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Johannes Windmiller vertritt die Studierenden im Senat und im Hochschulrat der TUM. (Foto: Astrid Eckert/Andreas Heddergott)
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Weiter „Exzellenz-Uni“:Johannes Windmiller über den Status der TUM

Die TUM ist weiter „Exzellenz-Universität“. Wieder war sie im Juni 2012 eine der Gewinnerinnen in der Exzellenzinitiative (Wettbewerb des Bundes und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen). Was bedeutet das für die TUM? Inwiefern können auch die Studierenden davon profitieren? Die TUMstudinews haben Johannes Windmiller befragt. Er vertritt die Studierenden im Senat und im Hochschulrat der TUM.

TUMstudinews: Zum zweiten Mal gehörte die TUM im Juni im Wettbewerb „Exzellenzinitiative“ zu den Gewinner-Universitäten in Deutschland. Wie schätzen Sie das Ergebnis insgesamt ein?


Johannes Windmiller: Die TUM ist auf jeden Fall wieder vorne mit dabei, sie zählt zu den Gewinnern. Allerdings: Von sechs Forschungsclustern, die nicht weitergefördert werden, kommen fünf aus dem Ingenieurbereich. Hier hat sich der Schwerpunkt verlagert. Das Cluster Kognition für technische Systeme (CoTeSys) an der TUM fiel leider darunter, das ist unendlich schade. Auch nicht bewilligt wurde die Graduate School Risk and Security. Was ich gar nicht verstehen kann, ist aber die die Ablehnung des neu beantragten Clusters Elektromobilität!


TUMstudinews: Am Cluster „Electromobility beyond 2020“der TUM wollten sich die Universität der Bundeswehr, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und insgesamt 17 Industriepartner beteiligen, darunter die wichtigsten Automobilproduzenten Deutschlands.


Johannes Windmiller: Elektromobilität ist ein sehr wichtiges Thema, das untersucht werden muss, um eine Lösung für die hohe CO2-Emmission und die Ölknappheit zu finden. Viele Universitäten haben in der Vergangenheit Konzepte ausgearbeitet und präsentiert. Die TUM hingegen hat ein eigenes Elektroauto entwickelt: MUTE. Das war eine gigantische Leistung und dann wird das Cluster nicht bewilligt. Das kann ich nicht nachvollziehen. Vor allem da Deutschland den Startschuss zur Forschung im Bereich Elektromobilität verschlafen hat, kann man kaum genug Geld investieren, um gegenüber den Wettbewerbern einen Vorsprung zu erreichen.


TUMstudinews: Auf den ersten Blick geht es bei der Exzellenzinitiative um Förderung von Forschung. Steckt nicht noch mehr dahinter?


Johannes Windmiller: Offensichtlich ist, dass die Auswahlkriterien des Wettbewerbs nicht auf die Lehre fokussiert sind. Durch die Professuren, die mit den Mitteln aus der Exzellenz-Initiative finanziert werden, können mehr Spitzenforscher an die TUM kommen, weshalb sich für uns Studierende zum Beispiel das Betreuungsverhältnis verbessert. Durch die hohen Standards der Berufungen können wir auch sicher sein, dass sich die Lehre dadurch qualitativ und quantitativ verbessern wird. Und an spitzen Forschungsprojekten haben wir durch unsere Studienarbeiten ja auch Anteil, einen kleinen zumindest. Neueste Forschungsergebnisse fließen außerdem in die Vorlesungen mit ein, die wir hören.

TUMstudinews: Die Studierenden betonen immer wieder, dass die Lehre nicht zu kurz kommen darf.

Johannes Windmiller: Die Lehre ist trotz aller Bedeutung von Spitzenforschung immens wichtig. Das Wissen der Profs muss weitergegeben werden. Da ist ja an der Universität ein unendlicher Schatz vorhanden. Die Wichtigkeit der Lehre muss in den Köpfen und ein Gesprächsthema unter den Profs bleiben. Es wäre großartig, wenn gute Lehre ein ebenso hohes Ansehen hätte wie die Veröffentlichung toller Papers.


TUMstudinews: Immer mehr Themen werden an der TUM erforscht. Im Munich Center for Technology in Society (MCTS) zum Beispiel sollen die Natur-, Ingenieur- und Lebenswissenschaften mit ihrem Bezug zur Gesellschaft verknüpft werden. Für die Studierenden tun sich ganz neue Möglichkeiten auf, über den Tellerrand ihrer Fächer zu schauen.


Johannes Windmiller:  Die Themen, die vom MCTS erforscht und gelehrt werden sollen, sind meiner Meinung nach weit mehr als „über den Tellerrand schauen“. Es ist absolut notwendig, bei der Entwicklung von Produkten jeglicher Art immer auch die Wechselwirkung mit der Gesellschaft mit einzubeziehen. Zu gucken, wie die Gesellschaft Produkte und Lösungen annimmt, wie sich die Gesellschaft verändert und wie die Produkte und Lösungen dann angepasst werden müssen. Das kommt in den meisten unserer Studiengänge bisher kaum vor. Ethische Fragen spielen hier zum Beispiel auch eine Rolle. Vom MCTS erwarte ich mir absolut interessante Ergebnisse, das wird sich sicherlich etablieren.


TUMstudinews: An fünf Clustern ist die TUM als Hauptprojektpartner beteiligt. Und sie darf sich weiter „Exzellenz-Universität“ nennen. Nutzt dieses Renommee später nicht enorm, wenn man hier einen Abschluss gemacht hat?


Johannes Windmiller: Die TUM hat einen starken Namen. Ob der Titel „Exzellenzuniversität“ wirklich bei allen Personalern so präsent ist, kann ich nicht beurteilen. Durch die Exzellenzinitiative haben wir in den letzten Jahren sehr viel gute Presse gehabt. Also förderlich war das für den Ruf insgesamt auf jeden Fall.


TUMstudinews: Von vielen Seiten hört man, dass die Exzellenz-Initiative an der TUM eine besonders innovative Atmosphäre hervorgerufen hat. Sehen Sie das auch so?


Johannes Windmiller: Ich bin seit vier Jahren an der TUM. Deshalb habe ich keinen Vergleich zum Zeitpunkt vor der Exzellenzinitiative. Was mir aber stark auffällt, ist, dass es überall an der TUM Leute gibt, die etwas verbessern wollen. Egal, in welchem Bereich. Klar, nicht jede Idee kann umgesetzt werden. Aber es herrscht an der TUM eine große Offenheit. Es gibt den Willen zu Innovationen und ein starkes Interesse daran. Es wird wirklich genau hingeschaut, wo Dinge besser gemacht werden können.



Johannes Windmiller (25) studiert Maschinenwesen im 8. Semester, mit den Schwerpunkten Hubschraubertechnologie und systematische Produktentwicklung. Er sitzt als gewählter Vertreter der Studierenden im Senat und im Hochschulrat der TUM. Sie sind die höchsten Gremien der Universität. Beide entscheiden über die "Entwicklungsrichtung" der TUM und beschließen zentrale Punkte wie die Einrichtung neuer Studiengänge oder Satzungsänderungen in Studien- oder Prüfungsordnungen. Außerdem kontrollieren sie das operative Geschäft der Hochschulleitung. 

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