TUM – Technische Universität München Menü
Wer zwölf Wochen lang an einem betreuten moderaten Training teilnahm, erzielte laut der Wissenschaftler die besseren Effekte als diejenigen, die alleine trainierten. (Foto: iStock/ monkeybusinessimages)
Wer zwölf Wochen lang an einem betreuten moderaten Training teilnahm, erzielte laut der Wissenschaftler die besseren Effekte als diejenigen, die alleine trainierten. (Foto: iStock/ monkeybusinessimages)
  • Forschung

Herzinsuffizienz: 3000 Schritte in 30 Minuten verbessern die Prognose

Betreutes Training hilft bei Herzschwäche

Körperliches Training führt nicht wie bisher angenommen zu einer schädigenden Erweiterung der Herzkammer bei Herzinsuffizienz. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) und der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität in Trondheim (NTNU) widerlegen diese bisherige Annahme und geben Empfehlungen, wie ein Training bei Personen mit Herzschwäche aussehen sollte.

Die Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) zählt in Deutschland zu den häufigsten Todesursachen. Als Folge dieser Erkrankung ist das Herz nicht mehr in der Lage, den Körper ausreichend mit Blut und Sauerstoff zu versorgen. Bislang ist die Prognose bei dieser Erkrankung schlecht und vergleichbar mit den Prognosen bei manchen Krebsleiden.

„Für Herzinsuffizienz stand bisher die medikamentöse Therapie im Vordergrund. Ergänzt wurde dies durch einen Herzschrittmacher, der die Kontraktion des Herzmuskels optimiert und einen Defibrillator – beides soll einen plötzlichen Herztod durch Herzrhythmusstörungen verhindern“, sagt Professor Martin Halle vom Lehrstuhl für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin der TU München.

Körperliches Training galt lange als gefährlich

Körperliches Training wurde Erkrankten dagegen lange strikt verboten, da befürchtet wurde, dass sich dadurch die Pumpfunktion des Herzens weiter verschlechtert. Doch in den vergangenen Jahren haben Studien bereits gezeigt, dass ergänzendes körperliches Training belastbarer macht und weitere Klinikaufenthalte wegen sich verschlechternder Symptome (Rehospitalisationsrate) reduziert.

Für eine Studie, vor kurzem veröffentlicht in "Circulation" der American Heart Association, untersuchten Medizinerinnen und Mediziner in neun europäischen Zentren, welche Trainingsform sich wie auf ein geschädigtes Herz auswirkt. „Wir belegen mit dieser Studie, wie eine moderate Sporttherapie die Prognose von Erkrankten deutlich verbessert“, ist das Fazit von Halle.

Im Zeitraum von 2009 bis 2014 wurden dafür 261 Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz in drei Gruppen eingeteilt und durchliefen 52 Wochen lang verschiedene Trainingseinheiten. Zunächst wurde mit allen drei Gruppen über drei Monate ein von Medizinern betreutes Training durchgeführt und zusätzlich eine Empfehlung zur Fortführung der Intervention für weitere neun Monate gegeben.

Patienten, die zwölf Wochen lang an einem überwachten moderaten Training teilnahmen, erzielten die besseren Effekte als diejenigen, die alleine trainierten. „Wir konnten eine Verkleinerung der linken Herzkammer und damit eine Verbesserung der Pumpfunktion beobachten“, sagt Halle. „Und es verbesserte sich ihre allgemeine körperliche Verfassung.“

Die Studie konnte keine signifikanten Unterschiede feststellen zwischen einem Intervalltraining bei hoher Intensität oder einem regelmäßigem Standardtraining bei moderater Intensität.

Moderates Training bedeutet rund hundert Schritte pro Minute

„Insgesamt unterstreicht diese neue Studie, wie sehr ein regelmäßiges körperliches Training bei moderater Intensität allen Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz zu empfehlen ist“, fasst Halle zusammen – "von höheren Intensitäten würde ich persönlich jedoch abraten bis wir mehr darüber wissen und auf Langzeitzahlen zurückgreifen können."

Dazu gibt Mediziner zugleich den konkreten Tipp: „Moderates Training bedeutet rund hundert Schritte pro Minute oder 3.000 Schritte in 30 Minuten.“

Vorteile einer Sporttherapie für Herzpatienten:
●      das Herz wird entlastet
●      Stärkung des Herzens durch verbesserte Herzmuskel-Funktion
●      Erweiterung der Blutgefäße und Bildung neuer Blutgefäße
●      erhöhter Blutdruck und Blutfettwerte werden gesenkt
●      Sauerstoffaufnahme aus dem Blut verbessert sich
●      Risiko für herz- und gefäßbedingte Notlagen wie Herzinfarkt und Schlaganfall sinkt
●      die Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit wird gesteigert

Publikation:

Øyvind Ellingsen, Martin Halle, Viviane M. Conraads, Asbjørn Støylen, Håvard Dalen, Charles Delagardelle, Alf-Inge Larsen, Torstein Hole, Alessandro Mezzani, Emeline M. Van Craenenbroeck, Vibeke Videm, Paul J. Beckers, Jeffrey W. Christle, Ephraim B. Winzer, Norman Mangner, Felix Woitek, Robert Höllriegel, Axel P. Pressler, Tea Monk-Hansen, Martin Snoer, Patrick Feiereisen, Torstein Valborgland, John K. Kjekshus, Rainer Hambrecht, Stephan Gielen, Trine Karlsen, Eva B. Prescott, Axel Linke and the SMARTEX Heart Failure Study Group: High Intensity Interval Training in Heart Failure Patients with Reduced Ejection Fraction, Circulation 01/2017.  DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.116.022924

Kontakt:

Prof. Dr. Martin Halle
Technische Universität München
Lehrstuhl für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin
Tel:  +49/ 89/289 24431
halle(at)tum.de

Corporate Communications Center

Technische Universität München Sabine Letz
letz(at)zv.tum.de

Weitere Artikel zum Thema auf www.tum.de:

Höhepunkt der „Forscherwochen" ist eine zweitägige Forschungsexpedition mit Experimenten und Untersuchungen im Freien. (Foto: Valerie Frimmer)

Im Freien lernt es sich besser

Im Freien in naturwissenschaftlichen Fächern unterrichtet zu werden, erhöht die Motivation von Schülerinnen und Schülern. Eine Studie der Technischen Universität München (TUM) und der Universität Mainz legt deshalb nahe, in...

Entgegen bisheriger Studien belegt das Team der TUM, dass sich bei Erstklässlern die sportmotorische Leistungsfähigkeit in den vergangenen zehn Jahren nicht verschlechtert hat. (Foto: iStock/ FatCamera)

Erstklässler fitter als gedacht

Übergewicht bei Kindern wird oft auf zu wenig Bewegung zurückgeführt. Doch wie steht es um Sport bei Grundschülern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) erhob über ein Jahrzehnt die Ergebnisse von Fitnesstests...

Dass Patientinnen und Patienten nach einem Schlaganfall eingeschränkt einfache Alltagsgegenstände greifen können, belegen klassische Tests. Sehr häufig wird der Jebsen-Test durchgeführt, wo etwa ein Satz auf ein Blatt Papier geschrieben werden muss. (Foto: iStock/ Iljubaphoto)

Nach Schlaganfall motorische Defizite exakter feststellen

Nach einem Schlaganfall scheitern viele Menschen an täglichen Handgriffen im Haushalt. Der Grund dafür sind Lähmungserscheinungen, die von Schädigungen im Gehirn herrühren. Diese wirken sich auf die feinmotorischen...

Aufgrund seiner hohen Stoffwechselaktivität haben sich die Wissenschaftler für diese Studie auf den Herzmuskel konzentriert. (Grafik: 7activestudio/ iStock)

Zinkversorgung beeinflusst Herzgesundheit

Neben den essentiellen Stoffwechselfunktionen beeinflusst der Zinkstatus im Körper auch das Herz. Tritt oxidativer Stress auf, ist womöglich ein Zinkmangel vorhanden, der sich am Herzmuskel ablesen lässt. Eine Studie der...

Ein Bild eines menschliches Skelett mit künstlichen Halsschlagadern.

microRNA senkt das Schlaganfall-Risiko

Das Molekül microRNA-210 stabilisiert Ablagerungen in der Halsschlagader und kann so verhindern, dass sie einreißen und sich gefährliche Blutgerinnsel bilden. Das hat ein Team um Lars Mägdefessel, Professor für Vaskuläre...

Aufnahme der Blutgefäße auf einem Herzmuskel.

Verschwindende Äderchen

Eine Diabetes-Erkrankung erhöht das Herzinfarkt-Risiko deutlich. Einen der Gründe dafür hat jetzt ein Team der Technischen Universität München (TUM) identifiziert: Bei Diabetes lösen sich kleine Blutgefäße um das Herz auf....

Mit einer „optischen Pinzette“ misst Marco Grison die Wechselwirkungen zwischen zwei Proteinen – Bild: Uli Benz / TUM

Was das Herz im Innersten zusammenhält

Unser Herz schlägt, ein Leben lang. Mit jedem Schlag zieht sich der Herzmuskel zusammen und dehnt sich anschließend wieder aus. Warum das ein Leben lang funktioniert, ist in vielen Teilen immer noch ein Rätsel. Forscher der...

Laura Ludwig und Kira Walkenhorst mit ihren olymischen Goldmedallien. (Foto: FIVB)

Analyseprogramm trägt zum Olympia-Erfolg bei

Laura Ludwig und Kira Walkenhorst haben bei den olympischen Spielen in Rio als erstes europäisches Frauenteam die Goldmedaille im Beachvolleyball geholt. Einen Teil zu dem souveränen 2:0-Sieg gegen das brasilianische Duo...

Zwei Goalball-Spieler versuchen einen gegnerischen Angriff abzuwehren (Foto: Ch. Weber / TUM)

Mit intelligenter Spielanalyse zum Erfolg

Am 26. Juni 2014 beginnt im finnischen Espoo die Weltmeisterschaft im Goalball, die am weitesten verbreitete Ballsportart für sehbehinderte Menschen. Für Deutschland starten ein Herren- und ein Damenteam: Insbesondere das...

Ein kleiner Trick kann Golfern dabei helfen, auch unter Druck automatisierte Bewegungsabläufe richtig abzurufen.  Foto: samott/Fotolia

Kleine Handbewegung hilft Sportlern im Wettbewerb

Vor dem Wettkampf einen kleinen Ball in der linken Hand zusammendrücken: Mit diesem einfachen Trick können Sportler vieler Disziplinen ein Versagen unter Druck vermeiden. Die Handbewegung aktiviert Bereiche in der rechten...