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EPFL-Präsident Patrick Aebischer, Donald B. Dingwell, Generalsekretär des European Research Council, TUM-Präsident Wolfgang A. Herrmann und Robert-Jan Smits, Generaldirektor für Forschung und Innovation der Europäischen Kommission.
EPFL-Präsident Patrick Aebischer, Donald B. Dingwell, Generalsekretär des European Research Council, TUM-Präsident Wolfgang A. Herrmann und Robert-Jan Smits, Generaldirektor für Forschung und Innovation der Europäischen Kommission (v.l.). (Bild: Eric Berghen / EuroTech)
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“EuroTech Universities” zur Zukunft von Tenure-Track-KarrieresystemenStrukturierter Weg zum Professorenstatus

Die Präsidenten der EuroTech Universities haben ebenso wie der Generaldirektor Forschung und Innovation der Europäischen Kommission auf den akuten Bedarf klarer Regelungen für den Karriereweg von Wissenschaftlern in Europa hingewiesen. Die Botschaft der Präsidenten von EPFL und TU München auf einer Podiumsdiskussion gestern Abend in Brüssel war unmissverständlich: Wenn Europa die besten Nachwuchskräfte für die Forschung gewinnen und behalten will, müssen die europäischen Hochschulen attraktivere und international wettbewerbsfähige Laufbahnprogramme, wie beispielsweise Tenure-Track-Karrieresysteme, anbieten.

Es ist ein altbekannter Vorgang: Nachwuchswissenschaftler, die ihren Doktortitel in der Tasche haben, machen sich auf den Weg ins Forschungseldorado USA. Zwar konnte eine Aufstockung der europäischen Forschungsmittel, wie etwa die ERC-Grants (von 2007 bis 2013: 7,5 Milliarden Euro für 3.400 Projekte), dazu beigetragen, Talente zurück nach Europa zu holen. Weil hier aber immer noch klar definierte und sichere Karrierewege fehlen, kommen viele Forscher nicht zurück oder gehen dem Forschungsbereich ganz verloren.

Strukturierter Weg zum Professorenstatus

Das in den USA bewährte und auch in Großbritannien zunehmend gehandhabte, leistungsorientierte Tenure-Track-Modell begleitet die besten Forscher in strukturierter Weise auf ihrem Weg von der Postdoc-Phase zum Professorenstatus. Typischerweise münden die alle zwei Jahre stattfindenden Evaluationen am Ende eines fünf- bis sechsjährigen Zeitraums in einer Festanstellung als außerordentlicher Professor. Während dieser Zeit verfügen die Tenure-Track-Professoren über den Spielraum, ihr Forschungsthema unabhängig von etablierten Professoren zu verfolgen.

In Kontinentaleuropa dagegen kann es mit großen Schwierigkeiten verbunden sein, die ersten Sprossen auf der Professorenleiter zu erklimmen. Denn in den meisten Fällen sind die Stellen auf kurze Zeiträume befristet. Dadurch erleben die Nachwuchswissenschaftler große finanzielle Unsicherheit, was sich nachteilig auf ihre Forschungsproduktivität auswirkt. Darüber hinaus führt diese Situation zum Wechsel – oft mit dem gesamten Labor – in die nächste Einrichtung. Während das Durchschnittsalter für eine erfolgreiche Festanstellung in den USA bei unter 30 liegt, werden die Forscher in einigen europäischen Ländern Mitte 40, bevor sie eine sichere Stelle erhalten. Solche ungewissen beruflichen Entwicklungen lassen sich auch kaum mit der Familienplanung vereinbaren – eine der möglichen Ursachen für die große Zahl von Wissenschaftlerinnen, die den Forschungsbereich nach ihrer Promotion und mehreren befristeten Postdoc-Stellen endgültig verlassen.

Große Erfolge mit Tenure-Track-Modellen

Viele europäische Hochschulen wollen dieser Entwicklung jetzt mit Tenure-Track-Modellen entgegenwirken.  Als eine der ersten Hochschulen in Kontinentaleuropa hat die Schweizer École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) das System bereits vor zehn Jahren eingeführt und profitiert heute von dieser Entscheidung. „Rund die Hälfte unserer Tenure-Track-Professoren erhalten einen ERC-Starting Grant. Damit steht EPFL nach Cambridge, Oxford und ETHZ an vierter Stelle auf der Empfängerliste”, erläuterte EPFL-Präsident Patrick Aebischer. „Mit der Sicherung einer Erstfinanzierung, der Bereitstellung von Laborräumen und der gewährten Arbeitsplatzsicherheit gelingt es uns, die besten Forscher zu gewinnen, sie bei der Optimierung ihrer Forschungsproduktivität zu unterstützen und den Stein für ihre eigenständige Akquisition weiterer Finanzierungen ins Rollen zu bringen.”  

Qualität von Forschung und Lehre steigt


2012 hat die Technische Universität München (TUM) als erste deutsche Hochschule das Tenure-Track-System eingeführt. „Nach unseren Erwartungen wird Tenure Track die Qualität von Forschung und Lehre an der TUM enorm anheben“, betonte TUM-Präsident Wolfgang A. Herrmann. „Bisher haben internationale Spitzenwissenschaftler eher einen großen Bogen um die deutschen Hochschulen gemacht, da hier oft nur geringe Aussichten auf eine Beförderung oder eine dauerhafte Anstellung bestehen.” Zweifelsohne hat das neue System zum Erfolg der TUM in der deutschen Exzellenzinitiative beigetragen.

Auch die anderen Partner der Allianz „EuroTech Universities“, die TU Eindhoven und die dänische DTU, entwickeln Konzepte für attraktivere Laufbahnsysteme, die besonders für technische Hochschulen relevant sind.

Europaweite Zusammenarbeit gefordert


Europaweit mangelt es derzeit an einem einheitlichen Verständnis und an einer Zusammenarbeit in Bezug auf Tenure-Track-Karrieresysteme. Auch die Europäische Kommission sieht inzwischen Handlungsbedarf: „Wenn wir die Position Europas in der Spitzengruppe von Forschung und Innovation behaupten wollen, müssen wir auch unsere Hochschulsysteme reformieren. Die Einführung von Neuerungen in der Art und Weise, wie die Hochschulen Talente fördern und ihr Personalmanagement betreiben, ist Teil des europäischen Modernisierungsprogramms für Ausbildung, Forschung und Innovation", sagte Robert-Jan Smits, Generaldirektor Forschung und Innovation der Europäischen Kommission. „Wenn der Europäische Forschungsraum wahr werden soll, brauchen die europäischen Hochschulen offene, transparente und leistungsorientierte Rekrutierungssysteme, die talentierten Nachwuchswissenschaftlern beständige Laufbahnentwicklungen bieten. Und genau hier sind Tenure-Track-Systeme eine interessante Lösung.“


Über die Allianz der „EuroTech Universities“
Die Allianz der „EuroTech Universities“ ist ein strategischer Verbund von vier führenden wissenschaftlichen und technischen Hochschulen in Europa: TUM (Technische Universität München), EPFL (École Polytechnique Fédérale de Lausanne), DTU (Danmarks Tekniske Universitet) und TU/e (Technische Universiteit Eindhoven). Der Verbund stützt sich auf die gemeinsame Exzellenz, die Expertise und die Kompetenzen der einzelnen Partnerhochschulen und führt diese zusammen, um technische Lösungen für drängende gesellschaftliche Herausforderungen zu entwickeln. Die Allianz dient als europaweites Forum der Zusammenarbeit und des Austausches zu Fragen wie der Karriereplanung für Wissenschaftler im Europäischen Forschungsraum.
www.eurotech-universities.org

Weitere Informationen über das Tenure-Track-Konzept der TUM

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