Zum Aktionstag der WHO beleuchtete die TUM ihr Hörsaalgebäude am Klinikum rechts der Isar in der Farbe "teal".
Zum Aktionstag der WHO beleuchtete die TUM ihr Hörsaalgebäude am Klinikum rechts der Isar in der Farbe "teal".
Bild: ©argum, Klinikum rechts der Isar
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TUM unterstützt Aktion der WHO zur Beseitigung von Zervixkarzinomen Gebärmutterhalskrebs soll ausgerottet werden

Die weltweite Ausrottung von Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) – dazu hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gestern ihre globale Strategie vorgestellt. Um auf das Anliegen aufmerksam zu machen, sind gestern Gebäude auf der ganzen Welt in der Farbe „Teal“ (Petrol) beleuchtet worden, auch die Fassade des Hörsaalgebäudes am Klinikum rechts der Isar der TUM.

Gebärmutterhalskrebs gehört zu den wenigen Krebsarten, die sich durch eine Impfung und eine regelmäßige Früherkennung verhindern ließen. In mehr als 90 Prozent der Fälle wird das Zervixkarzinom durch eine Infektion mit bestimmten Humanen Papillomviren (HPV) verursacht, die beim Sex übertragen werden – eine Infektion gegen die es heute eine Impfung gibt. Die WHO sieht für das Jahr 2030 vor, dass alle Länder weltweit die 90-70-90-Marke im Kampf gegen Gebärmutterhalskrebs erreichen:

  • 90 Prozent HPV-Impfrate
  • 70 Prozent Früherkennungsrate (Screening)
  • 90 Prozent Behandlungsrate von Gebärmutterhalskrebs und seinen Vorstufen, inklusive Palliativversorgung

Marion Kiechle, Professorin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der TUM und Direktorin der Frauenklinik am Klinikum rechts der Isar, engagiert sich für die Ausrottung von Gebärmutterhalskrebs: „Ich stehe mit meinem ganzen medizinischen Wissen und mit meinem Herzen hinter dieser Aktion, da ich immer noch Frauen an diesen Krebserkrankungen sterben sehe.“

Interview mit Prof. Marion Kiechle

Frau Prof. Kiechle, ist HPV so weit verbreitet?

Ja, fast jede Frau und jeder Mann haben Kontakt mit dem Virus gehabt. Bei den meisten Menschen heilt die Infektion ohne Symptome ab. Bei manchen Menschen persistiert die Infektion jedoch, das heißt sie setzt sich fest, was dann zu entsprechenden Zellveränderungen und schließlich zu Krebs führt.

Marion Kiechle ist Professorin für Gynäkologie und Geburtshilfe.
Marion Kiechle ist Professorin für Gynäkologie und Geburtshilfe.
Bild: Michael Stobrawe / MRI-TUM

Eine HPV-Impfung ist ein wirksamer Schutz. Wie steht es um die Impfbeteiligung?

Bereits seit 2007 wird in Deutschland empfohlen, dass sich alle Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren gegen HPV impfen lassen. Dieser Krebs könnte damit ausgerottet werden! In Bayern und Baden-Württemberg sind aber beispielsweise nur 35 Prozent der Zielgruppe geimpft. Und dies, obwohl die Impfstoffe sicher und gut verträglich sind und die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten übernehmen. Die Impfung schützt auch vor anderen durch HPV verursachte Krebsarten, zum Beispiel vor Penis-, Anal- und Vulvakarzinomen. Jährlich erkranken knapp 10.000 Menschen in Deutschland an HPV-bedingtem Krebs, am häufigsten ist Gebärmutterhalskrebs.

Wie sind die Heilungschancen?

In einem frühen Stadium, also wenn der Tumor noch auf den Gebärmutterhals begrenzt ist, liegen die Heilungschancen bei über 90 Prozent. Sitzen die Krebszellen nur an der Oberfläche und haben tiefere Schichten des Gebärmutterhalses noch nicht erreicht, liegen sie sogar bei 100 Prozent. Darum ist eine regelmäßige Früherkennung beim Frauenarzt so wichtig, weil man so bereits Frühformen und Krebsvorstufen erkennen und beseitigen kann. In so einem frühen Stadium kann auch Gebärmutter erhaltend operiert werden. Das ist für junge Patientinnen mit Kinderwunsch enorm wichtig.

Mehr Informationen:

Organisiertes Screening-Programm

Um Gebärmutterhalskrebs in Deutschland weiter zurückzudrängen, wird die Früherkennung seit Januar 2020 als ein organisiertes Screening-Programm angeboten. Gesetzlich versicherte Frauen ab 20 Jahren haben Anspruch auf das Programm, bei dem auffällige Befunde des jährlichen Gebärmutterhals-Abstriches sofort weiter abgeklärt werden, etwa durch weitere zytologischer Untersuchungen, einem Test auf genitale Infektionen mit Humanen Papillomviren (HPV-Test) oder einer Spiegelung des Gebärmutterhalses. Gesetzlich versicherte Frauen zwischen 20 und 65 Jahren werden alle fünf Jahre (jeweils mit 20, 25, 30, 35 Jahren etc.) von ihren Krankenkassen über die Früherkennung gezielt informiert.

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Kontakte zum Artikel:

Prof. Dr. med. Marion Kiechle
Direktorin der Frauenklinik am Klinikum rechts der Isar der TUM
E-Mail: marion.kiechle(at)tum.de
Tel.: 089-4140-2420

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