sicherheit und der klinischen Wirksamkeit dieser und anderer Kreuzimpfungen erforderlich.

Die rasche Durchführung der Studie war dank mehrerer Unterstützer möglich: dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst im Rahmen des CoVaKo-2021-Projekts und des For-COVID-Konsortiums, dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) und dem Impfnetzwerk „VACCELERATE“, gefördert durch das EU-Programm „Horizon 2020“. Aufgabe von CoVaKo-2021 und For-COVID ist es, in Bayern die Einführung der COVID-19-Impfungen wissenschaftlich zu begleiten. Geleitet wurde die Studie von Prof. Dr. Ulrike Protzer aus München, von Prof. Dr. Klaus Überla aus Erlangen und von Prof. Dr. Oliver Cornely aus Köln.

Bernd Sibler, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, betont: „Die Ergebnisse dieser Studie haben direkte Auswirkungen auf unsere Impfstrategie. Sie helfen uns, die Impfstoffe möglichst effizient einzusetzen und dienen so als wichtige Grundlage für politische Entscheidungen über die zukünftige Impfstrategie. Die Arbeit unserer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an den medizinischen Fakultäten und den Universitätsklinika ist unverzichtbar, um einen Weg aus der COVID-19-Pandemie zu finden.“

Publikationen:

Heterologous prime–boost vaccination with ChAdOx1 nCoV-19 and BNT162b2

Matthias Tenbusch, Sofie Schumacher, Emanuel Vogel, Alina Priller, Jürgen Held, Philipp Steininger, Stephanie Beileke, Pascal Irrgang, Ronja Brockhoff, Jon Salmanton-García, Kathrin Tinnefeld, Hrvoje Mijocevic, Kilian Schober, Christian Bogdan, Sarah Yazici, Percy Knolle, Oliver A Cornely, Klaus Überla, Ulrike Protzer

The Lancet Infectious Diseases, 29. Juli 2021

DOI: 10.1016/S1473-3099(21)00420-5

Technische Universität München

Corporate Communications Center Lisa Pietrzyk
lisa.pietrzyk(at)tum.de

Kontakte zum Artikel:

Prof. Dr. Ulrike Protzer
Institut für Virologie 
Technische Universität München
Email: protzer(at)tum.de
Tel.: +49 (0) 89 4140-6886

Weitere Artikel zum Thema auf www.tum.de:

Eine Frau lässt sich von einem Mediziner impfen.

Welche älteren Menschen lassen sich nicht impfen?

Ältere Menschen mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten und niedrigem Ausbildungsniveau lehnen häufiger eine Impfung gegen Covid-19 ab als Personen mit gutem Einkommen und höherer Schulbildung. Dies zeigt eine europaweite…

In ihrer Covid-19 Lecture sprechen Prof. Clarissa Prazeres da Costa und Dr. Nina Wantia über lokale und nationale Strategien der Infektionsprävention.

„Unser Klinikum hat sich sehr früh gerüstet“

In ihrer Covid-19 Lecture zeigen Prof. Clarissa Prazeres da Costa und Dr. Nina Wantia vom Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene, wie schnell und umfassend Kliniken handeln mussten, um…

Forscher arbeitet am Monitor

Neues Verfahren identifiziert T-Zellen von Covid-19-Erkrankten

Bei der Bekämpfung des Corona-Virus und der Verhinderung von schweren Krankheitsverläufen spielen die T-Zellen eine entscheidende Rolle. Sie erkennen und bekämpfen das Virus direkt in den infizierten Zellen. Ein Münchner…

Erstautorin Julia Klüpfel mit einem der Mess-Chips im Labor des TranslaTUM.

Vielseitig und sicher: neuer Antikörpertest

Im künftigen Verlauf der Corona-Pandemie wird ein schneller, kostengünstiger und sicherer Nachweis immer wichtiger, ob eine Person über entsprechende Antikörper verfügt, sei es durch eine überstandene Infektion oder durch…

Laptop und Pasta

„Corona befeuert eine andere Pandemie“

Wie hat die Corona-Pandemie das Ernährungs- und Bewegungsverhalten von Erwachsenen und damit auch ihr Gewicht verändert? Dieser Frage gingen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM)…

Multidimensionaler Blick auf das Coronavirus

Was genau geschieht, wenn das Coronavirus SARS-CoV-2 eine Zelle infiziert? Im Fachmagazin „Nature“ zeichnet ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Max-Planck-Instituts für Biochemie ein besonders genaues…

Pollenflug erhöht das Risiko, an Covid-19 zu erkranken.

Covid-19-Risiko steigt bei Pollenflug

Fliegen viele Pollen in der Außenluft, kommt es zu erhöhten Infektionsraten mit SARS-CoV-2. Dies hat ein internationales Team unter der Leitung von Forschenden der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz…

Prof. Alena Buyx heads the Institute for the History and Ethics of Medicine at TUM and has been Chair of the German Ethics Council since Spring 2020.

Verteilungsgerechtigkeit in der Pandemie

Eigentlich sollen in Deutschland aktuell vor allem Hochbetagte gegen Covid-19 geimpft werden. Was aber passiert, wenn wenige Forschungsdaten über die Wirkung neuer Impfstoffe bei Älteren vorliegen? Solche Umstände sollten…

Ulrike Protzer ist Professorin für Virologie an der TUM und Sprecherin des Bayerischen Forschungsverbundes "FOR-COVID".

Gemeinsam gegen Corona

Das Coronavirus SARS-CoV-2 möglichst zügig eindämmen und behandeln – dazu soll der Bayerische Forschungsverbund „FOR-COVID“ mit wissenschaftlichen Erkenntnissen rund um das Virus und die Erkrankung Covid-19 beitragen. Der…

Mikael Simons ist Professor für Molekulare Neurobiologie an der TUM.

Wie das Virus in die Zellen gelangt

Das Protein Neuropilin-1 erleichtert den Eintritt von SARS-CoV-2 ins Innere der Zellen. Dies hat ein Forschungsteam unter Beteiligung von Prof. Mikael Simons von der Technischen Universität München (TUM) mit einer im…