TUM Gründergeflüster: CargoKite

Stand: Februar 2022

Welches Problem löst ihr mit eurem/r Produkt/Idee?
90 % des weltweiten Handels werden auf dem Seeweg abgewickelt, und die überwiegende Mehrheit der Waren wird mit schwerölbetriebenen Containerschiffen transportiert. Ein einziges Containerschiff alleine stößt dabei mehr CO2 aus als 65.000 Autos. Die Schiffsindustrie ist damit für mehr als eine Milliarde Tonnen CO2 verantwortlich, was 3 % der weltweiten CO2-Emissionen entspricht. Vielseits diskutierte alternative Kraftstoffe, wie Methanol, werden jedoch in etwa das sechsfache kosten. Darüber hinaus wird eine vollständig erneuerbare Produktion dieser Kraftstoffe nicht vor 2050 gegeben sein.

Welche Technologie steht hinter dem Produkt?
Wir gehen dieses Problem mit einem innovativen, zum Patent angemeldeten, autonomen Schiff an, das ausschließlich durch Windenergie angetrieben wird. Das macht unsere Lösung nicht nur wirklich nachhaltig, sondern reduziert auch die Betriebskosten auf ein Minimum. Der Hauptantrieb des Schiffes ist ein Airborne Wind Energy System, dessen Hauptbestandteil ein Kite ist, der in einer Höhe von 100 bis 300 Metern fliegt. Durch unseren neu konzipierten Rumpf und komplexe Regelungstechnik kann die Windenergie mit noch nie da gewesener Effizienz direkt in eine Vorwärtsbewegung des Schiffes umgewandelt werden.

Wie habt ihr als Team zusammengefunden?
Als begeisterter Kite-Surfer hatte Marcus die initiale Idee und hat das technische Konzept im Rahmen von mehreren wissenschaftlichen Arbeiten an der TUM weiterentwickelt. Im Business Plan Seminar der UnternehmerTUM hat er Amelie kennengelernt, um sich gemeinsam der Frage zu widmen, ob man um diese technische Idee auch ein passendes Geschäftsmodell herumbauen kann. Als sie auch davon überzeugt waren, konnten sie Max und Tim schnell für die Idee gewinnen. Marcus und Tim kannten sich noch aus dem Studium an der TUM, während Max und Marcus zusammen gewohnt haben.

Welchen Bezug haben eure Teammitglieder zur TUM?
Das Kernteam von CargoKite besteht aus Amelie Binder, Marcus Bischoff, Tim Linnenweber und Max Perschen. Die TUM und UnternehmerTUM ist der gemeinsame Dreh- und Angelpunkt. Marcus und Tim kennen sich durch ihr gemeinsames Maschinenbaustudium. Amelie hat Wirtschaftsinformatik studiert und Max technik- und managementorientierte BWL mit Schwerpunkt Elektrotechnik. Auch heute noch ist das Team eng mit der TUM verbunden, u.a. durch das EXIST Gründerstipendium sowie der Nutzung der Büros im TUM Incubator.

Was macht eure Idee einzigartig?
CargoKite ermöglicht flexible maritime Logistik durch 100% emissionsfreie Mikrofrachtschiffe, die ausschließlich Wind als Antrieb nutzen. Da das Schiff keinen Treibstoff benötigt und die Personalkosten auf ein Minimum beschränkt sind, sind die Total Cost of Ownership niedriger als bei herkömmlichen Schiffen. Die Schiffe können flexibel für individuelle Aufträge der Kunden eingesetzt werden. Außerdem ist das Streckennetz aufgrund der Größe des Schiffs nicht auf große Häfen mit komplexer Infrastruktur beschränkt. Dies ermöglicht flexible Punkt-zu-Punkt-Verbindungen und eine beschleunigte Verschiffung von Gütern.

Was sind die nächsten Schritte?
Derzeit arbeiten wir mit Hochdruck an der Entwicklung und Konstruktion des ersten Modell-Prototyp des Schiffs. Dieser soll Anfang 2022 fertiggestellt und dazu genutzt werden, das Steuerungs- und Regelungssystem in einem sicheren Umfeld testen und konsequent erweitern zu können. Basierend darauf streben wir an, die erste Finanzierungsrunde abzuschließen, um die Entwicklungskapazitäten hochzufahren und bis 2023 ein Prototyp in der Größe eines Sportboots zu entwickeln. Hierzu werden wir im kommenden Jahr auch gezielt interdisziplinäre Verstärkung von TUM Studierenden und Absolvent*innen suchen: Egal ob Vollzeitstelle, Praktikum, Werkstudententätigkeit oder Studienarbeit, Interessierte können sich gerne bei uns melden.

Wer im Team übernimmt welche Aufgaben?
Marcus ist als Ideengeber der technische Lead und verantwortet vor allem die Bereiche mechanische Entwicklung sowie Systemintegration. Max verstärkt das technische Team und leitet die elektrotechnische Entwicklung. Amelie und Tim sind für die geschäftliche Entwicklung verantwortlich. Während Amelie sich vor allem auf Partnermanagement und Fundraising konzentriert, übernimmt Tim das Business Development, die Finanzplanung sowie die innerbetrieblichen Abläufe.

Was ist euch bei der weiteren Entwicklung eures Start-ups / Idee besonders wichtig?
Wir wollen einen positiven Beitrag zum Wohl des gesamten Planeten leisten und sehen hier gerade in der Schiffsindustrie großes Potenzial. Dazu sind wir der Überzeugung, dass Lösungen, die nicht nur nachhaltig, sondern auch wirtschaftlich konkurrenzfähig sind, den größten Effekt haben können. Genau das versuchen wir mit CargoKite zu erreichen. Was die Zusammenarbeit im Team angeht, wollen wir eine kollegiale Atmosphäre schaffen, in der alle auf Augenhöhe kommunizieren. Aus unserer Sicht lässt sich am meisten bewegen, wenn alle an einem Strang ziehen und jede(r) an Aufgaben arbeitet, die ihr/ihm Spaß machen.