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Ein Mann übergibt einem Roboter Dokumente.
Roboter werden voraussichtlich in naher Zukunft viele Arbeiten übernehmen.
Bild: istockphoto.com / YakobchukOlena
  • Forschung
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Studie zeigt psychologische Wirkung von Arbeitsplatzverlust durch Technologie

Arbeitnehmer werden lieber durch Roboter ersetzt als durch Kollegen

Die meisten Menschen finden es grundsätzlich schlimmer, wenn Arbeitnehmer durch Roboter oder Software verdrängt werden, als wenn sie durch andere Arbeitnehmer abgelöst werden. Geht es aber um den eigenen Job, würden sie lieber durch einen Roboter ersetzt werden als durch einen Kollegen. Dies zeigt eine Studie der Technischen Universität München (TUM) und der Erasmus-Universität Rotterdam.

Millionen Jobs sind in den kommenden Jahrzehnten durch den Einsatz von Robotik und Künstlicher Intelligenz gefährdet. Obwohl diese Entwicklung in der Wissenschaft intensiv diskutiert wird, wurde bislang kaum erforscht, wie Menschen darauf reagieren, im Beruf durch Technologie ersetzt zu werden.

Um dies herauszufinden, haben Wirtschaftswissenschaftler der TUM und der Erasmus-Universität Rotterdam in elf größtenteils experimentellen Untersuchungen verschiedene Szenarien mit insgesamt mehr als 2.000 Personen aus mehreren Staaten Europas und Nordamerikas getestet. Die Forschungsarbeit wurde nun im renommierten Fachmagazin „Nature Human Behaviour“ veröffentlicht.

Selbstwertgefühl leidet stärker gegenüber Kollegen

Die Studie zeigt: Grundsätzlich würden es die meisten Menschen bevorzugen, wenn Arbeitnehmer durch andere Menschen ersetzt werden statt durch Roboter oder intelligente Software. Das Gegenteil ist der Fall, wenn sie persönlich betroffen sind. Sollte ihr eigener Job gestrichen werden, fände es die Mehrheit der Arbeitnehmer weniger schlimm, wenn ein Roboter sie verdrängt, als wenn ein Mensch ihre Aufgaben übernimmt. Nichtsdestotrotz sehen dieselben Menschen auf längere Sicht Maschinen als größere Gefahr für ihre eigene berufliche Zukunft. Diese Effekte lassen sich auch bei Personen nachweisen, die kürzlich ihren Arbeitsplatz verloren haben.

Die Wissenschaftler konnten auch die Gründe für diese auf den ersten Blick paradoxen Ergebnisse ermitteln: Menschen vergleichen sich weniger mit Maschinen als mit anderen Menschen. Deshalb wird ihr Selbstwertgefühl weniger infrage gestellt, wenn sie durch einen Roboter oder Software ersetzt werden. Dieser Effekt zeigte sich schon dann, wenn die Testpersonen annahmen, dass sie von Kolleginnen und Kollegen verdrängt werden, die Künstliche Intelligenz für die Arbeit nutzen können.

Weniger Gegenwehr durch Arbeitnehmervertreter?

„Auch Arbeitslosigkeit, die durch den Einsatz von Technologie verursacht wird, beurteilen Menschen in einem sozialen Kontext“, sagt Studienautor Christoph Fuchs, Professor an der TUM School of Management. „Diese psychologischen Effekte zu verstehen, ist wichtig, um die massiven Veränderungen in der Arbeitswelt so gestalten zu können, dass sie keinen gesellschaftlichen Schaden auslösen.“

Beispielsweise könnten die Erkenntnisse helfen, Programme für Arbeitslose zu verbessern. „Haben Menschen ihren Job an einen Roboter verloren, ist es weniger nötig, ihr Selbstbewusstsein zu stärken“, sagt Fuchs. „Wichtiger ist es dann, ihnen neue Kompetenzen zu vermitteln, die ihnen die Angst nehmen, Robotern langfristig unterlegen zu sein.“

Die Studie könne zudem Grundlage für weitere Forschung auf anderen ökonomischen Ebenen sein, sagt Fuchs: „Möglicherweise wehren sich Arbeitnehmervertreter weniger gegen Arbeitsplatzverluste, die durch Robotereinsatz verursacht werden, als gegen anders begründete Streichungen, beispielsweise durch Outsourcing an andere Arbeitnehmer.“

Publikationen:

Granulo, Armin, Fuchs, Christoph, Puntoni, Stefano: Psychological reactions to human versus robotic job replacement, Nature Human Behaviour 2019. DOI: 10.1038/s41562-019-0670-y

Corporate Communications Center

Technische Universität München Klaus Becker
klaus.becker(at)tum.de

Kontakte zum Artikel:

Prof. Dr. Christoph Fuchs
Technische Universität München
Lehrstuhl für Marketing
Tel: +49 89 289 28401
christoph.fuchs(at)tum.de

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