Was sagen die Schülerinnen?
Wie erleben Schülerinnen unsere MINT-Projekttage – und was nehmen sie daraus mit? Wir haben mit Teilnehmerinnen gesprochen, die bei den MINT-Impulsen sowie bei Workshops und Exkursionen dabei waren. In den Interviews erzählen sie von ihren Eindrücken und davon, was sie bewegt und wie sie sich ihre Zukunft vorstellen.
Korina, 17 Jahre
Absolventin der Staatlichen Realschule Trostberg
Von der Realschule zur Fachinformatik
Korina
Hallo liebe Korina, schön, dass Du Dir Zeit nimmst. Du hast Deinen Realschulabschluss geschafft – Glückwunsch! Wie fühlt sich das an?
Danke! Es fühlt sich richtig gut an. Ich habe lange gelernt, besonders ab Weihnachten, und bin sehr erleichtert. Ich war im Spanisch-Zweig und bin mit meinen Noten zufrieden.
Was für eine Ausbildung machst Du jetzt und wie kam es dazu?
Ich mache eine Ausbildung zur Fachinformatikerin für Anwendungsentwicklung bei Heidenhain. Schon seit der 7. Klasse wollte ich etwas mit Informatik machen – der Unterricht und ein App-Kurs in der 8. Klasse haben mich begeistert. Später kamen Angebote der TUM und Online-Kurse wie Python dazu.
Erinnerst Du Dich an Dein Projekt bei „MINT-Impulse an der Schule“?
Ja, das war „Verschlüsselung“ – Projekt Geheimsache. Besonders spannend fand ich die Cäsar-Chiffre. Die habe ich sogar im Praktikum bei Heidenhain wieder gesehen.
Was hast Du vom 3D-Printing-Lab mitgenommen?
Das war eine tolle Erfahrung. Wir haben ein 3D-Puzzle erstellt, und das Programm konnte ich später bei BSH wieder nutzen. Die Gruppe war auch super nett.
Wer hat Dich bei Deiner Berufsentscheidung inspiriert?
Vor allem die Praktika und Online-Kurse. Meine Eltern haben mich unterstützt, aber mir freie Hand gelassen. Ich konnte herausfinden, was mir wirklich Spaß macht.
Was würdest Du an Schule verändern, wenn Du könntest?
Ich würde die Technik verbessern – sie sollte besser funktionieren und von Lehrkräften gut genutzt werden. Auch bessere Programme wären hilfreich.
Wie hast Du Jungs in Bezug auf MINT erlebt? Und warum sind Mädchen manchmal zurückhaltender?
Wir hatten nur drei Jungs in der Klasse. Ich kenne aber viele Mädchen, die Mathe und Physik mögen. Oft orientieren sich Mädchen hier bei uns auf dem Land an den typischen Berufen ihrer Mütter. Unsere Lehrkräfte haben uns aber immer ermutigt, MINT zu wählen.
Was gefällt Dir bisher an der Ausbildung? Was ist anders als Schule?
Es ist lockerer. In der Schule hatte man oft Angst, Fehler zu machen. Jetzt kann man kreativer sein – mal sehen, wie es in der Berufsschule wird.
Welche Angebote zur Berufsorientierung waren hilfreich?
Ausbildungsmessen waren super – man konnte direkt mit Azubis sprechen. Die Praktika haben mir auch sehr geholfen. Jetzt werde ich selbst auf Messen sein!
Was denkst Du über Künstliche Intelligenz? Chancen und Risiken?
Viele nutzen KI für alles – das finde ich kritisch. Aber sie kann helfen, Zeit zu sparen bei unnötigen Aufgaben. Wichtig ist, sie sinnvoll zu nutzen.
Hast Du schon Pläne nach der Ausbildung?
Ja! Nach drei Jahren Ausbildung möchte ich zwei Jahre BOS machen und dann Informatik an der TUM studieren.
Wow – das freut uns sehr :-)!
Was würdest Du Gleichaltrigen raten für gute Zukunftsentscheidungen?
Praktika und Online-Kurse helfen. Wenn man merkt, dass etwas langweilt, ist es wohl nicht das Richtige. Mein Bruder hat fünf Praktika gemacht, bis er seinen Beruf gefunden hat.
Dein Wunsch für Deine (berufliche) Zukunft?
Ich hoffe auf eine gute Ausbildung und später auch ein Studium, das ich gut hinbekomme. Dass ich meine Liebe zum Programmieren und zur Informatik nicht verliere. Dass sich alles so entwickelt, wie ich es mir erhoffe und ich auch in Zukunft viel Freude am Fach der Informatik haben werde.
Das wünschen wir Dir auch – alles Gute für Dich und vielen Dank für das Gespräch!
(Das Gespräch führte Claudia Sohnius von ExploreTUM per Zoom mit Korina am 09. September 2025)
Emma, 19 Jahre
Studiert an der TUM Mathe & Chemie (Lehramt), zuvor Abitur am Gymnasium Dorfen
Emma
Hallo liebe Emma, schön, dass Du Dir heute Zeit nimmst! Du warst am Gymnasium Dorfen und studierst jetzt an der TUM. Wie hat Dich unsere Referentin Anna Maria (Billardhypothese) an der Uni entdeckt?
Wir waren in einer Analysis-Vorlesung, da hat sie mich wiedererkannt. Ich war damals am Projekttag bei uns an der Schule in Eurem Ellipsenprojekt (Billardhypothese) und hatte eine Idee, wie man die komplizierte Formel vereinfachen kann.
Dann hast Du unseren Kurs also nachhaltig beeinflusst?
Ja, meine Lösung wird seitdem im Schulprojekt verwendet, weil sie kürzer und einfacher ist.
Und was studierst Du jetzt genau?
Ich bin im dritten Semester Mathe und Chemie auf Lehramt Gymnasium. Die Kombi geht nur in Regensburg oder München. Ich war vorher beim Mathe-Stipendium für Schülerinnen an der TUM, das mir ein Lehrer empfohlen hatte. Das hat mir gleich gefallen, auch wenn es in den Pfingstferien war, mitten in den Abiprüfungen.
Wie gefällt Dir das Studium?
In Mathe steigt man tiefer ein, versteht das „Warum“, z.B. bei der Mitternachtsformel. Es geht um Beweise, nicht nur um Rechnen nach Rezept. Ich finde das spannend. Nur Mathe wäre auch denkbar gewesen, aber mir ist der Kontakt zu Menschen wichtig.
Warst Du schon immer ein „Mathe-Brain“?
Ja, ich mochte Mathe immer. Meine Eltern haben einen naturwissenschaftlichen Hintergrund.
Haben sie Deine Studienwahl beeinflusst?
Nicht direkt. Wir haben eine Firma im Bauingenieurswesen, das wäre ein Weg gewesen, aber nicht meiner. Meine Eltern haben mich aber nicht beeinflusst in meiner Studienwahl.
Wie war Dein Umfeld in der Schule?
Ich war oft der „Erklär-Bär“ vor Klausuren. Das hat mir Spaß gemacht und ich habe gemerkt, dass die anderen es dann wirklich können. Und dass ich das später machen möchte.
Du kannst Dich offenbar gut in Menschen mit Mathe-Angst hineinversetzen?
Ja, ich gebe seit Jahren Mathe-Nachhilfe in verschiedenen Schulen und Jahrgängen.
Du warst vor 3 Jahren beim Projekt zur Billardhypothese. Was erinnerst Du noch?
Die Formel natürlich. Aber auch, dass wir den Hintergrund angeschaut haben – nicht nur stupides Rechnen. Auch die, die Mathe nicht mochten, fanden es am Ende richtig cool und haben es verstanden.
Ist Dir der Tag in Erinnerung geblieben?
Vielleicht nicht die direkte Herleitung der Formel. Aber diese Freude an Mathe. Wir sind danach in den Unterricht gegangen und da war schon diese Erwartungshaltung, dass Mathe auch cool sein kann. Die ist uns dann aber nicht so lange geblieben, da wir schnell wieder Unterricht hatten wie gewohnt.
Wie war es, den Tag ohne Jungs zu verbringen?
Das kannten wir schon aus Physik-Übungen, da waren wir auch getrennt.
Können Jungs MINT besser oder sind das Stereotype?
Viele Jungs glauben, sie seien besser in MINT, aber das stimmt nicht immer. Ich kenne viele, die in Sprachen besser sind. Aber weil sie Jungs sind, denken sie z.B., sie müssten Maschinenwesen studieren, obwohl sie nicht mal gut in Physik sind.
Du warst auch mit uns auf der Zugspitze. Erzähl mal.
Das war in den Herbstferien, mitten in der Klausurphase. Eigentlich hatte ich gar keine Zeit, aber dann bin ich doch mitgefahren. Ich war die Älteste, aber es war cool.
An was erinnerst Du Dich noch?
Die Arbeit im Tunnel (Permafrost) – das fühlte sich wichtig an, wie echte Forschung. Auch die Theorie davor war nötig. Abends gab’s Spieleabende, das war auch richtig schön.
Wenn Du unbegrenztes Budget hättest – was würdest Du am Schulsystem ändern?
Ich würde Unterricht mehr auf kompetenzbasiertem Lernen ausrichten, auch fächerübergreifende Verbindungen einbauen. Und mehr Projekte. Und diesem KI-Thema etwas entgegensteuern. Damit man eben nicht sagt „Ich mache alles mit ChatGPT“.
Was würdest Du Schülerinnen der 10. Klassen für ihre Zukunftsplanung raten?
Auf die eigenen Stärken schauen und überlegen, was man vertiefen will und womit man in der Gesellschaft etwas gestalten kann. Nicht einfach irgendwas studieren, nur um beschäftigt zu sein.
Wie kann man die eigenen Stärken entdecken?
Durch Praktika – auch, um Dinge auszuschließen. Ich war z.B. in einer Apotheke und habe mich gefragt, ob mir die Aufgabe der Kundenberatung gefällt. Aber dann habe ich gemerkt, dass das nichts für mich ist.
Hast Du mitbekommen, wie Deine Mitschülerinnen ihre Entscheidungen getroffen haben?
Einige durch Praktika, andere aber auch nach dem Motto „mal schauen“.
Könntest Du Dir vorstellen, als Referentin bei den MINT-Impulsen mitzumachen?
Ja, das kann ich mir gut vorstellen!
Dein Wunsch für die Zukunft nach der TUM?
Dass sich das Schulsystem verändert – weg vom Frontalunterricht. Und mehr Offenheit bei Schülern und Lehrkräften für positive Veränderung.
Vielen Dank für das schöne Gespräch und alles Gute für Dich!
Das Gespräch mit Emma führten Claudia Sohnius & Natalie Friedmann am 27.10.25 am TUM Campus Garching.
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