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Zwei Goalball-Spieler versuchen einen gegnerischen Angriff abzuwehren (Foto: Ch. Weber / TUM)
Typische Verteidigungssituation beim Goalball (Foto: Ch. Weber / TUM)
  • Forschung

Goalball-Weltmeisterschaft vom 26. Juni bis 8. Juli 2014 in Finnland

Mit intelligenter Spielanalyse zum Erfolg

Am 26. Juni 2014 beginnt im finnischen Espoo die Weltmeisterschaft im Goalball, die am weitesten verbreitete Ballsportart für sehbehinderte Menschen. Für Deutschland starten ein Herren- und ein Damenteam: Insbesondere das Herrenteam rechnet sich Chancen für eine gute Platzierung aus – auch dank einer an der Technischen Universität München (TUM) entwickelten Software für die Spielanalyse.

Goalball ist eine Sportart, die bereits 1946 speziell für Menschen mit einer Sehbehinderung entwickelt wurde. Zwei Teams aus je drei Spielerinnen oder Spielern stehen sich auf einem 9 mal 18 Metern großen Spielfeld gegenüber. Ziel ist es, einen 1,25 Kilogramm schweren Ball mit der Größe eines Basketballs im gegnerischen Tor zu platzieren. Damit die Spieler den Ball orten können, befinden sich in seinem Inneren Glöckchen.

„Bei dem Spiel kommt es in der Offensive darauf an, sich möglichst gut auf dem Spielfeld zu orientieren“, erklärt Dr. Daniel Link vom TUM-Lehrstuhl für Trainingswissenschaften und Sportinformatik. „In der Defensive ist es dagegen wichtig, den Ballflug zu antizipieren und auf verschiedene Angriffsszenarien vorbereitet zu sein“, ergänzt Christoph Weber, der als Doktorand an dem Projekt beteiligt ist und die Teams in Espoo vor Ort betreut.

Vorbild: Olympisches Gold der Beachvolleyballer

Das Team um Daniel Link entwickelte für die Deutsche Nationalmannschaft eine Software zur Spielbeobachtung und -analyse. Vorlage für GoalScouter und GoalViewer, wie die beiden Module heißen, war ein Auswertungstool für Beachvolleyball. „Diese Anwendung trug 2012 wesentlich zum Erfolg der Beachvolleyball-Olympiasieger Julius Brink und Jonas Reckermann bei, die damit ihre Spieltaktik optimiert hatten“, erläutert Link.

Während eines Spiels kommentieren Trainer oder Assistenten die Videoübertragung live auf einem Tablet-PC: Zu den Spielsituationen können sie verschiedene Informationen ergänzen, zum Beispiel die Position, Wurftechnik oder das Ergebnis eines Angriffs – Tor, Fehlschuss oder Strafstoß.

Mittels moderner Bilderkennungsverfahren werden viele Informationen automatisch eingetragen, zum Beispiel Abwurfsektoren und Ballgeschwindigkeiten. Mit dieser Datenbasis lassen sich eigene oder gegnerische Spielzüge auswerten – Voraussetzung dafür, die Offensiv- und Verteidigungsstrategien anzupassen und zu erweitern.

Taktisch gut eingestellt nach Espoo

Die Nationalteams arbeiten bereits seit den paralympischen Sommerspielen 2012 mit der Erfassungssoftware GoalScouter, das Analyse- und Visualisierungsmodul GoalViewer ist seit den Europameisterschaften 2013 im Einsatz. Mit den beiden Anwendungen erstellten die Nationaltrainer eine Art Dossier über ihre Gegner und starten so umfassend vorbereitet in die WM.

„Unser Ziel ist es, bei der Goalball-WM vorne dabei zu sein“, sagt Thomas Prokein, Trainer des Nationalteams der Damen. „Die methodische Unterstützung der TUM und die Software haben uns wichtige Erkenntnisse gebracht: Wir konnten zum Beispiel bereits Muster im Wurfverhalten von gegnerischen Spielerinnen bei Strafstößen feststellen – dies sollte unsere Abwehrchancen erhöhen.“

Für die Herren-Mannschaft hat sich die Spielanalyse bereits ausgezahlt: Beim Intercup in Schweden (28. Mai bis 2. Juni 2014) gewann das Team die Goldmedaille.

Die Projekte werden vom Bundesinstitut für Sportwisssenschaft (BISp) seit 2010 (Beachvolleyball) bzw. 2012 (Goalball) mit Mitteln des Bundes gefördert.

Kontakt: 

Dr. Daniel Link
Technische Universität München
Lehrstuhl für Trainingswissenschaft und Sportinformatik (Prof. Dr. Martin Lames)
Tel.: +49.89.289-24498
daniel.link(at)tum.de
www.trainingswissenschaft.sp.tum.de

Mehr Informationen:

Corporate Communications Center

Technische Universität München Barbara Wankerl
barbara.wankerl(at)tum.ce

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