Wald / Symbolbild
Große Bäume sind besonders vom Baumsterben betroffen. Das fand ein internationales Forschungsteam unter TUM-Beteiligung in einer Studie heraus (Foto: Prof. Rupert Seidl / TUM)
  • Forschung
  • Lesezeit: 3 MIN

Neue Studie zeichnet düsteres Bild für die Zukunft des WaldesWald im Wandel

Der Wald ist weltweit großen Belastungen ausgesetzt. Klimatische Extreme wie Hitze und Dürre setzen ihm zu. Eine im Fachmagazin Science erschienene Studie mit Beteiligung der Technischen Universität München (TUM) ist der Frage nachgegangen, wie der globale Wandel Wälder in Zukunft verändern könnte. Die Forscherinnen und Forscher zeigen die mögliche Entwicklung des Waldes auf und liefern damit eine wichtige Grundlage für Waldpolitik und Waldbewirtschaftung.

Die beiden Hitzesommer 2018 und 2019 haben Mitteleuropas Wäldern massiv zugesetzt. Alleine in Deutschland kam es in diesen beiden Jahren zum Absterben von mehr als 200.000 Hektar Wald, was annähernd der Fläche des Saarlandes entspricht. In Australien gab es in den vergangenen Monaten Waldbrände ungeahnten Ausmaßes und auch im Amazonas standen große Waldflächen in Flammen.

Und doch zeugen manche Satellitendaten und Modellrechnungen von einem Ergrünen des Planeten, dem „global greening“. Gleichzeitig zeigen Langzeitbeobachtungen, dass Bäume – nicht zuletzt aufgrund des steigenden CO2-Gehaltes in der Atmosphäre und kürzerer Winter – vor allem auch in Mitteleuropa heute besser wachsen als noch vor einigen Jahrzehnten. Wie wird also der Wald der Zukunft aussehen?

Effekte des globalen Wandels

Der globale Wandel wirkt sich sowohl auf das Wachsen als auch auf das Sterben von Bäumen aus. Die Studie mit Beteiligung von Rupert Seidl, Professor für Ökosystemdynamik und Waldmanagement an der TUM, untersucht acht zentrale Faktoren, die die Demographie der Wälder beeinflussen.

Dabei finden Änderungen in Temperatur und CO2 ebenso Berücksichtigung wie Luftfeuchtigkeit, Dürre, Waldbrand, Windwurf, Insekten und Landnutzung. „Unsere Analysen zeigen, dass wir gerade einen Wechsel von überwiegend positiven Effekten des globalen Wandels hin zu einer Periode der wachsenden Limitierungen für Bäume erleben“, sagt Rupert Seidl.

Das Baumsterben geht weiter

Während positive Effekte auf das Wachsen von Bäumen in Zukunft stark variabel und lokal unterschiedlich ausfallen werden, zeigt sich ein über alle Faktoren hinweg einheitlich negatives Bild in Hinblick auf Mortalität. Störungen wie Waldbrände, Insektenschäden, Windwurfereignisse und Dürren nehmen im Klimawandel an Häufigkeit und Stärke zu.

„Das Baumsterben wird weitergehen“, so Seidl, „wobei große Bäume besonders betroffen sind, da sie beispielsweise dem Wind stärker ausgesetzt sind und es für sie schwerer ist, ihre Blätter kontinuierlich mit Wasser aus dem Boden zu versorgen.“

Der Wald verändert sich

Die Zukunft des Waldes geht also in Richtung kleinere Bäume, offenere Bestände und niedrigere Biomasse. Das könnte bedeutende Auswirkungen auf die Klimaschutzwirkung von Wäldern haben: Weniger Biomasse heißt nämlich auch, dass geringere Mengen an Kohlenstoff aus der Atmosphäre im Wald gespeichert werden, was den Klimawandel weiter anheizt.

Auch andere für den Menschen wichtige Leistungen des Waldes, wie die Filterung von Trinkwasser und der Schutz vor Naturgefahren wie Muren und Hochwasser, welche gerade im dicht besiedelten Mitteleuropa von besonderer Bedeutung sind, könnten unter diesen Entwicklungen leiden. Und auch auf die Biodiversität wird der zunehmende Verlust von alten Wäldern und großen Bäumen sich auswirken.

Der globale Wandel und seine Auswirkungen stellen die Waldbewirtschafterinnen und Waldbewirtschafter daher vor die große Herausforderung, die vielfältigen Leistungen des Waldes auch in Zukunft nachhaltig für die Gesellschaft sicherzustellen.

Publikationen:

Nate G. McDowell, Craig D. Allen, Kristina Anderson-Teixeira, Brian H. Aukema, Ben Bond-Lamberty, Louise Chini, James S. Clark, Michael Dietze, Charlotte Grossiord, Adam Hanbury-Brown, George C. Hurtt, Robert B. Jackson, Daniel J. Johnson, Lara Kueppers, Jeremy W. Lichstein, Kiona Ogle, Ben Poulter, Thomas A.M. Pugh, Rupert Seidl, Monica G. Turner, Maria Uriarte, Anthony P. Walker, Chonggang Xu (2020): Pervasive shifts in forest dynamics in a changing world. In: Science 368. DOI: 10.1126/science.aaz9463

Corporate Communications Center

Technische Universität München Dr. Katharina Baumeister-Krojer
Katharina.Baumeister(at)tum.de
Tel: +49-8161/71-5403

Kontakte zum Artikel:

Prof. Dr. Rupert Seidl
Technische Universität München
Wissenschaftszentrum Weihenstephan
Lehrstuhl für Ökosystemdynamik und Waldmanagement in Gebirgslandschaften
Hans-Carl-von-Carlowitz-Platz 2
85354 Freising
Tel: +49-8161-71-4691
E-Mail: rupert.seidl(at)tum.de

Weitere Artikel zum Thema auf www.tum.de:

Außenansicht der TUM Forschungsstation Friedrich N. Schwarz

Wissenschaftliche Inspiration durch die Natur

Die Technische Universität München (TUM) hat heute die „TUM Forschungsstation Friedrich N. Schwarz“ in Berchtesgaden eröffnet. In dem nachhaltigen Holzgebäude wird die TUM das Ökosystem des Alpenraums erforschen und neue...

Für die Studie wurden an über tausend Standorten in Mitteleuropa Langzeitbeobachtungen an vorherrschenden Baumarten durchgeführt wie etwa an Buchen. (Foto: Stefanie Ederer)

Bäume treiben trotz Klimaerwärmung nicht noch früher aus

Der Mechanismus, dass Blätter aufgrund des veränderten Klimas früher austreiben, hat sich seit den 80er-Jahren abgeschwächt. Dies ist das Ergebnis einer kürzlich in der Zeitschrift Nature veröffentlichten Studie, an der...

Bestandsaufnahme im Ökosystem Wald

Wie verändern erhöhte Wildbestände den Wald? Welchen Einfluss hat die Klimaerwärmung auf die Vegetation? Und wo ist der Borkenkäfer ein besonders großes Problem? Diesen Fragen gehen Forstwissenschaftler der TU München im...