Dr. Hans Pongratz
Dr. Hans Pongratz ist Vizepräsident der TUM für IT-Systeme & Dienstleistungen.
Bild: A. Eckert / TUM
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Interview mit TUM-CIO Dr. Hans PongratzTUM ist Vorbild bei Hochschul-Digitalisierung

Vor zehn Jahren hat die Technische Universität München (TUM) das Campus Management System TUMonline eingeführt, das im aktuellen Gutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation der Bundesregierung als Beispiel guter Praxis ausgezeichnet wurde. Im Interview erläutert Dr. Hans Pongratz, Geschäftsführender Vizepräsident für IT-Systeme & Dienstleistungen (CIO), dass die Digitalisierung von Hochschulprozessen ein stetiger Prozess ist und wie die Blockchain-Technologie Zeugnisse fälschungssicher machen soll.

Herr Pongratz, Sie haben die Einführung und Weiterentwicklung des integrierten Campus Management Systems TUMonline von Beginn an begleitet und ab 2011 als CIO verantwortet. War es wichtig hier frühzeitig aktiv zu werden?

Ja klar. Das starke Wachstum unserer Universität, die Verdoppelung der Studierendenzahl in den letzten knapp 15 Jahren wäre ohne eine entsprechende technische Unterstützung gar nicht schulterbar gewesen. Auf der Plattform TUMonline können Studierende, Lehrende und Verwaltungsangestellte alle Prozesse von der Bewerbung bis zur Graduierung zentral einsehen und managen. Uns ist aber auch klar, dass die Entwicklung einer solchen Plattform nie abgeschlossen ist. Es gibt laufend neue Anforderungen, fachliche wie technische, und natürlich auch jedes Jahr eine neue Studierendengeneration, die kritisch mit dem System arbeitet und eigene Bedarfe, Blickwinkel und gelegentlich auch neue Endgeräte einbringt.

Für das Gelingen spielt die Nutzerfreundlichkeit eines solchen Systems eine zentrale Rolle.

Natürlich, wobei das schnell gesagt ist. Die Umsetzung gestaltet sich meist komplex und ist ein langer und kontinuierlicher Vorgang. Auch lässt sich beispielweise über Design und Layout viel streiten. Unsere Schwerpunkte waren neben einer möglichst guten Prozessunterstützung auch eine starke Integration in die anderen Systeme der TUM und die Reduzierung von Medienbrüchen. Eine möglichst einheitliche Navigation und die Zweisprachigkeit der Oberflächen waren uns von Anfang an wichtig. Für unser elektronisches Bewerbungs-, Zulassungs- und Einschreibungsverfahren wurden wir sogar mit dem „Bayerischen eGovernment-Löwen 2010“ der Bayerischen Staatsregierung ausgezeichnet.

Vor kurzem gab es eine weitere Auszeichnung: Sie wurden vom Hochschulforum Digitalisierung als Digital Champion benannt. Gilt diese Auszeichnung ebenfalls TUMonline?

(lacht) Ich würde hier nicht nach Systemen oder Projekten unterscheiden, wir sind hier an der TUM auf einem guten Weg. Meine Ernennung zum Digital Champion für Deutschland war neben der persönlichen Wertschätzung übrigens eine augenzwinkernde Aktion zum 1. April. Die Digital Champions werden eigentlich von jedem EU-Staat selbst benannt – und da die Rolle in Deutschland vakant ist, sollte diese Aktion auch darauf hinweisen, dass es bundeweit noch Nachholbedarf gibt.

In einem neuen Projekt arbeiten Sie gemeinsam mit internationalen Spitzen-Unis, wie dem MIT, Harvard und UC Berkeley an der Entwicklung fälschungssicherer Zeugnisse mit Hilfe der Blockchain-Technologie.

Ja, genau, das ist ein sehr spannendes und vielsprechendes Projekt. Aus Europa sind außer uns noch Delft und das Hasso-Plattner-Institut beteiligt. Insgesamt besteht die Kernarbeitsgruppe aus neun Universitäten. Gemeinsam entwickeln wir einen weltweiten Standard für eine vertrauenswürdige Infrastruktur zum Austausch digitaler Zeugnisse und akademischer Leistungsnachweise. Während digitale Technologien ja schon einen großen Einfluss auf das Forschen, Lehren und Lernen haben und Bildungsbiographien immer weiter individualisieren, hat sich hinsichtlich akademischer Dokumente, deren Sicherheit und Überprüfbarkeit bisher wenig getan. Das wollen wir nun ändern und neueste Technologien im Kontext von Blockchains und digitalen Zertifikaten bieten hierzu optimale Voraussetzungen.

Bis wann rechnen Sie mit umsetzbaren Ergebnissen?

Ich bin guter Dinge, dass wir hier bald vorzeigbare Ergebnisse haben. Wir arbeiten seit September 2018 eng zusammen, haben eine gemeinsame Vision entwickelt und gehen nun sukzessive in die Umsetzung, wobei uns der Diskurs in der weltweiten Community sehr wichtig ist. Es geht uns ja nicht um eine weitere Insellösung unter vielen anderen, sondern um einen Ansatz, der weltweit von Hochschulen und ihren Studierenden genutzt werden kann.

Ist ein solches System in TUMonline integrierbar?

Ich will nicht zu viel verraten, aber ja, das ist ein zentraler Erfolgsfaktor und Voraussetzung für die breite Nutzung. Ohne eine möglichst nahtlose Integration in die jeweils bestehende Hochschulinfrastruktur wird es immer Akzeptanzprobleme geben. Dahingehend spielt für viele Nutzende die eigentliche Technologie keine große Rolle – Hauptsache sie funktioniert, ist sicher, verlässlich und datenschutzkonform.

Technische Universität München

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