Dokorand Tobias Teschemacher sitzt vor einer Brücke in Brisbane, Australien.
Tobias Teschemacher verbrachte mit dem Joint Supervision Program eineinhalb Jahre für seine Forschung an der University of Queensland in Brisbane, Australien. Davon habe seine Doktorarbeit in höchstem Maße, profitiert, wie er sagt.
Bild: privat
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Unterwegs mit Bauingenieur Tobias TeschemacherForschen Down Under

Sonne und Surfen, Koalas und Kängurus – Australien ist für viele ein Sehnsuchtsort. Aber auch akademisch hat der fünfte Kontinent einiges zu bieten. Bauingenieur Tobias Teschemacher berichtet von seinem Forschungsaufenthalt an der University of Queensland in Brisbane, wo er an seiner Promotion arbeitete und sich mit den Tücken der Corona-Pandemie konfrontiert sah.

Als ich Ende 2019 in Brisbane ankam, erwartete mich dort ein ganz besonderer Anblick: Im November ist in Australien Frühling und die Jacarandas blühen. Die Blüten dieses Trompetenbaumgewächses färben die ganze Region um Brisbane in ein tiefes Violett – ein beeindruckendes Farbenspiel, an dem sich die University of Queensland (UQ) in Brisbane sogar bei der Gestaltung ihres Logos orientiert hat.

Ein Gebäude der University of Queensland umgeben von lila blühenden Jacaranda-Bäumen.
„Die schönste Zeit in Brisbane ist der australische Frühling“, sagt Doktorand Tobias Teschemacher, der eineinhalb Jahre an University of Queensland in Brisbane forschte. Hier sieht man die UQ in einer lila gefärbten Landschaft, wie sie während der Jacaranda-Blüte üblich ist.
Bild: Tobias Teschemacher

Bei meiner Ankunft an der UQ hatte ich das Ziel, innerhalb von sieben Monaten im hervorragend ausgestatten Labor der UQ eine Reihe wichtiger Mauerwerksversuche für meine Doktorarbeit durchzuführen und dort eine offene Simulationssoftware zu etablieren, die wir an der TUM mitentwickeln. Mein Programm war straff und die Versuche konnte ich erst vor Ort richtig planen. Das war aber kein Problem, da ich durch das Joint Supervision Program der TUM Graduate School und der UQ Graduate School sehr gut an der Partneruniversität eingebunden war. Ich war Teil der Forschungsgruppe Structural Engineering und hatte vor Ort zwei Betreuer für meine Doktorarbeit.

Plötzlich Pandemie

Mein knapper Zeitplan wurde dann allerdings unerwartet durch die weltweite Corona-Pandemie durchkreuzt: All unsere Versuche wurden erst mal gestoppt. Die deutsche Botschaft hat mir Anfang April 2020 dringend empfohlen, nach Deutschland zurückzukehren, die Unsicherheit war doch sehr groß. Da meine Versuchsstände aber bereits aufgebaut waren und alles blockiert hätten, konnte ich nicht einfach abreisen. Dank der Unterstützung an der UQ habe ich es geschafft, mein auslaufendes Visum schnell und unkompliziert zu verlängern – und somit erst mal in Australien zu bleiben.

Erfolgreiche Experimente

Zum Glück hat sich die pandemische Lage in Brisbane innerhalb kurzer Zeit verbessert und wir konnten unsere Versuche fortführen. Die Verlängerung meines Aufenthalts aufgrund der Pandemie war in gewisser Hinsicht auch ein Segen für mich, denn ich konnte das Versuchsprogramm sogar erweitern: Durch verschiedene Versuchsaufbauten konnte ich somit Referenzwerte für die Simulation von Mauerwerksscheiben generieren. Dabei hat mich das höchst professionelle Team in Brisbane tatkräftig unterstützt.

Versuchsaufbau mit Mauerwerk
An der UQ führte Tobias Teschemacher Mauerwerksversuche für seine Doktorarbeit durch.
Bild: Tobias Teschemacher

Außerdem hatte ich an der UQ die Gelegenheit, an einer weiteren Versuchsreihe mitzuwirken, bei der die Eigenschaften von betongefüllten glasfaserverstärkten Kunststoffrohren, sogenannten GFK-Rohren, getestet wurden. Dazu wurden die Versuchskörper mit etwa zehn Kilogramm schweren Kugeln beschossen. Am Ende konnte das Forschungsteam zeigen, dass die Betonkörper ohne GFK-Rohre nicht ansatzweise standhielten, wohingegen die Betonkörper mit GFK-Rohren nur kleine Schäden erlitten. Eine wichtige Erkenntnis, um Bauteile kostengünstig zu optimieren.

Auch mein zweites Ziel für den Aufenthalt an der UQ konnte ich umsetzen: Ich habe unsere Simulationssoftware dort etabliert. Durch Workshops habe ich dem Team in Brisbane unser Wissen vermittelt und konnte so auch Forschende der UQ für das Projekt gewinnen, die seitdem regelmäßig Beiträge zur Fortentwicklung der Software liefern. Geholfen hat mir dabei auch, dass ich in Brisbane mit einer lokal ansässigen Firma zusammenarbeitete, welche unser Vorhaben mit viel Input unterstützt hat.

Am anderen Ende der Welt

Auch außerhalb meiner Forschungsarbeit an der UQ habe ich in Australien einiges erlebt: Brisbane ist die am schnellsten wachsende Großstadt Australiens und liegt knapp eine Autostunde von der Küste entfernt. In der Region herrscht subtropisches Klima mit warmen Wintern und sehr heißen Sommern – und so manchem lang anhaltenden Regenschauer. Mit dem etwas nördlich beginnenden Great Barrier Reef, bietet die Region auch endlose Möglichkeiten, die vielfältige Unterwasserwelt mit Schiffswracks, verschiedensten Haien, Mantarochen und Riffen beim Tauchen zu erkunden.

Eine große Herausforderung während eines Forschungsaufenthalts am anderen Ende der Welt ist sicherlich die Zeitverschiebung. Wenn dringende Online-Besprechungen mit dem Betreuer meiner Doktorarbeit an der TUM anstanden, lief es ab und an auf folgenden Kompromiss hinaus: Er saß bei einem Bier um zehn Uhr abends in München und ich mit einem guten Kaffee um sechs Uhr morgens in Brisbane. Der Vorteil dabei war, dass er mir zu dieser Tageszeit trotz seines sonst gut gefüllten Kalenders oft schnell einen Termin anbieten konnte. Zum Glück habe ich mich aber auch vor Ort sehr gut mit meinen Kolleginnen und Kollegen verstanden und konnte viele neue Kontakte knüpfen, die meinen schlussendlich eineinhalb Jahre langen Forschungsaustausch zu einer wirklich unvergesslichen Reise gemacht haben. 

Mehr Informationen:

Technische Universität München

Corporate Communications Center Tobias Teschemacher / Lisa Pietrzyk
lisa.pietrzyk(at)tum.de

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