TUM-Studentin Maria Matveev ist Mitbegründerin der Bildungsplattform lern-fair.de
Rettungsring für benachteiligte Schülerinnen und Schüler: TUM-Studentin Maria Matveev ist Mitbegründerin der Bildungsplattform lern-fair.de.
Bild: Finn Süberkrüb
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Bildungsplattform lern-fair.de sucht dringend Ehrenamtliche„Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich“

BildungsUNgerechtigkeit ist ein riesiges Problem, findet Maria Matveev. Die Mathematik-Studentin hat mit Kommilitoninnen und Kommilitonen die Plattform Lern-Fair ins Leben gerufen, die benachteiligten Schülerinnen und Schülern helfen soll. 15.000 Tandems wurden schon vermittelt. Und weiterhin braucht es viele Ehrenamtliche.

Herzlichen Glückwunsch, lern-fair.de hat gerade beim Deutschen Engagementpreis den Sonderpreis der Jury gewonnen. Er wurde heuer speziell für Engagement in der Coronapandemie verliehen.

Vielen Dank, der Preis hat uns natürlich sehr gefreut. Wir empfinden das als große Wertschätzung unserer Arbeit und versuchen diese an unsere Ehrenamtlichen weiterzugeben.

Wie funktioniert Lern-Fair?

Unser größtes Projekt ist die 1:1-Lernunterstützung. In 25 Fächern vermitteln wir Studierende, die ehrenamtlich Schülerinnen und Schülern mit kostenloser, digitaler Nachhilfe beistehen. Der Bedarf ist riesig: Vier Wochen nach dem Start im März 2020 hatten wir schon 5.000 Registrierungen. Aktuell suchen wir noch für 500 Schülerinnen und Schüler die/den passenden Tandempartner/in.

Wie werden die Helferinnen und Helfer ausgewählt?

Nach der Registrierung führt das Lern-Fair-Team digitale Kennlerngespräche, um die Kandidat:innen persönlich kennenzulernen, sich ein Bild zu machen, wer geeignet ist und natürlich auch, um Missbrauch vorzubeugen. Die potentiellen Ehrenamtlichen müssen sich ausweisen und nachweisen, dass sie an einer Hochschule oder Uni eingeschrieben sind oder bis vor kurzem waren. Auch ob sie zum Beispiel schon Erfahrung haben, wird abgefragt.

Was müssen die Ehrenamtlichen leisten?

Ein Algorithmus bringt die Matches mit den größtmöglichen Übereinstimmungen zusammen. Alles Weitere wird dann bitaleral besprochen. Jedes Team kann individuell entscheiden, wieviel gemeinsame Zeit möglich und nötig ist – das kann direkt vor einer Schulaufgabe mal mehr sein, danach etwas weniger. Auch kann es sein, dass die/der Studierende mal weniger Zeit zur Verfügung hat, weil eine Klausur oder Prüfung bevorsteht. Das kann jedes Tandem untereinander ausmachen. Wir versuchen, die Lernpaare bestmöglich durch Hilfestellungen, kurze Fortbildungen und unsere Mentorinnen und Mentoren zu unterstützen.

Gegründet wurde die Plattform ganz früh, direkt als die Pandemie Deutschland erreicht hatte.

Als die Schulen und Unis im Frühjahr 2020 geschlossen wurden, haben wir uns sofort zusammengetan und in Bonn die Plattform „Corona School“ gegründet. Wir wussten, dass wir denen, die es am schwersten haben, niederschwellig, individuell und kostenlos helfen müssen. Am Anfang waren wir zu acht - sechs studierten Mathematik, einer Informatik, einer Politics, Philosophy & Economics. Inzwischen arbeiten 70 Personen hinter den Kulissen. Unser Herzstück war von Anfang an die technische Lösung. Wir entwickeln open source, die Programmierung kann also eingesehen werden, und wer daran mitentwickeln will, ist herzlich willkommen.

Sie studieren im Master, machen gerade ein Auslandsjahr in Schweden und engagieren sich bei Lern-Fair. Wie kriegen Sie das zeitlich alles gebacken?

„Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich.“, diesen Satz spreche ich oft aus. Es ist eine Frage der Prioritäten. Ich stecke viel Freizeit in Bildungsgerechtigkeit. Freilich ist es ein Spagat zwischen Studium und Engagement. Das Arbeitspensum ist hoch. Ehrlicherweise empfinde ich das Online-Studium als weniger zeitaufwändig als das in Präsenz. Die Zeiteinteilung ist viel flexibler. Vorlesungsmitschnitte kann ich gucken, wann es für mich passt. Manche schaue ich in doppelter Geschwindigkeit, das spart Zeit.

Wo soll es langfristig mit Lern-Fair hingehen?

Von Anfang an hatten wir die Vision, dass wir nicht nur kurzfristig abfedern wollen, was Teilen der Schülerschaft pandemiebedingt genommen wurde. Deshalb haben wir uns inzwischen auch von „Corona School“ in „Lern-Fair“ umbenannt. Bildungsungerechtigkeit gab es schon vor Corona, die Pandemie hat da nur eine Lupe draufgehalten. Der individuelle Bildungserfolg hängt in Deutschland seit Jahren sehr stark vom sozioökonomischen Hintergrund ab. Wenn wir diesen Missstand mit unserer Plattform ein klein wenig verbessern können, sind wir sehr glücklich.

Mehr Informationen:

  • Maria Matveev stammt aus Jena in Thüringen und studiert an der TUM im Master Mathematics in Data Science. Den Bachelor machte sie an der Uni Bonn.
  • Gerade absolviert sie ein Erasmus-Jahr in Göteborg. Wenn Maria nicht mit der Plattform oder Schwedischlernen beschäftigt ist, geht sie gerne zum Klettern und Bouldern.
  • Clip Lern-Fair zum Deutschen Engagementpreis
  • Lern-Fair betreibt neben der 1:1-Lernunterstützung zurzeit noch drei weitere Projekte: eine Gruppenkursplattform, ein Praktikum für Lehramtsstudis und 1:1-Projektcoaching.
  • Über 500 Schülerinnen und Schüler sind auf lern-fair.de aktuell noch ohne Tandempartner/in. Daher suchen das Organisationsteam dringend nach weiteren Studierenden, die sich ab 1.5h/Woche Zeitaufwand ehrenamtlich engagieren wollen. Mehr Infos: Lern-Fair 1:1-Lernunterstützung

Technische Universität München

Corporate Communications Center Verena Meinecke
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