Gifty Baffour Awuah. Die Studentin und Ärztin aus Ghana wurde für ihre herausragenden Leistungen mit dem DAAD-Preis ausgezeichnet.
Gifty Baffour Awuah, Studentin und Ärztin aus Ghana, wurde für ihre herausragenden Leistungen mit dem DAAD-Preis ausgezeichnet.
Bild: Uli Benz / TUM
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DAAD-Preisträgerin, Studentin und Ärztin Gifty Baffour Awuah im PorträtDen Blick weiten

Die ghanaische Studentin Gifty Baffour Awuah setzt sich für die Verständigung zwischen Kulturen ein und will so den Blick auf andere Gesundheitssysteme weiten. Für ihre herausragenden Leistungen im Studiengang Health Science wird sie nun vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) ausgezeichnet.

Langeweile kann Gifty Baffour Awuah nicht ertragen. Als sie ihr Medizinstudium in ihrem Heimatland Ghana abgeschlossen hatte, begann sie in ihrer freien Zeit Deutsch zu lernen. Das fiel der Ärztin so leicht, dass ihre Deutschlehrerin ihr riet, doch in Deutschland zu studieren. Seit zwei Jahren besucht die heute 32-Jährige nun den Masterstudiengang Health Science – Prevention and Health Promotion der Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften der TUM. In den Seminaren und Vorlesungen ist sie für ihr großes Engagement und ihre wertvollen Diskussionsbeiträge bekannt.

Der DAAD ehrt Gifty Baffour Awuah nun für ihre herausragenden Leistungen im Bereich Public Health. Jedes Jahr werden Studierende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für verantwortliches Handeln ausgezeichnet – so sollen dauerhafte Verbindungen in die ganze Welt geschaffen werden. Auch Gifty Baffour Awuah ist mit ihrem Herzen in beiden Ländern: in Ghana und in Deutschland. Ihr ist die Verständigung zwischen beiden Kulturen sehr wichtig.

Unterschiedliche Gesundheitssysteme

Als eine der wenigen Studierenden aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara in ihrem Studiengang macht sie in Diskussionen oft deutlich, welche Bedürfnisse Länder haben, in denen das Gesundheitssystem kaum ausgebaut ist. Zu stark liege der Fokus auf Ländern mit hohen Einkommen und deren Sichtweisen auf das Gesundheitssystem, sagt Awuah. „Ich möchte gerne dazu anregen, den Blick über den Tellerrand zu wagen und zeigen, dass Public Health in anderen Ländern, zum Beispiel in Afrika, ganz anders aussieht als hier. In Deutschland gibt es dieses wunderbare System der Krankenkassen – und damit auch mehr Möglichkeiten für eine vorbeugende medizinische Versorgung. In Ghana ist das wichtigste Ziel die medizinische Versorgung zu gewährleisten.“ 

Leidenschaft für die Medizin

Das Interesse für die Medizin bekam Gifty Baffour Awuah sozusagen in die Wiege gelegt: Ihre Mutter arbeitete bis zur Rente als Krankenschwester und bildete Hebammen aus. Ihr Vater ist Labortechniker, die Familie wohnte in der Mitarbeiterwohnung eines Krankenhauses. Gifty Baffour Awuah studierte in der ghanaischen Hauptstadt Accra Medizin, schloss das Studium erfolgreich ab und wurde dort mit dem Prof. H. H. Philips-Preis für Physiologie und dem David Scott-Preis für Community Health ausgezeichnet. Sie hofft nun, dass ihre Ausbildung auch in Deutschland anerkannt wird und sie hier als Ärztin arbeiten darf. Die Fachsprachenprüfung Deutsch der Bayerischen Landesärztekammer hat sie bereits erfolgreich bestanden. „Ich würde dann gerne etwas für Frauen tun und mich im Bereich Onkologie oder Geburtsmedizin einsetzen.“ Für ihre Leidenschaft investiert sie viel Zeit und Mühe. „Doch für mich ist das keine Arbeit. Ich liebe es, meine Fähigkeiten zu verbessern.“

Auch neben des Studiums engagiert sich die 32-Jährige: Sie koordiniert als studentische Hilfskraft den Kurs „Current social and political topics of sports in Global Societies“ der Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften, unterstützt die Aktivitäten des Graduiertenzentrums der TUM, hilft ehrenamtlich bei der Münchner Tafel und gibt unentgeltlich Programmierkurse für Freunde. In ihrem Heimatland Ghana arbeitet sie ehrenamtlich als Mitglied des Gesundheitsamtes, der Korle-Gonno S.D.A. Church und im St. Theresa's Hospital-Nkoranza.

Überraschende Auszeichnung

Der DAAD-Preis wurde Gifty Baffour Awuah am 25. November 2021 verliehen. Sie freut sich sehr über die Auszeichnung: „Es war eine wirkliche Überraschung – wie alles hier, ein echtes Abenteuer.“ Dass ihr Mann bei der Verleihung dabei sein konnte, freut sie ganz besonders. Bisher kannte dieser Deutschland nur aus Erzählungen. Nun kann sie ihm ihre Wirkungsstätte in München zeigen und ihn ihr deutsches Lieblingsessen probieren lassen: Auflauf, mit Käse überbacken.

Technische Universität München

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