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Die Kürbisspinne ist eine kleinere Radnetzspinne und zählt zu den Arten, die für die Studie beobachtet wurden. Ihr Name verweist auf den gelblich-grünen Hinterleib, der an einen Kürbis erinnert. (Foto: Charlesjsharp Sharp Photography /Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 3.0)
Die Kürbisspinne ist eine kleinere Radnetzspinne und zählt zu den Arten, die für die Studie beobachtet wurden. Ihr Name verweist auf den gelblich-grünen Hinterleib, der an einen Kürbis erinnert. (Foto: Charlesjsharp Sharp Photography /Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 3.0)
  • Forschung

Konflikt zwischen Ertragsmaximierung und Artenerhalt in der Landwirtschaft scheint lösbarSo funktioniert Grünlandbewirtschaftung ohne Artenschwund

Intensive Bewirtschaftung von Grünland ist schlecht für die Artenvielfalt. Allerdings sorgt eine Studie vom Lehrstuhl für Terrestrische Ökologie der Technischen Universität München (TUM) für Hoffnung: Werden unterschiedliche Formen von Bewirtschaftungen innerhalb einer Region optimal verteilt, kann dies zu mehr Ertrag führen ohne Insektenarten zu verlieren. Im besten Fall finden sogar mehr Arten den für sie optimalen Lebensraum. Entscheidend ist, dass die Bewirtschaftung auf Landschaftsebene geplant wird.

Für die Studie wurden Daten von mehr als tausend Arten von Gliederfüßern (Arthropoda) ausgewertet, die auf über hundert Grünlandflächen (Wiesen und Weiden) erfasst wurden. Der Datensatz stammt aus den Jahren 2008 bis 2012 von Flächen der Biodiversitäts-Exploratorien in den Regionen Schwäbische Alb, Hainich-Dün und Schorfheide-Chorin. Entlang der für die Regionen typischen Gradienten in der Bewirtschaftung – angefangen mit der Intensivlandwirtschaft über die mittelstarke bis zur extensiven Bewirtschaftung – wurde beobachtet, wie sich die Populationen der häufig vorkommenden Insekten und Spinnen verändern.

"Bei einer intensiven Bewirtschaftung von Grünland wird beispielsweise dreimal im Jahr gemäht und gedüngt", erklärt Dr. Nadja Simons, Erstautorin der Studie – „während eine andere Wiese beispielsweise nur einmal im Jahr von Schafen beweidet und nicht gedüngt wird. Das ist dann die geringste Form, die so genannte extensive Bewirtschaftung." In Mitteleuropa wird auch unter Naturschutz stehendes Grünland bewirtschaftet, weil sonst nach und nach Wald entstünde. Gleichzeitig wird die Bewirtschaftung nicht geschützter Flächen immer intensiver betrieben. Dies ist fatal für Arten, welche nur mit extensiver oder mittelstarker Nutzung zurechtkommen. Häufig diskutierte Lösungsansätze sind die Maximierung der Nutzung auf einem Teil der Flächen, um zusätzliche Flächen unter Schutz stellen zu können, oder alternativ alle Flächen mit mittlerer Intensität zu bewirtschaften.

Konflikt zwischen Produktionssteigerung bei gleichzeitigem Artenerhalt ist lösbar


Im Gegensatz zu diesen Extremen zeigen die theoretischen Szenarien der Studie, die im Nature-Journal „Ecology & Evolution“ veröffentlicht wurde, dass der Konflikt zwischen hohen Erträgen und Artenerhalt besser lösbar wäre, wenn die Grünlandflächen einer Region unterschiedlich intensiv bewirtschaftet würden. Die Empfehlung von Dr. Nadja Simons und Professor Wolfgang Weisser lautet gegenüber Landwirten, jede Variante des breiten Spektrums der Möglichkeiten auszuschöpfen – und zwar über eine große Gesamtfläche hinweg.

„Nur so finden Arten, die extremere Habitate brauchen ebenso wie anspruchslosere Generalisten unter den Insekten ihren speziellen Lebensraum. Denn idealerweise können die Arten einfach dahin abwandern, wo es für sie passt“, sagt Simons. „Wird die Nutzungsintensität in einer Region optimal verteilt, war die Anzahl Arten, die profitieren sogar höher als im aktuellen Zustand. Theoretisch kann so der Ertrag – betrachtet über eine ganze Region – erhöht werden, ohne dass die Populationen der Insekten kleiner werden.“

Übertrag in die Praxis durch Zusammenarbeit der Landwirte möglich


Doch wie lässt sich das Ergebnis der Studie umsetzen? „Es kann in der Praxis funktionieren, wenn Landwirte einer Region wie in einem Orchester zusammenarbeiten und nicht jeder als Solist agiert“, sagt Simons. „Würde wiederum die Politik die Bewirtschaftung einer ganzen Region berücksichtigen, anstatt Maßnahmen nur auf einzelnen Flächen zu fördern, könnte dies ebenso zum Erhalt von mehr Arten führen.“ Bisherige Förderinstrumente haben nur den einzelnen landwirtschaftlichen Betrieb im Auge, besser wäre es, wenn Ziele auf Landschaftsebene gesetzt werden.

Für die Wissenschaftlerin wäre denkbar, das bestehende Computerskript, mit dem die Modell-Szenarien für Ihre Studie angefertigt wurden, weiter zu verfeinern. Damit könnte dann einmal die Planung der Grünlandbewirtschaftung auf Landschaftsebene durchgeführt werden, mit dem Ziel möglichst vielen Artengruppen Habitate zu sichern.

Doch bevor Masterpläne für die drei untersuchten Regionen in der Schwäbischen Alb, Hainich-Dün als auch der Schorfheide-Chorin erstellt werden können, müssen die Modelle zunächst noch komplexer werden. Es gibt weitere einschränkende Faktoren, die berücksichtigt werden müssen und dies wird im Anschluss mit den Landwirten der untersuchten Regionen diskutiert.

Publikation:

Nadja K. Simons und Wolfgang W. Weisser: Agricultural intensification without biodiversity loss is possible in grassland landscapes, Nature Ecology and Evolution 6/2017, DOI: 10.1038/s41559-017-0227-2.

Kontakt:

Dr. Nadja Simons
Technische Universität München
Lehrstuhl für Terrestrische Ökologie
Tel: +49.8161/71-3713
E-Mail: nadja.simons(at)tum.de

Prof. Dr. Wolfgang W. Weisser
Technische Universität München
Lehrstuhl für Terrestrische Ökologie
Department für Ökologie und Ökosystemmanagement
Tel: +49/8161/71-3496/ -3495
E-Mail: wolfgang.weisser@tum.de

Corporate Communications Center

Technische Universität München Sabine Letz
letz(at)zv.tum.de

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