Veronica Becker von Plant a Seed
Nachhaltigkeit am Stammgelände der TUM in München: Veronica Becker und über 80 weitere Studierende engagieren sich bei "Plant a Seed".
Bild: Astrid Eckert / TUM
  • Nachhaltigkeit, Campus, Studium

Veronica Becker von "Plant a Seed" bekommt das DeutschlandstipendiumErntezeit im Innenhof

Wer über den Innenstadtcampus läuft, kann vielerorts das Projekt von Veronica Becker sehen. Mit Gemüse-Hochbeeten macht sie mit ihrem Team den Campus nicht nur grüner, sondern auch lebenswerter. Das Deutschlandstipendium gibt ihr dabei die Freiheit, ihre Ideen umzusetzen.

Frau Becker, Sie sind Studentin des Masterstudiengangs Umweltingenieurwesen und gleichzeitig Gründerin von „Plant a Seed“. Was steckt hinter diesem Projekt?  

Jeder, der im Sommer über das Gelände der TUM läuft, merkt sofort, wie heiß es ist. Aufgrund des vielen Betons kommt es zum sogenannten „Urban Heat Island“-Effekt. Mehr Grünflächen können helfen, dem entgegenzuwirken. Deshalb machen wir die Uni grüner im ganz wörtlichen Sinn: Wir bauen Hochbeete direkt auf dem Campus. Allerdings sind wir mehr als ein nettes Gartenprojekt.

Was sind Sie noch?

Wir wollen „Plant a Seed“ einen wissenschaftlichen Hintergrund geben. Das Projekt hat zahlreiche Anknüpfungspunkte für Fragestellungen aus den Disziplinen der TUM. Im Kleinen können wir viele große Fragen diskutieren und untersuchen.

Was meinen Sie zum Beispiel?

Studierende aus dem Umweltingenieurwesen können analysieren, wie sich die grünen Flächen auf das Mikroklima auswirken. Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler könnten die Wertschöpfungsketten betrachten. Angehende Architektinnen und Architekten könnten sich mit dem Design der Hochbeete und Campusgärten beschäftigen. Aus den betriebswirtschaftlichen Disziplinen können Businesspläne entstehen. Kurzum: Wir haben für alle was!

Sie haben mit „Plant a Seed“ im August 2020 alleine angefangen. Wie viele sind heute dabei?

Wir sind mittlerweile über 80 Studierende. Eine Studentin schreibt nun sogar ihre Bachelorarbeit über die Bewässerungssysteme für Hochbeete. Viele andere Studienarbeiten sind gerade in Planung.Ich habe offenbar ein Talent dafür, Leute für Dinge zu begeistern, von denen ich selbst begeistert bin.

Und was braucht es Ihrer Meinung nach dafür, um Menschen anzuspornen?

Ganz klar: eine große Vision. Nur so kann man auch Grenzen überwinden. Wenn das große Ziel fehlt, geht schnell die Motivation verloren.

Und was ist Ihre langfristige Vision?

Wir wollen, dass mehr Universitäten und Städte bei „Plant a Seed“ mitmachen. Wenn wir die Projekte miteinander vernetzen, kann ein ganzes Netzwerk aus lokalen Lebensmittel-Lieferketten entstehen.

Würden Sie sich als ehrgeizig bezeichnen?

Ja, unbedingt. Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann ziehe ich es durch. Denn wenn ich so viel Zeit in etwas investiere, will ich auch erfolgreich sein. Sonst wäre das schließlich verschenkte Energie. Natürlich bin ich bereit, die Strategie zu ändern, falls etwas nicht funktioniert. Aber das Ziel gebe ich nicht auf.

Was war der schönste Moment bislang in dem Projekt?

Als wir die ersten Hochbeete aufstellten. An diesem Tag wurden zehn Monate Planung zur Wirklichkeit. Ich sah all die Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die ich sonst nur aus Videokonferenzen kannte. Auf einmal waren alle vor Ort, um anzupacken. Es hat mich beeindruckt, was ein paar Hochbeete bewirken können.  

Gärtnern in der Stadt - Projekt: Plant a Seed (aus der Sendung "Querbeet" im BR Fernsehen, 2. August 2021)

Und wie lief das Gartenjahr bislang?  

Unsere Tomaten wachsen vital und auch der Salat sieht gut aus. Natürlich sprechen wir viel darüber, was wir mit der ersten Ernte machen und wir möchten sie für ein Team-Event nutzen. Zum Beispiel ein Grillfest, auf dem wir die Studierenden mit Professorinnen und Professoren vernetzen. Das ist das Schöne an „Plant a Seed“: Man kommt auf einer praktischen, konkreten Ebene zusammen.

Was hat Sie am meisten überrascht?

Sobald eine Idee andere überzeugt, geht vieles erstaunlich schnell und einfach über die Bühne. Alle Beteiligten waren kooperativ, von den Professoren bis hin zum Gebäudemanagement. Die Begeisterung verstärkt sich selbst.
   
Wer finanziert das Projekt?

Wir wollten beweisen, dass wir es ernst meinen und haben deshalb von Beginn an externe Gelder eingeworben. Wir haben Spenden von Baumärkten und Gartencentern erhalten, außerdem fördern uns einige Lehrstühle. Die Unterstützung seitens der Professorinnen und Professoren war mir für die Glaubwürdigkeit sehr wichtig.

„Plant a Seed“ ist mittlerweile eine große Initiative. Dazu kommt ein Vollzeitstudium und eine selbstständige Tätigkeit als Yogalehrerin. Ganz ehrlich: Wie schafft man das?

Ich darf mich ausschließlich mit Themen und Projekten beschäftigen, die ich sehr liebe. Mein Studium erfüllt mich sehr und „Plant a seed“ ist mein Herzensprojekt. Es ist natürlich Arbeit, aber macht mir auch großen Spaß. Das setzt bei mir viel Energie frei.
 
Wie hilft Ihnen das Stipendium dabei?

Ohne das Deutschlandstipendium könnte ich „Plant a seed“ nicht machen, das ist ganz klar. Früher hatte ich drei Jobs nebenbei. Das Deutschlandstipendium hat mir viel Freizeit geschenkt, die ich nun für meine Projekte nutzen kann. Und das geht nicht nur mir so: Bei der Dachorganisation „Talente spenden“ beeindruckt es mich sehr, wie viele andere Stipendiaten sich ehrenamtlich engagieren.

Haben Sie einen Tipp für alle, die das Deutschlandstipendium anstreben?

Ich habe das Stipendium nun zum dritten Mal bekommen und jedes Mal die Erfahrung gemacht, dass der Bewerbungsprozess nicht schwierig ist. Was ich am schönsten finde: Es zählen nicht nur die Noten. Das macht das Verfahren fair und letztlich für alle machbar, die sich einbringen.

Und was sind Ihre Träume?  

Für mich ist klar: Bevor ich die Uni verlasse, soll das Projekt so verankert sein, dass es weitergeht. „Plant a Seed“ soll nicht nur die Uni nachhaltiger machen, sondern auch selbst nachhaltig sein.

Mehr Informationen:

  • Veronica Becker ist 27 Jahre alt und studiert im 4. Semester den Masterstudiengang Umweltingenieurwesen.
  • Was sie an ihrem Studienfach am meisten liebt? „Ich kann damit tiefgreifend und strukturell etwas beitragen“, sagt sie.
  • Nebenbei arbeitet Becker als Yogalehrerin.
  • Das Deutschlandstipendium feiert Jubiläum: Es existiert seit 10 Jahren. Mehr als 5.200 Stipendiatinnen und Stipendiaten wurden an der TUM seither finanziell und ideell unterstützt.

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susanne.birkeneder(at)tum.de

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