Carolin Klose
Inspiriert und bestärkt durch die Gespräche mit den Nobelpreisträgern: TUM-Studentin Carolin Klose hat an den „Online Science Days“ teilgenommen. (Bild: Uli Benz)
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Nobelpreisträgertreffen in Corona-ZeitenSpeed-Dating unter Wissenschaftlern

Wie in jedem Jahr hätte auch heuer die Tagung der Nobelpreisträger in Lindau stattgefunden. TUM-Studentin Carolin Klose sollte teilnehmen und die Chance bekommen, Nobelpreisträger aus aller Welt persönlich kennenzulernen. Doch dann kam Corona…

Carolin, dieses Jahr kam alles ein bisschen anders, oder?

Carolin Klose: Das Treffen konnte dieses Jahr wegen Corona nicht wie geplant analog in Lindau stattfinden und wurde daher auf 2021 verschoben. Stattdessen haben die Organisatoren die „Online Science Days“ initiiert, also ein digitales Treffen von Sonntag bis Mittwoch, bei dem neben den diesjährigen Teilnehmern auch alle Lindau-Alumni teilnehmen konnten. Es wurde jeden Tag von 6 bis 18 Uhr ein durchgängiges Programm angeboten.

Was wurde denn so alles geboten?

Vor dem offiziellen Programm fand schon ein Sciathon, als Äquivalent zu einem Hackathon statt. In kleineren Gruppen sollten wir zu einem von drei Themen eine Lösung erarbeiten. Die Gewinnerprojekte wurden dann während der Online Science Tage vorgestellt. Von Sonntag bis Mittwoch fanden dann zahlreiche Vorträge und Diskussionen zu verschiedenen Themen der Wissenschaft statt, auch häufig mit Bezug zu Corona. Eine Post-Doktorandin aus England hat beispielsweise über ihre Forschung an einem Corona-Impfstoff berichtet.

Konntet Ihr Teilnehmer online dann auch ein bisschen mitmachen?

Durch das Programm haben Moderatoren geführt und dafür gesorgt, dass alles einigermaßen geregelt ablief. Wir hatten nach den Vorträgen immer die Möglichkeit, uns mit Audio und Video zuzuschalten, wenn wir Fragen oder Redebeiträge hatten. Ich fand das sehr gut organisiert. Um auch die anderen Teilnehmer ein bisschen kennenlernen zu können, wurden „Speed-dates“ vermittelt, bei denen man zwei Minuten mit zugelosten anderen jungen Wissenschaftlern chatten und sprechen konnte.

Wie haben Dir die Tage gefallen?

Sehr gut! Ich habe versucht, an möglichst allen Programmpunkten teilzunehmen. Die Gespräche mit den Nobelpreisträgern haben meine Begeisterung für die Wissenschaft weiter bestärkt. Ich habe auch sehr viele tolle junge Wissenschaftler kennengelernt, die in einer ähnlichen Situation sind wie ich. Durch den Austausch habe ich einen ganz neuen Motivationsschub für meine eigene Forschung erfahren.  

Was konntest Du von der Tagung für Dich mitnehmen?

Mir wurde klar, wie schön die Wissenschaft ist, weil die Begeisterung für sie viele Menschen auf der ganzen Welt vereint. Viele der Preisträger betonen oft, dass zum Nobelpreis auch eine Portion Glück gehört und dass sie den Preis auch anderen Kollegen von Herzen gönnen würden. Das hat mir gezeigt, dass die Gemeinschaft in der Wissenschaft unglaublich wichtig ist. Wir müssen miteinander über unsere Forschungsergebnisse sprechen und uns viel mehr darüber austauschen und kooperieren. Fairplay wie es in den Lindau Guidelines formuliert wird, ist enorm wichtig. Außerdem ist die Bedeutung von adäquater Wissenschaftskommunikation mehr in meinen persönlichen Fokus gerückt.

Was bedeutet das genau?

Ein großer Teil der Wissenschaft wird von Steuergeldern finanziert und deshalb sollten die Ergebnisse der Bevölkerung in einer verständlichen Form zugänglich gemacht werden. Zum Beispiel in Bezug auf den Klimawandel ist es elementar, dass alle verstehen und nachvollziehen können, auf welchen Erkenntnissen die Sorgen und Regularien in unserer Gesellschaft beruhen.

Wer hat Dich besonders nachhaltig beeindruckt?

Allgemein hat mich überrascht, wie nahbar und humorvoll viele Nobelpreisträger sind. Ganz besonders beeindruckt hat mich persönlich die Biologin Elisabeth Blackburn, die 2009 einen Nobelpreis in Medizin verliehen bekommen hat. Sie hat bei ihren Vorträgen die Rolle von Frauen in der Wissenschaft zur Sprache gebracht und dabei auch sehr offen über ihren eigenen Karriereweg gesprochen. Oft passen die Strukturen in der Wissenschaft nicht zu Familienplanung. Da ist ein Umdenken erforderlich, damit eine Vereinbarkeit besser möglich wird und mehr Frauen in die Forschung kommen.

Du machst gerade Deinen Master. Wie soll es denn bei Dir weitergehen?

Ich möchte in die Wissenschaft gehen und dort eine Karriere machen. In welche Richtung es dabei genau gehen soll, weiß ich noch nicht sicher, ich bin begeisterungsfähig für verschiedene Sachen. Ich fände es schön, wenn meine Grundlagenforschung die Gesellschaft weiterbringt, auch wenn man das einzelne Forschungsergebnis wahrscheinlich nicht unmittelbar merken wird.

(Interview: Sabrina Czechofksy)


Carolin Klose (23) kommt vom Ammersee und studiert Biochemie im 4. Mastersemester an der TUM. Derzeit schreibt sie ihre Masterarbeit am Max-Planck-Institut für Biochemie. Sie freut sich schon auf nächstes Jahr, wenn sie die Nobelpreisträger persönlich in Lindau treffen wird. Denn alle Teilnehmer aus diesem Jahr dürfen nächstes Jahr dann wirklich nach Lindau fahren. Mehr Infos: Nobelpreisträgertreffen Lindau

 

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