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Mit Quantencomputern könnten in einigen Jahren Verschlüsselungen geknackt werden, die heute als sicher gelten – beispielsweise in Chipkarten. Das neue Forschungsprojekt „Aquorypt“ wird quantencomputer-sichere Mechanismen entwickeln.
Bild: iStockphoto.com/ oonal
  • Forschung
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Forschungsprojekt „Aquorypt“ soll Elektronik vor Angriffen schützenIT-Sicherheit im Quantencomputer-Zeitalter

Quantencomputer könnten neue Hackerangriffe auf Chipkarten aber auch auf komplexe technische Systeme wie vernetzte Autos oder Industriesteueranalagen ermöglichen. Im Forschungsprojekt „Aquorypt“ untersucht die Technische Universität München (TUM) künftig mit Partnern aus Forschung und Wirtschaft neue Schutzmaßnahmen für das Quantencomputer-Zeitalter.

Kryptografie kommt in Autos und Industriesteueranlagen heute schon zum Einsatz: Die verschiedenen Komponenten kommunizieren verschlüsselt. So soll verhindert werden, dass zum Beispiel über Wartungsschnittstellen Schadcode übertragen wird. Bei einem Fahrzeug könnten Hacker etwa während der Fahrt sicherheitsrelevante Systeme stören und das Fahrzeug abrupt abbremsen. Durch Hackerangriffe auf Industrieanlagen könnten Informationen über Produktionsprozesse gestohlen oder ganze Fabriken lahmgelegt werden. Da elektronische Systeme in Zukunft noch stärker vernetzt sein werden, wird auch IT-Sicherheit von Soft- und Hardware immer wichtiger.

Durch ständige Fortschritte bei der Entwicklung von sogenannten Quantencomputern ist allerdings abzusehen, dass viele Algorithmen bald keinen Schutz mehr bieten. Während heutige Computer herkömmliche Verfahren wie die Elliptische-Kurven-Kryptografie nicht knacken können, wären Quantencomputer dazu durchaus in der Lage.

Forschungsprojekt „Aquorypt“ entwickelt neue Verfahren

Im Projekt „Aquorypt“ werden Forschungseinrichtungen und Unternehmen unter Leitung der TUM deshalb gemeinsam neue quantencomputersichere Hard- und Software für verschiedene Anwendungsfälle entwickeln. „Wir werden uns insbesondere den unterschiedlichen Anforderungen widmen, die Anwendungen mit sich bringen“, sagt Georg Sigl, Professor für Sicherheit in der Informationstechnik an der TUM. „Beispielsweise müssen Chips in Kredit- oder auch Krankenversicherungskarten besonders sicher sein, aber Speicherplatz und Rechenleistung sind extrem begrenzt. Industrieanlagen können dagegen stärkere Rechner beinhalten, müssen aber hohe Echtzeit-Anforderungen erfüllen. Dazu kommt, dass sie oft auf extrem lange Lebenszeiten von bis zu 30 Jahren ausgelegt sind. Deshalb entwickeln wir Hardware mit Verschlüsselungsmechanismen, die update-fähig sind.“

Mehr Informationen:

An dem Forschungsprojekt „Aquorypt – Anwendbarkeit quantencomputerresistenter kryptografischer Verfahren“ beteiligen sich neben der Technischen Universität München (Konsortialführer) das Fraunhofer AISEC, die Giesecke+Devrient Mobile Security GmbH, Infineon Technologies AG, Siemens AG und die Technische Universität Darmstadt. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) über drei Jahre gefördert und hat ein Gesamtvolumen von rund 5,1 Millionen Euro.

Corporate Communications Center

Technische Universität München Paul Hellmich
paul.hellmich(at)tum.de

Kontakte zum Artikel:

Prof. Dr.-Ing. Georg Sigl
Technische Universität München
Lehrstuhl für Sicherheit in der Informationstechnik
Tel: +49 89 289-28250
sigl(at)tum.de

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