Kirsten Bannert
"Hol Dir Unterstützung, sobald Du merkst: Es wächst mir über den Kopf!", rät Kirsten Bannert von der Studienberatung der TUM. (Foto: Uli Benz)
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TUM4MindPsychisch fit studieren

Wie kann ich als Studierende/r in diesen Zeiten mental gesund bleiben? TUM4Mind bietet zu dieser Frage allen Studierenden am 16. Juli einen Online Workshop. Kirsten Bannert von der Studienberatung und -information erklärt, was der Kurs bietet und was es mit TUM4Mind auf sich hat.

Was für ein Semester, mitten in der Corona-Krise! Vieles läuft jetzt völlig anders als gewohnt, auch für die Studierenden, oder?

Das Sommersemester 2020 ist tatsächlich sehr außergewöhnlich und bringt für die Studierenden ganz neue Herausforderungen mit sich: Mit Online-Lehre, Studium von zu Hause und Einschränkungen im Sozialleben sind sie so bisher wahrscheinlich noch nie konfrontiert gewesen.

„TUM4mind“ widmet sich der psychischen Gesundheit im Studium. Was bieten Sie den Studierenden momentan an?

Um trotz dieser Veränderungen und möglicher Unsicherheiten gut durch das Semester zu kommen, bieten wir am 16. Juli 2020 das Online-Forum „Psychisch fit studieren“ von Irrsinnig Menschlich e.V. an. Außerdem findet im Juni an vier Terminen der Online-Kompaktworkshop „Mit Motivation und gesunder Selbstführung durch herausfordernde Zeiten“ statt, in dem am 29. Juni noch ein paar Restplätze frei sind.

Was passiert am 16. Juli im Online-Forum? Für wen ist es gedacht?

Das Online-Forum richtet sich an alle Studierenden. Die Teilnehmer*innen können dort lernen, wie sich Warnsignale psychischer Krisen äußern können und wer und was in herausfordernden Zeiten helfen kann. Im Forum stehen dafür psychologische Expert*innen zur Verfügung. Die Studierenden können sich aber auch mit Betroffenen austauschen, die in ihrem Studium selber psychische Krisen erfahren und diese erfolgreich gemeistert haben. Auf diese Weise können sie entsprechende Bewältigungsstrategien diskutieren und hilfreiche Perspektiven entwickeln.

Was ist „TUM4Mind“ genau?

Das Projekt TUM4Mind widmet sich dem Thema „Mentale Gesundheit im Studium“. Wir möchten für diese Thematik sensibilisieren, Studierende über präventive Unterstützungs- und Beratungsangebote informieren und frühzeitig unterschiedliche Hilfestellungen anbieten. Dabei sind wir intern und extern gut vernetzt und arbeiten beispielsweise eng mit TUM4Health, dem Beratungsnetzwerk des Studentenwerks München oder dem Klinikum Rechts der Isar zusammen.

Wie und wann ist das Projekt an der TUM entstanden?

2018 hat die Junge Akademie „Mental Health Aktionstage“ veranstaltet. In der Studienberatung und dem Lern- und Prüfungscoaching beschäftigen wir uns ebenfalls seit vielen Jahren mit diesen Themen. Es war für uns deshalb ein sinnvoller Schritt, „mentale Gesundheit“ an der TUM weiter zu vertiefen. Die bereits bestehenden Strukturen haben wir dabei miteinander verbunden und weiterentwickelt. Mittlerweile setzt sich unser Angebot aus einer Aktionswoche im Wintersemester, sowie Workshops im Sommersemester zusammen.

Sie bieten im Rahmen Ihres Jobs an der TUM auch Coachings an – aktuell per Videocall oder am Telefon - und sprechen momentan mit vielen Studierenden. Was beschäftigt sie derzeit am meisten?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Anliegen, mit denen Studierende zurzeit zu uns kommen, sind ganz unterschiedlich. Ein wichtiger Punkt ist aber zum Beispiel das Studium im Homeoffice. Es gibt Studierende, denen es sehr schwer fällt, für sich Tagesstrukturen zu entwickeln und beim Lernen produktiv am Ball zu bleiben.

Digital studieren ist ja bei uns noch keine Normalität.

Es gibt auch Studierende, denen das „digitale Semester“ eher entgegenkommt. Sie kommen mit der Online-Lehre gut zurecht und finden es hilfreich, in ihrem eigenen Rhythmus arbeiten zu können.

Dennoch ist man fast ausschließlich allein zu Hause…

Natürlich. Dadurch, dass man gezwungen war/ist, die meiste Zeit zu Hause zu verbringen, verschwimmen oft die Grenzen zwischen Studium und Freizeit. Dann ist ein „gesundes Maß“ an Lernpensum schwer einzuschätzen und irgendwann drehen sich die Gedanken nur noch ums Studium. Erschwerend kommt hinzu, dass der wichtige Ausgleich fehlt, weil durch die Ausgangsbeschränkungen leider viele Sport- und Freizeitmöglichkeiten weggefallen sind.

Gibt es bei all diesen Unterschieden auch Themen, die alle betreffen?

Ich denke schon. Die Veränderungen, die durch die Corona-Situation entstanden sind, haben uns ja alle innerhalb kürzester Zeit aus unserer Komfortzone katapultiert. Viele Gewohnheiten und Abläufe wurden von jetzt auf gleich auf den Kopf gestellt, kleinere und größere Pläne durchkreuzt. Vieles wurde unvorhersehbar und lag nicht mehr in unserer eigenen Kontrolle. Dabei verspüren bestimmt sehr viele Menschen Unsicherheit.

Dabei ist es vielleicht ein kleiner Trost, dass Corona jeden von uns betrifft.

Ja, vermutlich jede/r muss mit irgendwelchen Einbußen klarkommen: Bei vielen sind Prüfungen ausgefallen, einige haben ihren Nebenjob verloren. Bei vielen wird ein geplantes Auslandssemester nicht stattfinden können oder der Eintritt ins Berufsleben verzögert sich.  

Was würden Sie den Studierenden gerne mitgeben?

Einen Ratschlag nach dem Motto „one fits all“ gibt es nicht. Schließlich geht jede/r anders mit der derzeitigen Situation um. Viele können ihr ja sogar durchaus positive Aspekte abgewinnen. Wichtig ist: Wenn Studierende merken, dass ihnen die Situation über den Kopf wächst, sollten Sie nicht zögern, sich frühzeitig Unterstützung zu holen. Alle Beratungsangebote stehen derzeit in digitaler Form bzw. per Telefon zur Verfügung. Eine Übersicht hilfreicher Angebote gibt es z.B. hier: „Wie läuft’s so im Home Office?“


Mehr Informationen:
TUM4mind – Mental gestärkt durchs Studium
Lern- und Prüfungscoaching

 

Kirsten Bannert ist Teil der TUM Allgemeinen Studienberatung (TUM Center for Study and Teaching) und ist dort zusammen mit ihren Kolleginnen Bettina Hafner und Marein Orre zuständig für das Lern- und Prüfungscoaching. Sie ist seit 2013 an der TUM tätig und betreut seit letztem Jahr das Projekt TUM4Mind – Mental gestärkt durchs Studium.

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