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Im Fokus von Ernährungswissenschaftlern an der TUM: Das Mikrobiom des Darms. Rot dargestellt sind die Bakterien, grün die Schleimschicht und blau die Epithelzellen im Darm.
Im Fokus von Ernährungswissenschaftlern an der TUM: Das Mikrobiom des Darms. Rot dargestellt sind die Bakterien, grün die Schleimschicht und blau die Epithelzellen im Darm. (Bild: D. Haller/TUM)
  • Forschung

Millionenförderung für die Erforschung der Mikrobiota im Darm

Darmbakterien – Krankmacher oder Helfer?

Bakterien im Darm sind ganz normal. Allerdings spielen sie auch eine Rolle bei verschiedenen Darmerkrankungen. Mehrere Forschungsprojekte an der Technischen Universität München (TUM) werden die Wechselwirkung dieser Mikroorganismen (Mikrobiota) mit dem Immunsystem der Darmschleimhaut genauer untersuchen. Dafür stehen in den kommenden drei Jahren etwa zwei Millionen Euro an Förderungsgeldern zur Verfügung.  

Ein wichtiger Teil der Forschungsförderung stammt aus einem neuen Schwerpunktprogramm SPP 1656 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Mit dem Programm erforschen Wissenschaftler das Ökosystem der Darmmikroorganismen, die unter anderem Morbus Crohn auslösen. Deutschlandweit leiden geschätzt 350.000 Menschen an Morbus Crohn. Die Ursache, Entstehung und Entwicklung der chronisch entzündlichen Darmerkrankung (CED) ist weitgehend unbekannt. Ziel ist es herauszufinden, welche Darmmikroorganismen in gesunden und in entzündeten Bereichen mit der Darmschleimhaut interagieren.

Projektkoordination an der TUM

Deutschlandweit beteiligen sich  22 Forschergruppen am SPP 1656. Die DFG investiert ein Gesamtvolumen von 6,9 Millionen Euro in das dreijährige Projekt, an dem die Fachbereiche der Immunologie, Mikrobiologie, Gastroenterologie und der Ernährungswissenschaften beteiligt sind. Prof. Dirk Haller vom Lehrstuhl „Ernährung und Immunologie“ an der TUM und Prof. Ingo Autenrieth an der Uni Tübingen sind hierbei die federführenden Wissenschaftler. Auf Hallers Lehrstuhl an der TUM entfallen 864.000 Euro. Hier ist auch die Koordination des Projektes angesiedelt.

Während bisherige Studien Mikroorganismen bei Morbus Crohn-ähnlichen Erkrankungen im Dickdarm untersuchten, konzentriert sich Haller auf die Vorgänge im Dünndarm. „Wir wollen wissen, welche Faktoren der nicht-infektiösen Darmmikroben bei einer beginnenden chronischen Entzündung des Dünndarms eine Rolle spielen. Letztlich geht es darum mit Hilfe von Modellsystemen die ersten Schritte einer beginnenden Erkrankung zu verstehen“, erklärt Haller.

Bakterielles Enzym als Wirkstoff gegen Darmentzündungen

Darüber hinaus erhält Haller Forschungsmittel aus einem Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Damit wird der Wissenschaftler das Bakterien-Enzym Lactocepin als entzündungshemmenden Wirkstoff bei chronischen Darmentzündungen entwickeln und testen. 

Lactocepin wird von dem probiotischen Keim Lactobacillus casei gebildet, den wir mit der Nahrung aufnehmen. Allerdings wirkt der isolierte Wirkstoff wesentlich effektiver. Dafür muss das Enzym gereinigt und für den Transport durch den Magen-Darm-Trakt verpackt werden. Haller plant Lactocepin so zu verpacken, dass es auch klinisch bei CED-Patienten anwendbar ist. Über die kommenden drei Jahre stehen dem Freisinger Forscher dafür über 550.000 Euro zur Verfügung. 

Darmbakterien und Stoffwechselerkrankungen

Die Forscher am Wissenschaftszentrum Weihenstephan der TUM erhalten zudem 450.000 Euro aus einer EU-Förderung, um die Rolle der Darmbakterien in der Entstehung von Stoffwechselerkrankungen wie der Typ-2 Diabetes zu klären. Dabei steht ebenfalls der Darm als interaktive Grenzfläche im Mittelpunkt der Arbeiten von Haller. Das EU-Konsortium um die Koordinatorin Yolanda Sanz aus Spanien wird Anfang 2014 die Arbeit aufnehmen. 

Kontakt: 
Prof. Dr. Dirk Haller
Technische Universität München
Lehrstuhl für Ernährung und Immunologie
Tel.: +49 861 71-2026
dirk.haller(at)tum.de
www.wzw.tum.de/bflm

Corporate Communications Center

Technische Universität München Barbara Wankerl
barbara.wankerl(at)tum.de

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