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Tony Blair zeigte sich als überzeugter Europäer. (Bild: A Heddergott / TUM)
Tony Blair zeigte sich als überzeugter Europäer. (Bild: A Heddergott / TUM)
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Tony Blair bei der „TUM Speakers Series“

„Der Brexit ist ein furchtbarer Fehler“

Tony Blair hat bei der „TUM Speakers Series“ ein leidenschaftliches Plädoyer für ein gemeinsames Europa gehalten. Der frühere britische Premierminister beantwortete im Audimax zahlreiche Fragen der Studierenden. Dabei forderte er ein zweites Referendum über den Brexit.

„Der Brexit ist ein furchtbarer historischer Fehler für mein Land. Und ich werde bis zum letzten Moment alles dafür tun, ihn zu stoppen“, stellte Tony Blair klar (Video der Veranstaltung im YouTube-Kanal der TUM). Eine zweite Abstimmung über den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union sei gerechtfertigt, da den meisten Menschen die Konsequenzen nicht klar gewesen seien. Dies sei nun nach den jahrelangen Debatten anders. „Ich war zehn Jahre lang Premierminister. Und selbst ich weiß heute mehr über den gemeinsamen europäischen Markt als damals.“ Er könne nicht verstehen, warum ein erneutes Referendum undemokratisch sein sollte. „Wir fragen ja wieder das britische Volk, nicht ein anderes.“

„Emotionen, die nicht nur britisch sind“

Tony Blair, 1997 bis 2007 Premierminister von Großbritannien, verzichtete auf eine Rede und stellte sich gleich zu Beginn den Fragen im vollbesetzten Audimax. Silja Wöhrle, Moderatorin der von Studierenden organisierten „TUM Speakers Series“, wollte wissen, was die Europäische Union tun könnte, um die Briten zurückzugewinnen. Die EU sollte ihren Mitgliedern die Freiheit lassen, sich mehr oder weniger stark zu integrieren, schlug der 65-Jährige vor. Außerdem sollte sie gegen Missbrauch der Freizügigkeit von Arbeitnehmern vorgehen. Fragen der Migration würden Menschen in ganz Europa beschäftigen, wie auch andere Auswirkungen der Globalisierung Angst machten, etwa die Deindustriealisierung. „Der Brexit wurde von Emotionen getrieben, die nicht nur britisch sind.“

Nicht nur wegen dieser Gemeinsamkeit sei ein vereintes Europa wichtig, sondern auch, um neben China, USA und Indien zu bestehen. „Wenn wir nicht zusammenarbeiten, werden wir von diesen Giganten platt gemacht“, warnte Blair. „Das ist die einzige Möglichkeit, unsere Interessen, aber auch unsere Werte zu verteidigen.“

TUM-Partnerschaften mit Imperial College und EuroTech Universities

Um diese europäische Gemeinschaft zu stärken, vertieft die TUM derzeit ihre Beziehungen zu Großbritannien. Kürzlich hat sie eine „Flaggschiff-Partnerschaft“ mit dem Imperial College London (ICL) geschlossen. Die beiden Universitäten werden verstärkt in Bereichen Künstliche Intelligenz, Robotik, digitale Medizin, Bioengineering und Luft- und Raumfahrt zusammenarbeiten. ICL-Präsidentin Alice Gast und TUM-Präsident Wolfgang A. Herrmann haben in einem gemeinsamen Beitrag in der „Financial Times“ appelliert, grenzüberschreitende Kooperationen in der Wissenschaft weiterhin möglich zu machen – unabhängig vom Ergebnis die Brexit-Verhandlungen.

Die TUM ist zudem in der EuroTech Universities Alliance aktiv, die sich jüngst mit der französischen École Polytechnique und dem israelischen Technion verstärkt hat. Die Partner arbeiten gemeinsam an den großen gesellschaftlichen Herausforderungen und bringen ihre Expertise in die EU-Politik ein. Dazu betreiben sie unter anderem gemeinsame Programme für Postdocs und Start-ups sowie eine Vertretung in Brüssel.

Video:

TUM Speakers Series: Tony Blair (1:14:00, YouTube-Kanal der TUM)

Mehr Informationen:

Die „TUM Speakers Series“ wird von Studierenden für Studierende organisiert. Die heutige Veranstaltung fand im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz statt. In den vergangenen Jahren waren unter anderem Bill Gates, Kofi Annan und Eric Schmidt zu Gast.

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Technische Universität München Klaus Becker
klaus.becker(at)tum.de

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