Kirsten Bannert von der Allgemeinen Studienberatung der TUM
Kirsten Bannert von der Allgemeinen Studienberatung der Technischen Universität München betreut seit 2019 das Mental Health Projekt TUM4Mind.
Bild: Uli Benz / TUM
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Aktionswoche Mental Health„Mut machen und nahbar sein“

„Wir wollen das Thema mentale Gesundheit sichtbar und besprechbar machen“, sagt Kirsten Bannert vom Projekt TUM4Mind – und das zum dritten Mal mit einer digitalen Aktionswoche „Mental Health“. Vom 8. bis 12. November 2021 gibt es online zahlreiche interaktive Workshops, auf Deutsch und Englisch.

Frau Bannert, die Mental Health-Woche ausschließlich digital anzubieten, war vergangenes Jahr eine Notlösung. Aber sie hat sich sehr bewährt.

Ja, so konnten wir in den Aktionswochen und mit all unseren anderen Online-Angeboten im Laufe des Semesters ortsunabhängig unsere Studierenden erreichen, etwa die, die im vergangenen Jahr noch in ihren Heimatländern waren oder die an den anderen Standorten sind.

Nach einem schwierigen Jahr - welches Angebot war Ihnen für das aktuelle Programm zum Semesterstart besonders wichtig?

Neben ein paar „Klassikern“ wie Mindfulness Based Stress Reduction oder dem Online Forum „Psychisch fit studieren“ scheint gerade jetzt die Frage „Wie kann ich mit Veränderungen oder mit Unsicherheiten umgehen?“ sehr wichtig zu sein. Wir bieten z.B. einen Workshop „Fit for change“ an. Angesichts der vielen Unsicherheiten, viele Lebensbereiche sind ja nur eingeschränkt planbar, möchten wir die Studierenden unterstützen, trotzdem gut durch das Semester zu kommen und gesund zu bleiben.

Ihr Angebot spiegelt Ihre Erfahrungen aus Ihren diversen Beratungsangeboten, oder?

Absolut. Wir speisen das aus unseren täglichen Erfahrungen und dem engen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus Beratung, Coaching und Psychotherapie. Daraus leiten wir die aktuellen Themen ab. Zudem evaluieren wir auch jede unserer Aktionswochen.

Was kam am besten an?

„Was sind psychische Erkrankungen, woran erkenne ich sie, an wen kann ich mich wenden?“ -  diese Themen wurden besonders oft nachgefragt und zeigen uns, dass sie viele Studierende beschäftigen. Wir möchten im Bereich der psychischen Gesundheit informieren und aufklären und vor allem aufzeigen, wo die Studierenden professionelle Hilfe bekommen können.

Sind die Studierenden in den vergangenen eineinhalb Jahren achtsamer hinsichtlich ihrer mentalen Gesundheit geworden?

Ein Teil vielleicht schon. Wir können allerdings nie für alle sprechen. Durch die Entschleunigung und dieses Zurückgeworfensein auf sich selbst ist bei einigen eine gewisse Achtsamkeit entstanden. Sie haben vielleicht mehr Sport gemacht, sie essen gesünder, achten mehr auf Entspannung. Wir wissen aber auch, dass sich viele in den vergangenen eineinhalb Jahren sehr belastet gefühlt haben und das nehmen wir natürlich sehr ernst. Durch die Umstellung aufs Home Studying ist für viele ja eine geregelte Tagesstruktur weggebrochen. Außerdem haben die meisten den persönlichen Austausch am Campus einfach sehr vermisst – das ging und geht uns als Beschäftigten ja genauso.

Ist das niedrigschwellige Angebot bei der Aktionswoche manchmal ein Türöffner für eine intensivere fachliche Betreuung?

Wir sind sicher für viele eine erste, unverbindliche Anlaufstelle. Unser Angebot ist ja sehr breit angelegt. Uns ist eine offene und vertrauensvolle Atmosphäre wichtig. Dass die Studierenden sich überhaupt trauen, sich mit dem Thema Mental Health auseinanderzusetzen. Sie bekommen bei uns erste und weiterführende Infos zu anderen Ansprechpartnerinnen und -partnern. Wir sind innerhalb der TUM und auch in ganz München sehr gut mit unterschiedlichen Beratungs- und Unterstützungseinrichtungen vernetzt.

Erreichen Sie denn tatsächlich alle Studierenden der TUM?

Mit unseren bisherigen digitalen Aktionswochen konnten wir jedes Mal gut 2.000 Studierenden ein Angebot machen. Laut unserer Evaluation waren fast alle Schools vertreten. Unsere Abteilung Studienberatung und -information ist mit allen Formaten für alle da. Neben TUM4Mind gibt es z.B. noch die Allgemeine Studienberatung, das Lern- und Prüfungscoaching und die Servicestelle für behinderte und chronisch kranke Studierende. Das meiste davon findet im Moment noch online statt.

Was nicht negativ sein muss, oder?

Es gibt sicher viele, denen das bei unseren TUM4Mind-Workshops eher entgegenkommt. Nicht nur wegen der Ortsunabhängigkeit. Das Online-Format bietet einen anonymeren Rahmen, man muss sich nicht zu Wort melden, nicht die Kamera anmachen. Wobei wir durchaus dazu einladen: Es gibt ganz viel Raum für persönliche Fragen und Austausch.

Wie sind die Angebote aufgebaut?

Unsere Workshops sind sehr interaktiv angelegt, in manchen gibt es auch Break Out Sessions. Wir arbeiten mit sehr engagierten und empathischen Referentinnen und Referenten zusammen, denen das Thema Mental Health am Herzen liegt und die ein gutes Gespür für junge Menschen haben. Aber es gibt sicher viele unter den Studierenden, denen ein persönliches Gespräch wichtig wäre. Darauf hoffen wir natürlich im Wintersemester und freuen uns sehr darauf.

Mehr Informationen:

  • Kirsten Bannert ist Teil der TUM Allgemeinen Studienberatung (TUM Center for Study and Teaching) und ist dort zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen für das Lern- und Prüfungscoaching zuständig. Sie ist seit 2013 an der TUM tätig und betreut seit 2019 das Mental Health Projekt TUM4Mind.
  • TUM4Mind und das Programm der Mental Health-Woche

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tum4mind.ssz(at)tum.de