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Start-up-Teams im Silicon Valley.
Zehn Tage von den Besten lernen - die Start-up-Teams im Silicon Valley. (Bild: TUM)
  • Entrepreneurship

Interview und Film: Fünf Start-ups beim ersten „US Venture Program“ der TUM

Mit der Uni ins Silicon Valley

Die Technische Universität München (TUM) bringt ihre Start-ups ins Silicon Valley. Zehn Tage lang haben fünf Teams ein Netzwerk in der Gründungsszene geknüpft, sich mit Führungskräften der Global Player ausgetauscht und von Experten gelernt. Isabell Franck vom Datenanalyse-Spezialisten IPT und Artem Kuchukov vom Bautechnologie-Unternehmen KEWAZO waren beim ersten „US Venture Program“ dabei. Im Interview erzählen sie, warum es im Investorengespräch um Fußball ging und warum der Unterschied zum Garchinger Inkubator gar nicht so groß ist.

Herr Kuchukov, vor neun Monaten haben Sie noch studiert, jetzt haben Sie Ihr Unternehmen im gelobten Start-up-Land vor Publikum und einer Jury aus Gründungsexperten und Investoren präsentiert. Wie hoch war Ihr Puls?

Kuchukov: Ich war eigentlich ganz entspannt, weil es im Silicon Valley beim Pitch noch gar nicht so sehr auf Produktdetails und Zahlen ankommt. Dort verkaufst Du Deine Vision, während wir in Deutschland von Investoren gefragt werden, was unsere Produkttests ergeben haben. Das liegt auch daran, dass es in den USA so viel Kapital gibt, dass die Geldgeber möglichst früh einsteigen wollen, bevor jemand anderes die Chance nutzt.

Franck: In den USA fragen die Investoren auch ganz anders, viel mehr zur Person als über das Unternehmen. Ich wurde gefragt, was ich in meiner Freizeit mache – und als ich erzählt habe, dass ich Fußball spiele, haben sie sogar noch nach meiner Position gefragt.

Klingt nach einem Vorstellungsgespräch.

Kuchukov: Wir haben erlebt, dass Investoren in den USA ein viel engeres Verhältnis zu den Gründern haben und auch einfach mal persönlich vorbeischauen. Ein wenig wie Aufsichtsräte. Man bekommt viel positiven Input, es kann aber natürlich auch mal unangenehm werden.

Franck: Der Austausch kommt auch viel schneller in Gang. Man trifft sich zum ersten Mal und hat am nächsten Tag schon zehn Nachrichten ausgetauscht. Zu dem Investor mit der Fußballfrage haben wir weiterhin einen guten Draht. Er spielt übrigens selbst Fußball. Ich habe ihn dann einfach auch nach seinen Freizeitaktivitäten gefragt.

Sie eröffnen also bald eine Niederlassung in San Francisco?

Franck: Die potenziellen Kunden und andere Start-ups aus der Automobilbranche haben uns gesagt, dass sie alle nach Deutschland schauen und abwarten, was dort erfolgreich ist. Damit hatte ich so nicht gerechnet. Wir werden also Schritt für Schritt vorgehen.

IPT hilft Unternehmen im produzierenden Gewerbe, ihre Produktionsprozesse zu optimieren. Die von dem Start-up entwickelte Software kombiniert Datenanalysen und maschinelles Lernen mit erprobten Modellen und Expertenwissen von Prozessingenieuren für die jeweiligen Branchen. So sollen individuellere und treffendere Empfehlungen möglich sein, auch wenn nur vergleichsweise wenige Daten zur Verfügung stehen. IPT arbeitet bereits mit großen Unternehmen im Automobil- und Maschinenbau wie auch mit Mittelständlern zusammen.

Kuchukov: Auch wenn wir noch kein Produkt auf dem Markt haben, hat es uns sehr geholfen, dass wir von Baufirmen erfahren konnten, was sie von unserer Technologie halten. Und natürlich motiviert uns, dass die Jury begeistert war. Wir hatten so viele Gespräche – ohne die Organisation durch die TUM hätten wir nicht mal 20 Prozent davon geschafft.

KEWAZO hat einen Roboter für die Montage von Baugerüsten entwickelt, der alle Gerüstteile nicht nur in die Höhe, sondern auch horizontal bis zum Einsatzort bringt. Er navigiert autonom und erkennt Arbeiter. So soll er die Sicherheit erhöhen und 30 Prozent der Montagekosten sparen. Außerdem ermöglicht er mit maschinellem Lernen die Verbesserung der Abläufe. Der zweite Prototyp geht in Kürze in Test. Das Start-up konnte große Verbände und ein DAX-Unternehmen als Entwicklungspartner gewinnen.

Franck: Das Programm hatte ja auch einen Bildungscharakter. Wenn ich allein ins Silicon Valley gereist wäre, hätte ich zwar auch mit Kunden gesprochen, aber sicher nicht mit so vielen Experten.

Was konnten Sie von denen lernen?

Kuchukov: Wie man sich besser verkaufen kann. Das klingt banal, aber das machen die Amerikaner einfach besser. Die Lektion in unserem Workshop hieß: Deine Präsentation muss eine Geschichte sein, die man weitererzählen kann. Von den großen Tech-Firmen habe ich viel über Unternehmenskultur im Arbeitsalltag gelernt. Wir wollen jetzt noch stärker darauf achten, welche konkreten Bedürfnisse unsere Entwickler haben.

Franck: Mich hat die Geschwindigkeit beeindruckt. Die Start-ups versuchen, sehr schnell Erfolge zu erreichen. Und wenn das nach einem Jahr nicht klappt, dann gibt es kein Geld mehr dafür und sie probieren etwas völlig anderes.

Der berühmte Spirit des Silicon Valley hat sie gepackt?

Franck: Ja, aber ich kann auch manches, was oft gehypet wird, besser einordnen. Zum Beispiel betonen dort alle, dass sie 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche arbeiten. Arbeit wird aber ganz anders definiert als bei uns, auch persönliche Gespräche zählen dazu. Selbst Sport gilt als Arbeit, weil er die Leistungsfähigkeit steigert.

Kuchukov: Man hat ein Bild im Kopf, dass das Silicon Valley ein Ort mit perfekten Menschen in einer perfekten Umgebung ist. Wenn man dort ist, sieht man das etwas realistischer. Wir haben zum Beispiel mehrere Inkubatoren besucht, in denen die Teams auf engerem Raum in weniger angenehm gestalteten Gebäuden sitzen als wir in Garching. Was mich vor allem ermutigt hat: Der Unterschied zu dem, wie wir hier arbeiten, ist gar nicht so groß.

US Venture Program:

Das zehntägige „US Venture Program“ der TUM richtet sich an junge, aber weit entwickelte Start-up-Teams, um sie auf den internationalen Markt vorzubereiten. In zahlreichen Workshops haben sie mit weltweit führenden Experten und Trainern zu Themen wie Firmenkultur, Recruitment oder internationalem Recht gearbeitet, sowie mit Führungskräften von Unternehmen wie Google und Facebook diskutiert, darunter einige Ehemalige der TUM. Sie bekamen außerdem die Gelegenheit, individuelle Treffen mit potenziellen Kunden und Investoren zu vereinbaren. Die TUM ist in San Francisco mit einem eigenen Büro aktiv. Ein Ziel des Programms ist es, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Erfahrungen an andere Ausgründungen weitergeben.

IPT und KEWAZO – gegründet an der TUM:

Dr. Isabell Franck hat an der TUM, an der University of California, Berkeley, und an der University of Cambridge Maschinenwesen studiert und an der TUM-Professur für Kontinuumsmechanik promoviert. Gemeinsam mit drei weiteren Absolventen der TUM hat sie Mitte dieses Jahres die IPT – Insight Perspective Technologies GmbH gegründet. Unterstützt wurde das Team von der TUM Gründungsberatung und von ihrem früheren Doktorvater als Mentor.

Artem Kuchukov hat an der TUM Advanced Construction and Building Technology studiert. Mit fünf weiteren TUM-Absolventinnen und -Absolventen aus den Bereichen Baurobotik, Informatik, Weltraumtechnik und Betriebswirtschaft hat er 2016 im Inkubator der TUM KEWAZO gegründet. Das Team hatte sich im „Think.Make.Start“-Kurs von UnternehmerTUM, dem Zentrum für Innovation und Gründung, kennengelernt. In der dortigen Hightechwerkstatt MakerSpace konnte es Prototypen bauen.

Die TUM bringt laut dem aktuellen „Deutschen Startup Monitor“ unter den deutschen Hochschulen die meisten Gründerinnen und Gründer hervor. Jedes Jahr werden hier mehr als 70 Unternehmen ausgegründet. Die hervorragende Förderung bestätigt der „Gründungsradar“ des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, bei dem die TUM auf Platz 1 der großen Hochschulen steht.

US Venture Program in Film und Radio:

Mehr Informationen:

Corporate Communications Center

Technische Universität München Klaus Becker
klaus.becker(at)tum.de

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