Leitbild und Lehrverfassung

Die TUM Lehrverfassung dokumentiert das Selbstbild der Universität als Lehrinstitution. Sie beschreibt hochschulweite Grundsätze für die Lehre und dient als Grundlage für die Formulierung konkreter Ziele zur Weiterentwicklung der Lehre. Sie wird ergänzt durch das Leitbild Gutes Lehren und Lernen, in dem sich das Selbstverständnis einer positiven Lern- und Lehrkultur ausdrückt.

Lehrverfassung der Technischen Universität München

Die Technische Universität München (TUM) hat sich der Verknüpfung von exzellenter Forschung und Lehre verpflichtet: Lehre am Puls der Wissenschaft.

Ausweislich der exzellenten Reputation unserer Absolventinnen und Absolventen gelingt es uns, eine berufsbefähigende Ausbildung mit Spitzenforschung in Einklang zu bringen. So listet uns das aktuelle „Global University Employability Ranking“ des britischen Magazins „Times Higher Education“ (THE) auf Platz 6 weltweit – eingerahmt von Stanford und Princeton. Im „Academic Ranking of World Universities“ (ARWU, Shanghai-Ranking) gehören wir seit Jahren zum deutschen Spitzentrio.

Mit der vorliegenden TUM Lehrverfassung folgen wir der Empfehlung des Wissenschaftsrats (2017), indem wir unser Selbstverständnis als Lehrinstitution dokumentieren. Dabei knüpfen wir an unser Leitbild Lehre von 2011 an und präzisieren es über fächerübergreifende didaktische Leitlinien und Grundsätze. Diese haben wir aus aktuellen wissenschaftlichen, technologischen, gesellschaftlichen und didaktischen Entwicklungen und Erkenntnissen gewonnen. Wir beziehen insbesondere neue Optionen und Herausforderungen ein, die sich sowohl hinsichtlich Lehrinhalt als auch Lehrformat aus der Digitalisierung ergeben und die das Spektrum der heutigen Lehre mit ihren vielfältigen Lehrformen ergänzen.

Das vorliegende Dokument ist Grundlage für konkrete und verbindliche Ziele für die Weiterentwicklung unserer Lehre. Diese werden mit den Fakultäten und den Integrative Research Centers festgelegt. Die TUM AGENDA 2030 hat sich auf den massiven Ausbau der Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften verpflichtet, um den künftigen Absolventinnen und Absolventen während des Studiums den gesellschaftlichen Horizont ihrer Disziplin zu eröffnen. Ein „Human-Centric Engineering and Future Design“ löst die klassischen, auf das Fach beschränkten Ausbildungsinhalte und -strukturen zugunsten eines interdisziplinären Bildungsanspruchs ab (Scientiis et Artibus). So sind wir für die Zukunft gerüstet.

München, 10. Dezember 2018

Wolfgang A. Herrmann
Präsident

Leitbild „Gutes Lehren und Lernen“

Was ist gute Lehre? So einfach die Frage klingt, so schwierig ist sie zu beantworten. In einem kollaborativen Prozess haben Studierende, wissenschaftliche Mitarbeitende, Hochschuldidaktiker und Professorinnen und Professoren zehn Leitlinien entwickelt, die das Bekenntnis der TUM zu einer positiven Lehr- und Lernkultur ausdrücken. Das Leitbild bietet Lehrenden und Studierenden Orientierung, gibt ihrem Handeln einen Rahmen und steht für den Anspruch, die Qualität von Studium und Lehre an der TUM stetig weiter zu verbessern.

Präambel

Die Technische Universität München (TUM) bildet ihre Studierenden wissenschaftlich aus. Die akademische Lehre orientiert sich deshalb an den Grundlagen und Fortschritten der Forschung. Die TUM vermittelt tiefgehendes Wissen in den Disziplinen und über die Fachgrenzen hinweg. Ihre Absolventinnen und Absolventen will sie für die internationalen Berufsmärkte stärken. In der zweistufigen Studienorganisation dient das Bachelorstudium der breiten Fundierung, das Masterstudium der Vertiefung.

Gemeinsame Verantwortung

Lehrende und Studierende übernehmen gemeinsam Verantwortung für das Gelingen des Lehrens und Lernens. Lehrende behandeln die Studierenden als Partner und ermöglichen ihnen, Verantwortung zu übernehmen. Studierende tragen Mitverantwortung für ihr Studium, u.a. durch Mitarbeit in Lehrveranstaltungen, deren Nacharbeit sowie konstruktives Feedback.

Individualität

Lehre ist am wirksamsten, wenn sie auf einer authentischen und lebendigen Beziehung zwischen den Lehrenden und Studierenden aufbaut. Da sowohl die Lehrenden (durch unterschiedliche Persönlichkeiten und Lehrstile) als auch die Studierenden (durch unterschiedliches Vorwissen und verschiedene Lernstile) heterogene Gruppen sind, kann Lehre nicht in Checklisten gepresst werden. Sie muss vielmehr als Prozess gesehen werden, in dem die Vielfalt aller Beteiligten wertgeschätzt und genutzt wird.

Gender & Diversity

Wissenschaft und Innovation in einer offenen Gesellschaft basieren auf Freiheit, Demokratie, Menschenrechten und Transparenz. In diesem Sinne bedeutet Diversity (Diversität) gegenseitigen Respekt, Partizipation und Inklusion aller Menschen in die wissenschaftliche Gemeinschaft unabhängig von Geschlecht, Nationalität, Religion und Weltanschauung, Behinderung, Alter sowie sexueller Identität. Nur so können das Potenzial und die spezifischen Talente und Fähigkeiten jedes Mitglieds der Gesellschaft zur vollen Entfaltung gelangen. Aufgrund ihrer Eigenschaft als Technische Universität erachtet die TUM Gender-Fragen als besonders wichtig quer durch alle Diversity-Bereiche.

Wissenschaftlichkeit

Die TUM orientiert die Lehre an der Forschung. Alle Lehrenden sind zugleich auch Forschende und lassen ihre Erkenntnisse in die Lehre einfließen.
Die Prinzipien wissenschaftlichen Arbeitens werden in der Lehre erfahrbar. Dazu gehören: Streben nach Erkenntnisgewinn, Risikobereitschaft und Umgang mit Unsicherheit, kritisches Hinterfragen, tiefes Durchdringen eines Themas, adäquate Berücksichtigung des geistigen Eigentums anderer.

Kompetenz- & Zielorientierung

Lehren und Lernen orientieren sich an dem angestrebten Kompetenzprofil der Absolventen. Dieses umfasst fachliche ebenso wie überfachliche Kompetenzen. Durch die Gestaltung von Lehren, Lernen und Prüfen wird sichergestellt, dass die Studierenden diese Kompetenzen schrittweise erwerben können. Um die intrinsische Motivation der Studierenden als wichtigste Triebkraft des Lernens zu stärken, muss jede Komponente der Lehre einen erkennbaren Bezug zum Ziel des Studiengangs haben.

Aktivierende Lehre, aktives Lernen

Lehrende geben Studierenden Raum, mitzudenken und mitzuarbeiten und zwar innerhalb und außerhalb von Lehrveranstaltungen.

Rahmenbedingungen

Die TUM ermöglicht gutes Lehren und Lernen, indem sie eine lernfördernde Infrastruktur bereitstellt, die Mitgestaltung durch Lehrende und Studierende unterstützt sowie Anerkennungs- und Anreizsysteme für die Lehre einsetzt.

Innovation

Die TUM gibt Lehrenden und Studierenden vielfältige Möglichkeiten, Ideen zur Verbesserung und Weiterentwicklung der Lehre zu entwickeln und zu verwirklichen. Dieses zeigt sich u.a. in der vertrauensvollen Zusammenarbeit von Studierenden, Lehrenden und der Hochschulleitung bei der Verteilung der Studienbeiträge sowie bei der Vergabe von Lehrpreisen und Freisemestern für die Lehre.

Internationalität

Die Lehre an der TUM ist für alle internationalen Studierenden attraktiv. Die TUM unterstützt Studienaufenthalte an leistungsfähigen Universitäten im Ausland. Mit ihrer guten globalen Vernetzung und ihren zahlreichen Gästen und Studierenden aus dem Ausland bietet die TUM ein international geprägtes Studium.

Qualitätsorientierung

Gute Lehre muss sich an die sich stetig verändernden Konstellationen von Lehrpersonen, Studierenden, Forschungsergebnissen und Anforderungen anpassen. Dazu wird eine Feedback-, Evaluations- und Diskussionskultur zwischen allen an der Lehre mittelbar und unmittelbar beteiligten Personen etabliert – von den Studiengangskoordinatoren über die Lehrenden und Lernenden bis hin zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Service-Einrichtungen.