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Managergehälter 2015 stärker an Unternehmenserfolg gekoppelt

DAX-Vorstände verdienen weniger

Die Vorstandsgehälter der DAX-Unternehmen sind im vergangenen Jahr erstmals seit 2012 leicht gesunken, während die Löhne der Angestellten gestiegen sind. Dies zeigt die jährliche Studie der Deutschen Schutzvereinigung Wertpapierbesitz (DSW) und der Technischen Universität München (TUM), die heute in Frankfurt vorgestellt wurde. Anders als in den Vorjahren legten die Unternehmen zudem mehr Wert auf Vergütungen, die an die Entwicklung des Aktienkurses und damit den langfristigen Unternehmenserfolg geknüpft sind.

Die Vorstände der im Deutschen Aktienindex (DAX) gelisteten Unternehmen verdienten 2015 durchschnittlich 3,34 Millionen Euro, das sind 1,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig stiegen die Bruttolöhne in Deutschland um 4 Prozent. Die Angestellten der DAX-Unternehmen verdienten damit im Schnitt 50 Mal weniger als die Vorstände. 2014 lag die Differenz noch beim 54-Fachen.

Mit einer Ausnahme im Jahr 2012 waren die Vorstandsgehälter seit 2009 stets gestiegen, zuletzt um 1,1 Prozent. 2015 aber fielen die Gewinne der DAX-Unternehmen um mehr als 5 Prozent, und entsprechend sanken auch die sogenannten variablen Barvergütungen um 5 Prozent, also die vorrangig an die Jahresbilanz gekoppelten Zahlungen. Allerdings schrumpfte nicht nur dieser Teil der Gehälter: Auch die festgeschriebenen Grundgehälter wurden um durchschnittlich 1,4 Prozent reduziert.

Um 4,7 Prozent höher lag dagegen der Wert der Aktien, Optionen und Anteilsrechte, die den Vorständen gewährt wurden, wobei die Studie den Wert am Tag der Gewährung der Papiere heranzieht. Diese Art der Vergütung gilt als Anreiz, die Unternehmensführung am langfristigen Erfolg auszurichten, weil die eigenen Aktien dann wertvoller werden. In den Vorjahren hatten die Unternehmen stattdessen die Festgehälter stetig angehoben, während die Vergütung in Aktien noch 2014 um über 10 Prozent gesunken war.

Nicht alle DAX-Unternehmen richten Vergütung am Aktienkurs aus

„Diese Trendumkehr hat uns überrascht“, sagt Prof. Gunther Friedl vom Lehrstuhl für Controlling der TUM. „Offenbar setzt sich die Erkenntnis durch, dass der langfristige Unternehmenserfolg der wichtigste Maßstab für die Bezahlung der Vorstände sein sollte. Allerdings machen die Fixgehälter, die nicht von der Leistung abhängen, im Schnitt nach wie vor mehr als 30 Prozent der Gesamtvergütung aus. Und noch nicht alle DAX-Unternehmen richten ihre Vergütung am Aktienkurs aus.“

„Die Bemessung der variablen Vergütung auf einen Mehrjahreszeithorizont ist zwar in dem einen oder anderen Fall dafür verantwortlich, dass die Vorstandsvergütungen zum Teil steigen, obwohl die Ergebnisse der Gesellschaften im letzten Geschäftsjahr merklich gesunken sind. Hier wirken die guten Jahre aus der Vergangenheit in der Vergütungshöhe nach. Trotz dieser teilweise paradox anmutenden Entwicklungen halten wir es für sinnvoll, die variablen Bestandteile der Vorstandsvergütung auf eine mehrjährige und damit auf längerfristige Erfolge ausgerichtete Messbasis zu stellen“, sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler.

Volkswagen-Vorstände verdienten am meisten

Am meisten verdienten erneut die Vorstände von Volkswagen mit durchschnittlich 6,97 Millionen Euro, gefolgt von Merck mit 6,27 Millionen Euro und BMW mit 4,44 Millionen Euro. Die Vorstandsvorsitzenden erhielten im Schnitt 5,10 Millionen Euro. Am höchsten entlohnt wurde Daimler-Chef Dieter Zetsche mit 8,54 Millionen Euro. Er löst den langjährigen Spitzenreiter Martin Winterkorn ab, der aufgrund seines Ausscheidens bei Volkswagen im Laufe des Jahres nicht mehr in der Einzelauswertung geführt wird. Karl-Ludwig Kley, Vorstandsvorsitzender von Merck, steht mit 7,89 Millionen Euro auf Platz zwei vor dem neuen VW-Chef Matthias Müller mit 7,35 Millionen Euro.

Mehr Informationen:

Übersicht über die Vorstandsvergütungen und Redebeiträge der heutigen Pressekonferenz

Die Autoren der Studie haben die Methodik weiter verbessert. Die hier aufgeführten Werte für 2014 sind ebenfalls nach der neuen Methodik errechnet und entsprechen deshalb nicht den im Vorjahr kommunizierten, nach der ursprünglichen Methodik berechneten 2014er-Werten.

Kontakt:

Prof. Dr. Gunther Friedl
Technische Universität München
Lehrstuhl für Controlling
Tel: + 49 89 289 25801
gunther.friedl(at)tum.de

Corporate Communications Center

Technische Universität München Klaus Becker
klaus.becker(at)tum.de

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