• 19.01.2023
  • Lesezeit: 2 Min.

Allgemeinmedizin: Stammtisch bringt Bürger:innen und Forschende zusammen

Forschung gemeinsam gestalten

Das Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung der TUM hat einen Forschungsstammtisch eingerichtet. Das Ziel: Menschen allgemeinmedizinische Forschung begreiflich machen – und zugleich von deren Wissen und Erfahrungen zu profitieren. Am 26. Januar 2023 trifft der Stammtisch das nächste Mal in München zusammen, eine Teilnahme ist für alle Interessierten möglich.

Eine Ärztin im Gespräch mit einem Patienten fizkes/iStock
Das Stammtisch-Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, für stärkeren Austausch zwischen Forschung und Allgemeinheit zu sorgen. Einer der Ansätze ist, die Kommunikation zwischen Hausärzt:innen und Patient:innen zu verbessern, ein weiterer Ansatzpunkt ist das Design medizinischer Studien.

„Forschung aktiv mitgestalten“ lautet der Projektname für den Forschungsstammtisch des Instituts für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM). Die beteiligten Forschenden wollen den Menschen die allgemeinmedizinische Forschung begreiflich machen und zugleich von deren Wissen und Erfahrungen profitieren. „Wir streben eine Interaktion auf Augenhöhe an, die langfristig eine nachhaltige Beteiligung ermöglichen soll“, sagt Antonius Schneider, Professor für Allgemeinmedizin und Direktor des Instituts.

Orientierungstreffen im Hofbräukeller

Ein Dutzend Personen waren der Einladung zu einem ersten Orientierungstreffen im Münchner Hofbräukeller gefolgt, um sich künftig aktiv in die Forschung einzubringen – von der Auswahl der Projekte bis hin zur Begleitung von Studien. Das Spektrum der Teilnehmer:innen reicht von der Seniorin, die sich als Patientin oft vom Gesundheitssystem alleingelassen fühlt, über die Lehrerin, die sich „Heilung statt Symptombekämpfung“ wünscht, bis hin zur Diplom-Kauffrau, die sich wundert, warum Ärzt:innen „immer erst bezahlt werden, wenn man krank ist, und nicht, um uns gesund zu halten“.

Manche der Teilnehmer:innen sind vom Fach, etwa ein unabhängiger Patientenberater, eine Physiotherapeutin und eine Vertreterin des Münchner Bündnisses gegen Depression. Andere wollen einfach ihre Expertise einbringen, etwa der Maschinenbauingenieur, der darüber nachdenkt, wie man Medizin auf einzelne Menschen zuschneiden kann „und nicht auf die statistische Menge“.

Verständnisprobleme lösen

Prof. Schneider, der seit 2009 die erste Professur für Allgemeinmedizin in Bayern innehat, ist überzeugt, dass es richtig und unumgänglich ist, nicht nur Patient:innen, sondern auch Bürger:innen an der Forschung zu beteiligen. „Wir müssen schauen, dass das, was im Elfenbeinturm geforscht wird, auch in der Bevölkerung ankommt und der Bevölkerung nutzt“, sagt er.

Zudem gehe es auch darum, Studienunterlagen allgemeinverständlich zu formulieren, ergänzt Institutsmitarbeiter Jan Gehrmann. Nicht immer sei den Menschen, die sich an wissenschaftlichen Studien beteiligen, wirklich klar „was sie da unterschreiben“. Und wer könnte besser beurteilen, was allgemeinverständlich ist, als die Allgemeinheit – also die Bürger:innen.

Schwerpunkte gemeinsam entwickeln

Die Kooperationen müsse gemeinsam entwickelt werden – im Zusammenwachsen werde sich zeigen, wie die konkrete Arbeit der Gruppe künftig aussehen soll, sagen die Forschenden. Gleich zum Auftakt kristallisiert sich schon ein möglicher Schwerpunkt heraus: Die Kommunikation zwischen (Haus-)Ärzt:innen und Patient:innen muss besser werden. Und, auch ganz wichtig: Man wolle den Teilnehmer:innen Einblicke in Abläufe und Rahmenbedingungen von Forschungsvorhaben gewähren, etwa in die Notwendigkeit, private oder öffentliche Geldgeber zur Finanzierung der einzelnen Projekte zu finden.

Mitgerissen von der Begeisterung der Teilnehmer:innen, wagen die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Clara Teusen und Stefanie Eck einen Ausblick, wie weit die Bürgerbeteiligung reichen könnte: „Wenn Bürgerforen im Bundesministerium für Bildung und Forschung an Entscheidungen beteiligt werden, welche Forschungsvorhaben gefördert werden: Dann wäre die Forschung wirklich bei den Bürger:innen angekommen“, sagen die Forscherinnen.

Weitere Informationen und Links
  • Die Gruppe trifft sich regelmäßig, weitere Mitglieder sind willkommen. Der nächste Termin ist am 26. Januar 2023 im TranslaTUM (Einsteinstraße 25).
  • Für die Anmeldung und für nähere Auskünfte bitte Clara Teusen vom Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung per E-Mail kontaktieren: Clara.Teusenspam prevention@mri.tum.de
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