Lehrformate

Vorlesungen, Übungen, Praktika, Seminare und Projekte bilden das Fundament der Lehre an der TUM. Hier finden Sie einen Überblick über die jeweiligen Stärken und Schwächen der einzelnen Formate sowie Tipps zur Optimierung der Lehrformate in der didaktischen Praxis.

Die Vorlesung ist das am häufigsten eingesetzte Lehrformat an deutschen Hochschulen und bildet seit Jahrzehnten den Kern der Hochschullehre. Und obwohl dieses Format – insbesondere die damit oft gleichgesetzte Form des Frontalunterrichts – aus Sicht der modernen Lehr- und Lernforschung nicht unproblematisch ist, hat die Vorlesung doch auch einzigartige Stärken, die sie für den Hochschulalltag weiterhin unverzichtbar macht.

Zu den Stärken einer Vorlesung gehört, dass Sie einerseits eine große Anzahl von Studierenden gleichzeitig erreichen können, andererseits können Sie in die Systematik eines Fachgebietes einführen und einen Überblick über die relevanten Themen geben. Darüber hinaus wirkt die Vorlesung oft als rhythmisierendes und disziplinierendes Element im studentischen Alltag und stärkt als Begegnungsplattform das soziale Gruppengefüge unter den Studierenden. Zu den Schwächen dieses Formats gehört, dass es eine unverbindliche Konsumhaltung der Zuhörer fördert. Dies beruht insbesondere darauf, dass Studierende während der Vorlesung nur schwer persönlich einzubeziehen und zu aktivieren sind. Die Größe des Auditoriums und Faktoren wie unterschiedliches Vorwissen und Heterogenität erschweren es zusätzlich, die Situation positiv zu wenden.

Auch wenn in der Wahrnehmung des Dozierenden das Halten einer Vorlesung oft großen Raum einnimmt, so ist es keineswegs selbstverständlich, dass es für die Studierenden genauso ist. Im Gegenteil, denn oft findet ein signifikanter Anteil des studentischen Lernens außerhalb der Vorlesung statt, wesentlich gesteuert von Folienhandouts und antizipierten Prüfungsaufgaben. Daher bemüht sich die Hochschuldidaktik, den Dozenten Methoden an die Hand zu geben, wie sie Studierende in der Präsenzzeit der Vorlesung stärker aktivieren können sowie stärker und bewusster Impulse für die Selbstlernphasen außerhalb der Vorlesung setzen können.

Tipps:
  • Schaffen Sie in Ihrer Vorlesung einen echten Mehrwert zu den alternativen Lernmaterialien wie Skript oder Buch: reichern Sie den Stoff mit Beispielen an, verdeutlichen Sie ihn durch Praxisfälle, thematisieren Sie typische Fehler und Fehlvorstellungen, setzen Sie Schwerpunkte, helfen Sie den Studierenden bei der Unterscheidung, was wichtige Kernelemente, erläuternde Beispiele, Hinführungen oder Exkurse sind.
  • Immer wieder werden Sie Inhalte haben, die genauso gut aus Büchern gelernt werden können. Trauen Sie sich, diese Inhalte aus der Vorlesung auszulagern! Aber machen Sie diese Auslagerung transparent, verweisen Sie auf entsprechende Buchkapitel, die in Selbstlernphasen erarbeitet werden sollen, und nutzen Sie die gewonnene Zeit für Erklärungen und Beispiele, die einen echten Mehrwert zum Buch bieten.
  • Versuchen Sie, die Studierenden zum aktiven Mitdenken zu bewegen; allzu oft erleben wir, dass Studierende in Vorlesungen nicht mitdenken, sondern den Lernstoff lediglich für später sammeln, um kurz vor der Prüfung zu lernen. Sich da erst mit dem Stoff auseinanderzusetzen, führt oft zu Bulimielernen: das Wissen wird schnell gepaukt und kann dann meist in der Prüfung abgerufen werden, ist aber nicht nachhaltig verinnerlicht und verflüchtigt sich schnell wieder.
  • In vielen Fällen bietet es sich an, eine Vorlesung durch Übungen zu ergänzen. Wenn Studierende in den Übungen den Vorlesungsstoff anwenden, sinkt die Gefahr, dass der Vorlesungsstoff träges Wissen bleibt und nicht in Handeln übersetzt werden kann. 

Kein Seminar gleicht dem anderen. Die Zielsetzungen können sich ebenso unterscheiden wie die Inhalte und die ausgewählten Methoden. Ein paar Aspekte haben die meisten Seminare jedoch gemeinsam: In Abhängigkeit vom jeweiligen Fachbereich dienen sie der Vertiefung von Inhalten, der gezielten Darstellung von Spezialthemen oder auch der Erarbeitung und Erprobung von theoretischen Inhalten in der Praxis.

In der Gestaltung von Seminaren haben Sie als Lehrender einen großen Spielraum. In den Empfehlungen zur Sicherung der Qualität von Studium und Lehre in Bachelor- und Masterstudiengängen der Hochschulrektorenkonferenz (Juni 2005) werden Seminare als „kleine Lehrveranstaltung mit signifikantem, aber unterschiedlich aktivem Anteil der Teilnehmer“ beschrieben, die Gruppengröße liegt üblicherweise bei 15 bis 30 Teilnehmenden.

Das Spektrum angebotener Formate reicht

  • vom klassischen Seminar(in dem Studierende z.B. Lösungen zu Aufgaben präsentieren oder über eigene oder fremde Arbeiten referieren),
  • über die Lernwerkstatt oder ein Projektseminar (hier übernehmen die Teilnehmer einen großen Bereich der aktiven Gestaltung z.B. die Gestaltung ganzer Einheiten),
  • bis hin zu Lehrforschungsprojekten oder Action-Learning (hier erarbeiten sich die Teilnehmer in hohem Maß selbstorganisiert ganze Themenbereiche in Kleingruppen und reflektieren eigenverantwortlich den Prozess und die Ergebnisse). Auch der Lektürekurs findet seinen Platz im Feld der Seminare.

Ein großer Vorteil von Seminaren liegt darin, dass sie die Selbstverantwortung der Studierenden fördern und zum selbständigen wissenschaftlichen Arbeiten bzw. zur praktischen Anwendung des Gelernten hinführen. Die Arbeit erfolgt meist in Gruppen, was von den Studierenden neben dem Erlernen und Festigen der Fachkenntnisse verlangt, sich auch soziale Kompetenzen anzueignen. Ein möglicher Nachteil liegt allerdings in dem teilweise hohen Organisations- und Betreuungsaufwand. Die Rolle des Lehrenden wechselt vom Wissensvermittler hin zum Lernbegleiter und -ermöglicher und ist somit ein andere als z.B. in einer Vorlesung. Zudem ist die Interaktion zwischen Lernenden und Dozenten viel intensiver und sollte zur Verbesserung des Lernerfolgs der Studierenden genutzt werden.

Tipps:
  • Reflektieren Sie vor Beginn des Seminars, welche Rolle Sie als Lehrender einnehmen wollen und wie sie diese Haltung den Studierenden klarmachen. In Seminaren leitet der Lehrende die Gruppe über die einzelnen Veranstaltungen hinweg, er steuert, verteilt Aufgaben und korrigiert, ist aber wenig oder gar nicht mit der Aufbereitung der Inhalte und deren Vermittlung beschäftigt. Der Lehrende ist eher Moderator, Begleiter und Qualitätssicherer des Lernprozesses.
  • Gerade die Transparenz der Anforderungen und die Sicherung der Qualität der studentischen Arbeit sind enorm wichtig, sie sollten von Anfang an klar kommuniziert und nachgehalten werden.
  • Das Vorwissen und die Kompetenzen bzw. der Entwicklungsstand der Studierenden sollten bei der Planung berücksichtigt werden, damit der reibungslose Ablauf des Seminars gelingen kann. Auch in der ersten Veranstaltung gibt es verschiedene Methoden, um den Wissensstand und die Selbstorganisationsfähigkeit der Teilnehmer einschätzen zu können.
  • Es gibt viele Möglichkeiten, um Seminare abwechslungsreich und spannend zu gestalten: So können zum Beispiel kleinere Forschungsprojekte durchgeführt oder Videos erstellt werden. Einzelne Seminartermine können auch gut für Exkursionen oder den Besuch von Gastrednern genutzt werden.
  • Wenn Sie ein Seminar für das nächste Semester planen, können Sie die Veranstaltungen des laufenden Semesters nutzen, um Teilnehmer zu gewinnen und Teilnahmebedingungen transparent zu machen. So stellen Sie sicher, dass die Teilnehmer sich rechtzeitig anmelden und über die Anforderungen informiert sind.

Webbasiertes Lehren und Lernen lässt sich je nach Rahmenbedingungen, Zielgruppe, persönlicher Vorstellung und individuellem Lehrstil auf sehr unterschiedliche Weise in die Lehre integrieren. Insbesondere drei Konzepte haben sich in der Hochschullehre etabliert: das Anreicherungskonzept, das Integrationskonzept und das Virtualisierungskonzept.

Beim Anreicherungskonzept werden ergänzend zu einer Lehrveranstaltung z.B. Skripten, Folien und Aufgaben zur Vor- und Nachbereitung sowie Kommunikations­medien online bereitgestellt. Die Onlineangebote sind für die Studierenden optional.

Das Integrationskonzept, auch Blended Learning genannt, kombiniert Präsenzlehre mit Onlinelehre. Präsenz- und Onlinephasen wechseln sich dabei z.B. im Wochenrhythmus ab, wobei die Onlineangebote für die Lernenden nicht mehr optional sind. Die Gestaltungsmöglichkeiten von Blended Learning sind vielfältig und orientieren sich unter anderem daran, die jeweiligen Stärken von Präsenz- und Onlinelehre zum Tragen kommen zu lassen. Beispielsweise kann Wissen in der Vorlesung vermittelt werden, und in der anschließenden Onlinephase werden von den Studierenden Online-Aufgaben bearbeitet. Reflexion und Feedback zur Bearbeitung der Online-Aufgaben erfolgen dann in der darauffolgenden Präsenzsitzung. Es ist aber auch möglich, dass sich die Studierenden das Wissen nicht in der Vorlesung, sondern mittels online bereitgestellter Materialien selbst aneignen. Anwendung, Übung und Besprechung erfolgen dann in der nächsten Präsenzsitzung (“Flipped Classroom”) und die Nachbereitung findet dann wiederum in der darauffolgenden Onlinephase z.B. durch einen eTest zur Wissensabfrage statt.

Das Virtualisierungskonzept ist dadurch gekennzeichnet, dass Präsenzangebote durch reine Onlineangebote wie z.B. Selbstlernkurse, Videovorlesungen, MOOCs sowie Kurse der Virtuellen Hochschule Bayern (vhb) ersetzt werden. Sie bilden an Präsenzhochschulen eher die Ausnahme, ermöglichen Studierenden aber einen individuellen sowie zeitlich und räumlich flexiblen Zugriff auf Lerninhalte, die z.B. an der eigenen Hochschule nicht vermittelt werden bzw. diese ergänzen.

Je länger die Onlinephasen dauern, desto wichtiger werden die Betreuung der Studierenden und der Austausch untereinander, um die Motivation hoch zu halten.

Tipps:
  • Überlegen Sie gründlich, welche E-Learning-Elemente Sie in welchem Umfang in Ihre Lehrveranstaltung integrieren möchten. Lassen Sie sich dabei von den MitarbeiterInnen des Medienzentrums beraten – diese können Ihnen Vor- und Nachteile der verschiedenen Elemente erläutern, Sie auf passende Elemente aufmerksam machen und für Sie den Realisierungsaufwand abschätzen.
  • Führen Sie die Studierenden schrittweise an das neue Lehrformat heran und demonstrieren Sie die eingesetzten E-Learning-Tools, um Hemmschwellen abzubauen und Fragen vorab zu klären.
  • Bieten Sie Ihren Studierenden alternative Formen der Kommunikation und Kooperation, damit sie selbst entscheiden können, wie sie in den Onlinephasen untereinander und mit Ihnen in Kontakt treten und sich austauschen können. Weisen Sie den Kommunikations- und Kooperationsmedien, die Sie einsetzen möchten, klare Aufgaben zu, um die Studierenden zu motivieren, diese auch zu nutzen.
  • Die für alle Angehörigen der TUM frei verfügbare Lernplattform Moodle bietet parallel zu Lernräumen wie Hörsälen, Seminarräumen und Bibliotheksräumen “virtuelle Lernräume”, in denen Onlineszenarien umgesetzt werden können (beispielsweise Bereitstellung und Nutzung von Informationen, Materialien, Kommunikations- und Austauschmöglichkeiten).
  • Da sich die Studierenden das Wissen in den Onlinephasen selbst erarbeiten, anwenden und üben, überlegen Sie vorab, welche Betreuungsaufgaben dabei für Sie anfallen und wer aus Ihrem Team sie übernimmt.

Die Zentralübung ist das zweite Glied in der Kette Vorlesung – Zentralübung – Tutorium. Hier sollen die Studierenden, aufbauend auf dem theoretischen Wissen der Vorlesung, Lösungswege und Lösungsstrategien kennenlernen und nachvollziehen. Sie sollen lernen, wie sie das theoretische Wissen aus der Vorlesung nutzen können, um konkrete Aufgaben zu lösen. Aber nur wenn die Vorlesung und die Zentralübung gut aufeinander abgestimmt sind, ergibt sich ein kraftvolles Instrument, das tiefes Lernen ermöglicht und unterstützt.

In der Zentralübung wird der Stoff der Vorlesung wiederholt und operationalisiert: der Fokus liegt nun auf der Aufgabenlösung. Die Aspekte des Stoffes werden wiederholt, die zum Lösen der Aufgaben gebraucht werden; Lösungsideen, -wege und -strategien werden vorgestellt und erprobt. Darüber hinaus werden sie mit den relevanten Formeln und dem Umgang mit ihnen vertraut gemacht. Die Zentralübung stellt damit einen weiteren wichtigen Schritt zum erfolgreichen Bestehen der Prüfung dar. Wichtig für das Gelingen der Zentralübung ist, dass diese auf die Vorlesung abgestimmt ist. Sie soll nicht dazu genutzt werden, den Stoff zu besprechen, der z.B. wegen Zeitmangels in der Vorlesung nicht oder nur unzureichend behandelt worden ist. Eine strikte Trennung der Inhalte (Vorlesung = Theorie, Zentralübung = Praxis) ist jedoch ebenso wenig wünschenswert. Auch in der Vorlesung ist es sinnvoll, bereits Aufgaben an- und durchzusprechen. Eine sinnvolle Verzahnung von Vorlesung, Zentralübung und Tutorium ist herausfordernd – aber lohnt sich!

Zentralübungen sind häufig durch Frontalvorträge und Inputphasen geprägt: Der Dozent wiederholt kurz den Stoff und stellt die Lösungswege zu den Aufgaben vor. So werden die Tutorübungen vorbereitet, in denen man lernt, Aufgaben selbst zu lösen. Um die Studierenden zum Mitdenken und Hinterfragen anzuregen, müssen sie auch in der Zentralübung aktiviert und motiviert werden. Dies geschieht z.B., wenn alltagsrelevante Aufgaben bearbeitet werden, die Relevanz des Stoffs verdeutlicht wird und die Studierenden mit Fragen oder kleinen Gruppenarbeiten einbezogen werden.

Tipps:
  • Geben Sie zu Beginn der ersten Zentralübung Metainformationen: Warum sind Zentralübungen wichtig? Was wird in der Zentralübung behandelt, was nicht? Was kommt auf die TeilnehmerInnen zu? Dieses Metawissen erhöht die Bereitschaft der Studierenden mitzumachen.
  • Verwenden Sie auch exemplarische Fehler und Musterlösungen, um zu veranschaulichen welche Lösungswege möglich sind und welche nicht.
  • Stellen Sie Material wie Übungsblätter und Musterlösungen elektronisch zur Verfügung.
  • Nutzen Sie als DozentIn einer Zentralübung oder einer Vorlesung das Wissen Ihrer TutorInnen: Welche Probleme haben die Studierenden im Tutorium noch mit dem Stoff? Was sollten Sie in der Zentralübung oder in der Vorlesung wiederholen?
  • Richten Sie Online-Foren ein (z.B. über Moodle), mittels derer die Studierenden Fragen und Probleme diskutieren können. So können Sie gleichzeitig sehen, welche Fragen und Problemstellungen die Studierenden besonders beschäftigen!
  • Sprechen Sie sich regelmäßig mit dem Verantwortlichen der Vorlesung und dem Betreuer der Tutorübungen ab: Wo befinden sich diese gerade im Stoff? Haben sich Verständnisprobleme bei bestimmten Inhalten gezeigt? Soll in der Zentralübung der Fokus auf bestimmte Themen gelenkt werden?

Die Tutorübung ist das letzte Glied in der Kette Vorlesung – Zentralübung – Tutorium. Hier sollen die Studierenden lernen, nicht nur den Lösungsweg nachzuvollziehen, sondern Aufgaben auch selbst lösen zu können. Und genau hier ist der Knackpunkt: Um das zu lernen, müssen sie selbst rechnen.

Die Gestaltung eines Tutoriums verlangt den TutorInnen einiges ab: es ist schwer, die Studierenden zu motivieren, selbst den Stift in die Hand zu nehmen und zu rechnen. Um Ihnen das nötige Handwerkszeug an die Hand zu geben, sollten die TutorInnen für diese spezielle Aufgabe geschult werden.

Aber die Tutoren haben einen großen Pluspunkt: sie sind vom Alter, der Erfahrung und der Stellung her näher an den Studierenden als die anderen Lehrenden. Dadurch haben sie ein besseres Verständnis für deren Probleme bei den Aufgaben und einen leichteren Zugang zu den Studierenden. Nicht allein deswegen sind Tutorübungen aus den Curricula kaum mehr wegzudenken. Deshalb ist aber auch bei Tutorübungen eine kontinuierliche Qualitätskontrolle wichtig. Hilfreich sind hierfür z.B. das Einführen von Lehrevaluationen und die Schulung der studentischen TutorInnen.

Eine Möglichkeit, die Studierenden aktiv in das Geschehen einzubeziehen, ist das Aufteilen der gesamten Gruppe in Untergruppen, die dann gemeinsam Aufgaben bearbeiten. Dabei lernen die Studierenden nicht nur, die Aufgaben selbst zu lösen, sondern auch in Teams zu arbeiten – und sie entwickeln Frustrationstoleranz, denn oftmals gelingt es nicht, die Aufgaben auf Anhieb zu lösen.

Wichtig für das Gelingen der Tutorübung ist, dass sie auf die Vorlesung und Zentralübung abgestimmt ist. Tutorien sollen nicht dazu verwendet werden, um wie in der Zentralübung Aufgaben frontal vor- und durchzurechnen. Eine sinnvolle Verzahnung von Vorlesung, Zentralübung und Tutorium ist herausfordernd, lohnt sich aber! Die Tutorübung stellt damit einen wichtigen Schritt zum erfolgreichen Bestehen der Prüfung dar.

Tipps für Dozierende und Übungsleitungen:
  • Legen Sie als Übungsleiter zu Beginn des Semesters Spielregeln mit Ihren TutorInnen fest, z.B.: Wer eine Frage hat, stellt sie zuerst den anderen TutorInnen und erst wenn sie unbeantwortet bleibt dem Übungsleiter.
  • Richten Sie ein wöchentliches Treffen, eine Sprechstunde oder ein Forum ein, in dem die TutorInnen offene Fragen an Sie oder erfahrene TutorInnen richten und sie mit Ihnen besprechen können.
  • Sie können jedem Studierenden ein festes Tutorium zuweisen oder den Studierenden die freie Wahl lassen, in welches Tutorium sie gehen wollen.
Tipps für Tutorinnen und Tutoren:
  • Stellen Sie Material wie Übungsblätter und Musterlösungen elektronisch zur Verfügung.
  • Kommunizieren Sie zu Beginn der Tutorübung klar: Was wird im Tutorium behandelt, was nicht. Was kommt auf die TeilnehmerInnen zu. Warum müssen sie selber rechnen? Dieses Metawissen erhöht die Bereitschaft der Studierenden mitzumachen.

Das Lehrformat Praktikum ist sehr vielgestaltig: das Spektrum reicht vom angeleiteten Laborpraktikum bis zum weitgehend selbstständig durchgeführten Wirtschaftspraktikum. Alle Varianten haben gemeinsam, dass die Studierenden Gelegenheit haben, praktische Fertigkeiten zu erlernen und zu trainieren.

Da die Bandbreite von Praktika sehr groß ist, ist es schwer zu bestimmen, wie das perfekte Praktikum aussehen soll. So variiert nicht nur der Grad, wie selbstständig Studierende Aufgaben bewältigen können, sondern auch wo das Praktikum stattfindet, ob intern (innerhalb der Universität) oder extern (bei einer Organisation). Darüber hinaus haben die Studierenden die Möglichkeit, nicht nur im Inland ein Praktikum zu absolvieren, sondern auch im Ausland. Wichtig ist jedoch immer, dass die Studierenden durch ein Praktikum einen besseren Einblick in den Berufsalltag erhalten, die theoretisch angeeigneten Kenntnisse im praktischen Feld ausprobieren können und dadurch die Befähigung für den später auszuübenden Beruf erhöht wird.

Tipps:
  • Je selbstständiger die Studierenden im Praktikum agieren sollen, desto wichtiger sind klare Rahmenbedingungen und Hinweise, was Sie von Ihren Studierenden erwarten (welche Vorbereitung, welches Vorwissen, welche Tätigkeiten, welches Maß von Selbstständigkeit, welche Dokumentation).
  • Je selbstständiger die Studierenden im Praktikum agieren sollen, desto wichtiger ist es auch, für Fragen zur Verfügung zu stehen und den Studierenden in kritischen Situationen konstruktives Feedback zu geben, damit sie mit Hilfe dieser Informationen wieder selbstständig weiterarbeiten können.
  • Überlegen Sie, ob Sie Ihre Studierenden ein Projekttagebuch, einen Praktikumsbericht oder ein Portfolio schreiben lassen und ob sie diese Dokumentation in die Benotung aufnehmen wollen. Dadurch reflektieren die Studierenden noch einmal explizit über das Gelernte, was zu einer Festigung des Wissens führt. Und Ihnen gibt es einen vertieften Einblick in den Erkenntnisgewinn Ihrer Studierenden.
  • Bei Industriepraktika ist es ratsam, sich von Seiten des Industriepartners einen Ansprechpartner nennen zu lassen und sich mindestens einmal mit ihm zu treffen. Dadurch knüpfen Sie nicht nur neue Kontakte, die für Sie und Ihre Studierenden wichtig sein können, sondern Sie können auch die Erwartungen beider Seiten klären und bei Abweichungen Kompromisse finden.

E-Learning kann in der Hochschullehre auf ganz unterschiedliche Weise eingesetzt werden – je nach Rahmenbedingungen, Zielgruppe, Ihren persönlichen Vorstellungen und Ihrem Lehrstil. Dabei bieten die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten der Erstellung, Bereitstellung und Nutzung digitaler Medien ein großes Potenzial, Ihre Lehre zu bereichern sowie Ihre Studierenden zu aktivieren und eigenständig web­basierte Wissens­ressour­cen erschließen zu lassen. Mit webbasierten Kommuni­ka­tions- und Kooperations­medien eröffnen sich zudem neue Formen der Zusammen­arbeit.

Als E-Learning-Elemente werden allgemein digitale Medien und webbasierte Kommunikations- und Kooperationsmedien bezeichnet. Hierzu zählen z.B. digitale Skripten, E-Tests, E-Mails, Foren, Wikis. Werden diese didaktisch sinnvoll kombiniert, können Sie Lehr- und Lernprozesse damit sehr gut begleiten und unterstützen.

Der Einsatz von E-Learning-Elementen birgt unter anderem deshalb ein so großes Potenzial, weil online bereitgestellte Lernressourcen multimedial aufbereitet und zeit- bzw. ortsunabhängig abgerufen werden können. Somit ist es möglich, individuelle Lernvoraussetzungen und Lernpräferenzen von Studierenden stärker zu berücksichtigen als beispielsweise im Hörsaal. Außerdem bietet sich Studierenden, die an einzelnen Präsenzkursen nicht teilnehmen können, die Chance, sich dennoch das entsprechende Wissen anzueignen. Ein weiterer Mehrwert des gezielten Einsatzes von E-Learning-Elementen liegt darin, dass die Medienkompetenz Ihrer Studierenden erweitert wird.

Gängige E-Learning-Elemente:
  • Eine Präsenzveranstaltung kann durch digitale Medien wie z.B. Präsentationsfolien, Animationen, Simulationen oder Videos angereichert werden, um bestimmte Sachverhalte zu veranschaulichen.
  • Mit einer TED-Abstimmung können die Studierenden direkt in der Lehrveranstaltung aktiviert und motiviert werden, indem z.B. gezielt Fragen zum zuvor vermittelten Lehrstoff gestellt und die Ergebnisse visualisiert und besprochen werden.
  • Über Videokonferenzen können ExpertInnen live in eine Lehrveranstaltung eingebunden werden. Auch mündliche Prüfungen können so durchgeführt werden.
  • Online verfügbare Skripten, Folien, Weblinks etc. eignen sich dazu, dass Wissen nach individuellen Bedürfnissen angeeignet, vertieft und wiederholt werden kann.
  • Mit E-Tests kann bestehendes oder neu erworbenes Wissen überprüft werden, z.B. vor einer Lehrveranstaltung oder auch zur Prüfungsvorbereitung.
  • Foren können z.B. zur Diskussion von Sachverhalten und zur Beantwortung von Fragen rund um die Lehrveranstaltung eingesetzt werden. Informationen zur Lehrveranstaltung können über ein Nachrichtenforum bekannt gegeben werden.
  • Wikis eignen sich gut zur Projektplanung oder zur Erstellung und Dokumentation gemeinsamer Arbeitsergebnisse.
  • E-Mails sind hilfreich bei individuellen Betreuung von Studierenden.
  • Mit Mailinglisten können z.B. kurzfristige Informationen zu einer Veranstaltung an alle teilnehmenden Studierenden übermittelt werden.
  • Chats sind z.B. gut für Online-Sprechstunden geeignet, wenn Studierende nicht persönlich zur Sprechstunde erscheinen können oder Dozierende beruflich bedingt nicht vor Ort sind.
  • Vorlesungsaufzeichnungen sind sinnvoll, wenn Studierenden auch nach der Veranstaltung die Möglichkeit zur Wiederholung geboten werden soll. Dabei fördert z.B. die gezielte Verknüpfung der Aufzeichnungssequenzen mit Frage- und Aufgabenstellungen die aktive Auseinandersetzung mit den vermittelten Inhalten.
  • Virtuelle Klassenzimmer können gut eingesetzt werden, wenn Dozierende und Studierende räumlich verteilt zeitgleich zusammenarbeiten, wie z.B. bei Kooperationsprojekten mit anderen Hochschulen.
  • Auf Lernplattformen können Materialien bereitgestellt und gleichzeitig Möglichkeiten zum Austausch und zur Zusammenarbeit geboten werden, sodass sie sich gut eignen, Präsenzveranstaltungen zu unterstützen und zu begleiten.
Tipps:
  • Überlegen Sie, welche E-Learning-Elemente für Ihre Lehrveranstaltung didaktisch begründet einsetzbar wären und welche technischen Voraussetzungen (Software, Hardware, Infrastruktur) erforderlich sind. Machen Sie sich damit vertraut und entscheiden Sie erst dann, was Sie tatsächlich nutzen möchten. Überlegen Sie auch, welche Kompetenzen Sie und Ihre Studierenden hierfür benötigen.
  • Lassen Sie sich von den MitarbeiterInnen des Medienzentrums beraten – diese können Ihnen Vor- und Nachteile der verschiedenen eLearning-Elemente erläutern, Sie auf passende E-Learning-Elemente aufmerksam machen und den Realisierungsaufwand für Sie abschätzen.
  • Führen Sie die Studierenden schrittweise an das Lehrformat heran, damit Sie sich daran gewöhnen können und es akzeptieren. Demonstrieren Sie gegebenenfalls die Tools, die Sie einsetzen möchten, um Hemmschwellen abzubauen und Fragen vorab zu klären.
  • Bieten Sie Ihren Studierenden mehrere Alternativen zur Zusammenarbeit und Kommunikation, damit diese selbst entscheiden können, wie sie untereinander und/oder mit Ihnen in Kontakt treten und sich austauschen können. Sie können z.B. neben Ihrer Sprechstunde ein Forum für häufig auftretenden Fragen zu Lehrinhalten und zur Veranstaltungsorganisation auf der TUM-Lernplattform Moodle anbieten, E-Mails zum individuellen Austausch nutzen, ein Wiki zum gemeinsamen Erstellen von Referaten bzw. Arbeitsergebnissen einsetzen etc.
  • Klären Sie vorab, wie und wann Sie Fragen der Studierenden beantworten.
  • Überlegen Sie, welche Betreuungsaufgaben während des Einsatzes der E-Learning-Elemente anfallen und wer sie übernimmt.

In der klassischen akademischen Lehre geht es meist darum, Inhalte auf eine Art zu vermitteln, die den Lernenden ermöglicht, im geschützten Lehrraum neues Wissen zu generieren oder bereits vorhandenes Wissen zu vertiefen. Die tatsächliche reale Anwendung in einer komplexen Realität bleibt oft den Praktika oder im Extremfall sogar erst der späteren beruflichen Tätigkeit überlassen. Dabei können erfahrungsorientierte Elemente auch schon in der Lehre eingesetzt werden – und erheblich die Motivation und das Begreifen steigern.

Gerade im Rahmen der durch den Bologna-Prozess geforderten Kompetenzorientierung sollen erfahrungsorientierte Elemente (z.B. forschendes oder problemorientiertes Lernen) in der gesamten Lehre und in allen Lehrformaten zu besseren Lernergebnissen und sogenanntem “tiefen” Lernen der Studierenden beitragen. Was ist aber eigentlich gemeint mit “Erfahrungsorientierung”? Wir verstehen darunter vor allem Lehrmethoden, die es den Studierenden ermöglichen, Wissen innerhalb einer realitätsnahen, unmittelbaren und relevanten Lernumgebung zu gewinnen und anzuwenden. Es geht also darum, dem inhaltlichen Gegenstand so direkt wie nur möglich zu begegnen, statt sich ausschließlich gedanklich damit auseinanderzusetzen. Zu den verschiedenen Lehr- und Lernformaten gehören beispielsweise Entdeckendes Lernen, Problemorientiertes Lernen oder Forschendes Lernen. Hier können spannende Bezüge zur eigenen Forschung hergestellt werden, denn Sie können Themenbereiche oder Fragestellungen wählen, die für Ihr eigenes Forschen relevant sind. So kann die Lehre Impulse für Ihre Forschung geben, und Ihre Studierenden erwerben über Fachkenntnisse hinaus erweiterte Sozial- und Selbstkompetenz in realitätsnahen Situationen.

Tipps:
  • Besonders bei erfahrungsorientierten Methoden ist eine Veränderung der Rolle des Lehrenden hin zum Lernbegleiter/-partner notwendig. Dieser Rollenwechsel muss den Studierenden klar kommuniziert werden. Die Aufgaben des Dozenten bestehen dann vor allem darin, einen zielführenden Ablauf zu begleiten und die Ergebnisse durch Visualisierung zusammenzufassen und zu sichern.
  • Die Auseinandersetzung mit praktisch relevanten Aufgabenstellungen macht die Bedeutung theoretischer Erkenntnisse erfahrbar und kann zu neuen und vertiefenden Fragen führen. Wichtig ist also, für das Fach typische Problemstellungen zu finden, die geeignet sind, die gewünschten Inhalte und Betrachtungsweisen anzuregen.