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Ein kleiner Trick kann Golfern dabei helfen, auch unter Druck automatisierte Bewegungsabläufe richtig abzurufen.  Foto: samott/Fotolia
Ein kleiner Trick kann Golfern dabei helfen, auch unter Druck automatisierte Bewegungsabläufe richtig abzurufen. Foto: samott/Fotolia
  • Forschung

Höchstleistung trotz StressKleine Handbewegung hilft Sportlern im Wettbewerb

Vor dem Wettkampf einen kleinen Ball in der linken Hand zusammendrücken: Mit diesem einfachen Trick können Sportler vieler Disziplinen ein Versagen unter Druck vermeiden. Die Handbewegung aktiviert Bereiche in der rechten Gehirnhälfte, die für Bewegungsabläufe zuständig sind. Gleichzeitig hemmt sie Gehirnregionen, die das Abrufen von automatisierten Bewegungen stören können. Dies haben Sportpsychologen der Technischen Universität München (TUM) herausgefunden.

Ob Tritte beim Karate oder das Schießen eines Fußballs: Für Sportler werden bei jahrelangem Training viele Bewegungen zu Automatismen, die sie nicht mehr bewusst steuern. Wenn Athleten unter Druck ihre Leistung abrufen sollen, machen sie sich diese Bewegungsabläufe jedoch manchmal zu präsent. „Athleten zeigen meist eine bessere Leistung, wenn sie sich auf ihre motorischen Fähigkeiten verlassen und dabei nicht allzu viel über Bewegungen und Trainingsempfehlungen nachdenken“, erklärt Prof. Jürgen Beckmann vom Lehrstuhl für Sportpsychologie.

Wie aber können sie trotz Stress diese Automatismen abrufen? Sportpsychologen der TUM haben herausgefunden, dass Rechtshänder, die vor dem Wettkampf einen Ball in ihrer linken Hand zusammendrückten oder diese Hand zur Faust ballten, ihre Leistung unter Stress besser abrufen konnten als Rechtshänder, die den Ball mit der rechten Hand gedrückt hatten. Der Grund: Die oberen Extremitäten sind mit der jeweils gegenüberliegenden Gehirnhälfte verschaltet. Mit der linken Hand lassen sich also die rechts gelegenen Gehirnregionen aktivieren, die automatisierten Bewegungsabläufen zugeordnet sind.

Geballte Faust hilft beim Elfmeter

„Indem Sportler den Ball oder einfach ihre linke Hand zusammendrücken, aktivieren sie neuronale Bereiche in der rechten Gehirnhälfte. So erhöhen sie die Wahrscheinlichkeit, dass sie automatisiertes Verhalten im richtigen Moment abrufen können. Gleichzeitig unterdrücken sie damit auch die linke Gehirnhälfte, die das bewusste, sprachliche Nachdenken über Bewegungsinstruktionen steuert“, sagt Beckmann. Untersucht haben die Wissenschaftler Rechtshänder, weil bei ihnen die Interaktionen der verschiedenen Gehirnareale eindeutiger lokalisiert sind.

Die Psychologen haben in ihren Experimenten erfahrene Fußballspieler, Karatekämpfer und Badmintonspieler auf ihre Leistungsfähigkeit untersucht – zunächst beim Training, anschließend unter Druck, wie etwa bei einem Wettkampf vor großem Publikum oder einer Beurteilung durch Trainer. Sie stellten fest, dass der Trick vor dem Wettkampf insbesondere bei Sportarten wirkt, bei denen Genauigkeit und komplexe Bewegungsabläufe eine große Rolle spielen, etwa beim Elfmeterschuss im Fußball oder bei Golfern.

Auch über den Sport hinaus könnten die Ergebnisse Bedeutung haben: „Ältere Menschen konzentrieren sich aus Angst vor einem Sturz oft zu stark auf ihre Bewegungsabläufe“, sagt Beckmann. „Rechtshänder könnten ihr Gleichgewicht verbessern, wenn sie etwa vor dem Treppensteigen ihre linke Hand zusammenballen.“  Derzeit wird die Wirksamkeit der Methode auch bei professionellen Musikern überprüft.

Publikation:
„Preventing Motor Skill Failure Through Hemisphere-Specific Priming: Cases From Choking Under Pressure;“ Juergen Beckmann, PhD, Peter Groepel, PhD, and Felix Ehrlenspiel, PhD, Technical University of Munich; Journal of Experimental Psychology: General; online Sept. 3, 2012

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Jürgen Beckmann
Technische Universität München
Lehrstuhl für Sportpsychologie
Tel. +49 89 289-24540
E-Mail: juergen.beckmann(at)tum.de

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