• 24.10.2022
  • Lesezeit: 1 Min.

Prathiba Devadas mit „TU eMpower Africa“ beim TUM Sustainability Day

Energie-, Wasser- und Lebensmittelversorgung für Ruanda

Prathiba Devadas kommt aus Indien, hat an der TUM vor kurzem den Master „Sustainable Resource Management“ abgeschlossen und ihr Herz an ein kleines Land in Afrika verloren. Für „TU eMpower Africa“ hat sie in Ruanda ein nachhaltiges Entwicklungshilfeprojekt aufgebaut.

TUM-Studentin Prathiba Devadas in Ruanda mit Kindern des Dorfes Gitaraga. TU eMpower Africa
TUM-Studentin Prathiba Devadas (rechts) in Ruanda: Die Kinder des Dorfes Gitaraga helfen ihr bei der Entnahme von Bodenproben.

Seit 2019 engagieren Sie sich ehrenamtlich für „TU eMpower Africa“. 2021 haben Sie sechs Monate in Ruanda gelebt und das dortige Projekt mitaufgebaut. Was steckt dahinter?

Wir hatten bereits ein laufendes Projekt in Simbabwe, wollten aber in einem anderen Land in Afrika nochmal von vorne anfangen. Unsere Idee ist simpel: Als erstes sorgen wir für eine adäquate Strom-Versorgung, etwa durch Solarpanels, und Zugang zu Wasser. Dadurch können die Dorfbewohner effizienter in der Landwirtschaft arbeiten – und das ganze Jahr über anbauen. Sie können für den lokalen Markt und für den Export produzieren. Und die Zahl der Arbeitsplätze und das Durchschnittseinkommen steigen.

Was hat dieser Job mit Ihrem Studium an der TUM zu tun?

In meinem Master haben mich erneuerbare Energien in Sub-Sahara-Afrika viel beschäftigt. Als ich auf „TU eMpower Africa“ aufmerksam wurde, war klar, dass ich dort mitmache. Ich wollte mit meiner Arbeit schon immer etwas bewirken. Auch deshalb war ich von März bis August 2021 ein halbes Jahr vor Ort, mein Studium habe ich dafür unterbrochen.

TUM-Studentin Prathiba Devadas engagiert sich im Verein "TU eMpower Africa". Andreas Heddergott / TUM
Unterstützung für Ruanda: TUM-Studentin Prathiba Devadas engagiert sich im Verein "TU eMpower Africa".

In Deutschland weiß man in der Regel wenig über Ruanda. Wie ist das Land?

Oh, die Menschen dort sind so zuvorkommend und aufgeschlossen. Das Land hat zwar eine dunkle Vergangenheit, ist nun aber echt sicher geworden, man kann dort problemlos hinreisen – auch als Frau. Während meiner Zeit dort habe ich mich zu keiner Zeit unsicher gefühlt. Und es ist sauber. Ruanda gilt als das Singapur von Afrika. Die Entwicklung der letzten 27 Jahre ist unglaublich.

Und warum bietet sich Ruanda für Ihr Projekt an?

Ruanda ist sehr hügelig. Im Gegensatz zu anderen Ländern ist die Topografie schwierig zu bearbeiten, und man braucht eine maßgeschneiderte Lösung. Nicht umsonst heißt es "das Land der tausend Hügel", und wegen dieser Landschaft ist es immer noch üblich, dass die Menschen kilometerweit laufen, um Wasser zu holen, das sie in 10-Liter-Tanks zurückbringen.

Was haben Sie gemacht?

Zunächst haben wir in unserem Pilotdorf die Bauern dazu gebracht, eine Genossenschaft zu gründen, um ein solarbetriebenes Bewässerungssystem zu installieren. Dieses System pumpte Wasser aus dem Sumpf auf den Hügel, wo wir einen kleinen Damm zur Wasserspeicherung bauten. Von hier aus wurden die Wasseranschlüsse für die einzelnen Terrassen installiert, so dass die Bauern das Wasser in der von ihnen benötigten Menge nutzen können.

Ruanda wird aufgrund seiner Topographie das "Land der tausend Hügel" genannt. TU eMpower Africa
Das "Land der tausend Hügel": Ruanda ist nicht gerade ebenerdig, die Topographie ist schwer zu bearbeiten, die Bewässerung mühsam.

Das hört sich ziemlich durchdacht an. Wie waren die Anfänge des Projekts?

Im Jahr 2020 mussten wir uns aufgrund von Covid und Reisebeschränkungen auf Schreibtischrecherchen und Telefonate beschränken, was uns Zeit gab, uns vorzubereiten. Gemeinsam mit lokalen Entscheidungsträgern besuchten wir Dörfer, die Schwierigkeiten mit Energie und Wasser hatten. Natürlich haben wir uns mit den Einwohner:innen getroffen und ihnen unseren Plan vorgestellt. Schließlich entschieden wir uns für das Dorf Gitaraga im Bezirk Bugesera. Dort gibt es einen kleinen Einkaufskomplex im Zentrum des Dorfes, eine Gesundheitsstation, eine Grundschule und einen Wochenmarkt, auf dem die Einheimischen ihre Waren verkaufen.

Entwicklungshilfe ist nicht unproblematisch. Es gibt die Kritik, dass oft nur Geld ausgegeben und den Menschen nicht nachhaltig geholfen wird. Wie steuern Sie dagegen?

Von Anfang an habe ich daran gearbeitet, Kontakte mit der Regierung in Ruanda herzustellen. Inzwischen sind wir dort als internationale NGO registriert. Es gelang mir, Kontakt zu hochrangigen Regierungsbeamten im Landwirtschaftsministerium zu bekommen. Die Regierung ist sehr hilfsbereit und begrüßt Projekte wie das unsere. Und noch wichtiger ist, dass die Bauern in Gitaraga wirklich entscheiden können, was passiert. Wir geben ihnen lediglich Hinweise, wie sie den finanziellen Ertrag ihrer landwirtschaftlichen Arbeit verbessern können. Aber sie entscheiden, was sie anbauen. Wir wollten vermeiden, die „allwissenden Europäer:innen“ zu sein, egal was passiert.

Sie schlagen der Dorfgemeinschaft partizipative Modelle vor. Was ist damit gemeint?

Zwei Dinge sind für mich wichtig. Erstens: Es ist nicht so, dass die NGO aus München nach Ruanda geht und Schecks ausstellt. Die Bauern bekommen nichts geschenkt, sie müssen einen bestimmten Betrag an uns zurückzahlen. Dieses Geld wollen wir dann an einem anderen Ort/Projekt in Ruanda neu investieren. Auf diese Weise stellen wir sicher, dass die Bauern ein echtes Gefühl der Eigenverantwortung entwickeln. Wenn sie für die Wartung und den Betrieb des Systems verantwortlich sind, sehen sie das Projekt mit anderen Augen, vor allem, wenn sie dafür mit ihrem eigenen Geld bezahlen müssen. Zweitens wollten wir nicht bestimmen, wer der Leiter der Bauerngenossenschaft sein sollte; das wurde letztlich durch Wahlen innerhalb der Genossenschaft entschieden. Wenn man eine gute Führungspersönlichkeit hat, sind die Herausforderungen schon halbwegs bewältigt.

TUM-Studentin Prathiba Devadas mit Dorfbewohnern in Ruanda. TU eMpower Africa
Prathiba Devadas (weiße Maske) mit den Bauern vor Ort in Ruanda: Partizipativ entscheiden sie selbst, was sie anbauen und verkaufen.

Ist denn immer alles einwandfrei gelaufen?

Nicht wirklich, es gab schon Herausforderungen. Aber mit den richtigen Leuten und Ratschlägen von den Vorstandsmitgliedern der NGO war es zu bewältigen. Außerdem nannten uns die Leute dort "Muzungu" - so etwas wie "weißer Mann", obwohl ich überhaupt nicht weiß bin... Aber das war ihr Wort für Außenseiter. Zuerst dachten sie, wir seien nur gekommen, um ihnen Geld zu geben. Es dauerte eine Weile, bis sich ihre Einstellung zur Entwicklung und zu dem, was sie für sie bedeutet, änderte.

Gab es andere interkulturelle Schwierigkeiten?

Die Bauern sprechen kein Englisch oder Französisch, deshalb haben wir immer mit Übersetzer:innen gearbeitet. Auch musste ich mich erst daran gewöhnen, dass die Bauern ihren eigenen Tagesrhythmus haben – weil sie tagsüber auf dem Feld sind. Also war es besser, dass ich mich mit ihnen am Nachmittag oder Abend treffe. Wenn ich dann abends in meine Unterkunft zurückkam, gab es keinen Strom mehr. Alles nicht so einfach. Aber die Menschen haben gesehen, wie ich mich in das Projekt reinhänge. Dann nahmen sie es auch ernst.

Wie schaut es heute in Gitaraga aus?

Aktuell haben wir vier Praktikantinnen vor Ort, die mit Geldern aus der US-Entwicklungshilfe bezahlt werden können. Sie geben uns ein tägliches Update und helfen uns im Gespräch mit den Farmern. Sie haben alle einen internationalen Bankaccount. Sie sind mit Käufer:innen aus dem In- und Ausland verbunden, zurzeit werden Chilischoten für den Export angebaut. Damit können sie insgesamt bis zu 18.000 US-Dollar verdienen. Das wäre die Idealsumme. Sie erhielten auch ihren ersten Gehaltsscheck in Höhe von 4.000 USD, aber selbst die Hälfte davon wäre schon ein großer Erfolg. Unsere Vision ist, dass die Bauern im Dorf Gitaraga innerhalb von fünf Jahren in der Lage sein sollen, selbständig zu arbeiten.

Weitere Informationen und Links
  • Bevor sie nach München kam, arbeitete Prathiba Devadas in Indien im Bereich sozialer Nachhaltigkeitsprojekte.
  • „TU eMpower Africa“ ist neben Ruanda auch in Simbabwe und Ghana aktiv – und verfolgt dabei immer dieselbe Idee: „decentralised energy-water-food systems“.
  • Die Gruppe wird sich beim ersten Sustainability Day der TUM am 27. Oktober 2022 vorstellen.
  • TU eMpower Africa e.V.

 

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