TUM-Studentin Polina Pelkonen war in der Chemical Kitchen.
Kreativität in der "Chemical Kitchen": Wissenschaftler:innen sind ein wenig auch Künstler:innen, findet TUM-Studentin Polina Pelkonen.
Bild: Uli Benz / TUM
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Chemical Kitchen des Elitestudiengangs Biomedical NeurosciencesRaum für Kreativität

Küche und Labor haben einiges gemeinsam. So ist es kein Zufall, dass sich die Student:innen des Elitestudiengangs Biomedical Neurosciences in ihrer ersten Studienwoche in einer angemieteten Großküche getroffen haben.

Eine der 11 angehenden Neurowissenschaftler:innen, die das Masterstudium im Wintersemester 2021/22 begonnen haben, ist Polina Pelkonen, die an der TUM bereits einen Bachelor in Molekularer Biotechnologie absolviert hat.

Nach Forschungspraktikum und Abschlussarbeit in der Neurobiologie war der 23-Jährigen klar, dass ihre Fragen sie „immer wieder zum Gehirn führen.“ Die Chemical Kitchen sei Teil der Einführungsveranstaltungen in der ersten Semesterwoche gewesen, erinnert sie sich. „Der Workshop sollte uns eine Möglichkeit bieten, uns gegenseitig kennenzulernen und vor allem stressfrei in die Welt des Experimentierens einzusteigen.“

Vorbild Imperial College London

Das Konzept der Chemical Kitchen stammt vom Imperial College in London, mit dem die TUM auf verschiedenen Ebenen intensiv zusammenarbeitet. Es wurde in Zusammenarbeit zwischen dem Medizinprofessor Roger Kneebone, dem Chemiker Prof. Alan Spivey und dem Koch Jozef Youssef entwickelt und von Dr. Luke Delmas, einem Chemiker, und Dr. Jakub Radzikowski ins Leben gerufen.

„Die Abläufe in der (Groß)küche und im Labor sind sich sehr ähnlich“, erklärt Radzikowski in einem Youtube-Video. „Man braucht Kreativität, aber auch bestimmte handwerkliche Fähigkeiten.“ Wie beim Kochen probiere man auch im Labor verschiedene Zutaten und Mischungsverhältnisse aus, man wiege, messe und stelle Lösungen her. Die Arbeit müsse dokumentiert werden und am Ende stehe immer die Bewertung des Ergebnisses.

Forschen als kreative Tätigkeit

In London wird die Chemical Kitchen eingesetzt, um Chemiestudent:innen gleich im Anfangssemester in einer sicheren Umgebung die Angst vor dem Experimentieren zu nehmen. Im Unterschied dazu war Polina das experimentelle Arbeiten aus ihrem Bachelorstudiengang schon gewöhnt. Profitiert habe sie dennoch von der Veranstaltung.

„Wir hatten alle Laborerfahrung, doch in sehr unterschiedlichem Umfang“, erklärt sie. „Der Workshop hat an das vorhandene Wissen angeknüpft, wobei immer der Teambuilding-Gedanke im Vordergrund stand.“ Vor allem habe der Kurs geholfen, sich daran zu erinnern, dass Forschen eine kreative Tätigkeit ist, sagt die angehende Grundlagenforscherin. Im Laboralltag vergesse man das schnell.

Wird der Druck zu groß, gingen Leichtigkeit und Freiheit verloren, die die Voraussetzung für jede Kreativität sind. „Natürlich muss man mit Respekt und Ernst an die Arbeit herangehen“, ist Polina überzeugt. „Aber wir müssen uns trotzdem die Freiheit bewahren, Dinge einfach auszuprobieren.“ Ein bisschen sei ein Wissenschaftler ja auch ein Künstler, der kreative Wege sucht, um Fragen zu beantworten.

Cheese Cake mit Agarose-Spaghetti

Genau das war in der Chemical Kitchen möglich, die an der TUM dieses Jahr das erste Mal in Präsenz stattfinden konnte. „Es handelt sich dabei explizit nicht um einen Kochkurs“, betont Michael Brunnhuber, der als Programmmanager des Masterstudiengangs die Chemical Kitchen gemeinsam mit seinem Londoner Kollegen Radzikowski organisiert und betreut hat. „Stattdessen stehen Techniken im Vordergrund, die auch im Labor zum Einsatz kommen, aber auch Fragen der Arbeitssicherheit und der Dokumentierung von Ergebnissen.“

In der Großküche hatten die Teilnehmenden ein paar Stunden Zeit, in Zweiergruppen ihr Projekt umzusetzen. Das Resultat: ein Cheese Cake, bei dem selbst der Frischkäse mithilfe von Citronensäure selbst aus Milch hergestellt wurde. „Wir konnten ganz viel ausprobieren, was wahnsinnig viel Spaß gemacht hat“, sagt Polina. Großer Wert wurde auf die Dekoration gelegt, weil hier Agarose verarbeitet werden konnte, die auch im Labor zum Einsatz kommt.

Für Polina ein direkter Bezug zu ihrer Bachelorarbeit: „Ich habe dort Gehirne in Agarose eingebettet und bin dabei genau wie jetzt in der Küche vorgegangen.“ Geschmeckt habe der Kuchen übrigens auch, und toll ausgesehen habe er mit seiner Dekoration aus bunt gefärbten Agarose-Spaghetti und Agarose-Droplets sowieso.

„Kitchen“ auch für Medizinstudierende

Auch Brunnhuber ist mit dem Erfolg der Chemical Kitchen zufrieden und möchte die Zusammenarbeit mit dem Imperial College gerne noch weiter ausbauen. „Wir entwickeln gerade ein neues Konzept, das dann mehr die Medizinstudenten im Blick hat“, verrät er.

Polina hat jetzt Semesterferien, aber so ganz lässt die Chemical Kitchen sie noch nicht los. „Zu Hause würde ich natürlich nicht den gleichen Aufwand betreiben wie im Workshop. Aber der Frischkäse hat so gut geschmeckt – den stelle ich vielleicht noch einmal nach unserer Versuchsanleitung her.“

  • Die TUM-Studierenden Polina Pelkonen und Cornelius Berberich in der Chemical Kitchen.
    Aus Pulver wird Agar-Gel, Sirup dient der Färbung: Die Studierenden Polina Pelkonen und Cornelius in der Chemical Kitchen. Bild: Biomedical Neuroscience TUM
  • Die TUM-Studierenden Polina Pelkonen und Cornelius Berberich in der Chemical Kitchen.
    Parallelen zwischen Küche und Labor: Ausprobieren verschiedener Zutaten und Mischungsverhältnisse, Wiegen, Messen, Dokumentieren. Bild: Biomedical Neuroscience TUM
  • Gefärbter Agar wird mit einer Pipette in kaltes Öl getropft.
    Feinarbeit in der Küche: Gefärbter Agar wird mit einer Pipette in kaltes Öl getropft, um kleine kavierartige Kügelchen zu produzieren. Bild: Biomedical Neuroscience TUM
  • Cheese-Cake als Endergebnis der Chemical Kitchen an der TUM
    Delikates Ergebnis der Chemical Kitchen an der TUM: Ein Cheese-Cake, bei dem selbst der Frischkäse selbst hergestellt wurde. Bild: Biomedical Neuroscience TUM

Mehr Informationen:

  • Polina Pelkonen backt auch privat leidenschaftlich gerne und hat als Jugendliche sogar mit einer Ausbildung zur Konditorin geliebäugelt. Dazu kamen Ausflüge in die High Cuisine und die molekulare Küche. Am Ende hat aber doch die Wissenschaft gesiegt.
  • Der durch das Elite-Netzwerk Bayern geförderte Masterstudiengang Biomedical Neurosciences existiert seit 2018. Jedes Wintersemester können maximal 20 Student:innen aufgenommen werden.
  • Chemical Kitchen ist ein interdisziplinäres Didaktikprojekt, das am Imperial College London in Zusammenarbeit des Mediziners Prof. Roger Kneebone, des Chemikers Prof. Alan Spivey und des Chefkochs Jozef Youssef entstanden ist.
  • Das Imperial College London gehört zu den weltweit renommiertesten Universitäten. Die Zusammenarbeit mit dem Team um Prof. Roger Kneebone (Imperial) findet im Rahmen einer Kooperation mit dem TUM Medical Education Center statt.

Technische Universität München

Corporate Communications Center Larissa Tetsch / Verena Meinecke

Kontakte zum Artikel:

TUM
Prof. Dr. Pascal Berberat
Michael Brunnhuber
michael.brunnhuber(at)tum.de

Imperial College London
Jakub Radzikowski
Luke Delmas