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Familienunternehmen im Fokus beim TUM Talk in Heilbronn„Die Tradition neu definieren“

Nachfolge und Nachhaltigkeit, Bewahrung und Aufbruch: Familienunternehmen stehen vor zahlreichen Aufgaben, um sich fit für die nächste Generation zu machen. Beim TUM Talk der Technischen Universität München am Bildungscampus Heilbronn diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft das Potenzial und die Herausforderung für familiengeführte Firmen.

Die eigene Geschichte reicht weit zurück – doch der Blick geht nach vorne: Diesen Spagat müssen Familienunternehmen meistern, die ihren Betrieb nachhaltig aufstellen wollen. „Uns ist klar, dass wir die Tradition neu definieren müssen, wenn wir sie in Zukunft erhalten wollen“, sagt Sarna Röser. Sie ist designierte Unternehmensnachfolgerin der vierten Generation des Rohr-Spezialisten Karl Röser & Sohn aus Mundelsheim. Zugleich ist sie Bundesvorsitzende des Verbands „Die jungen Unternehmer“. Und sie stimmte die Zuschauer vor Ort und im Livestream am Mittwochabend auf einen lebendigen Austausch von Wirtschaft und Wissenschaft ein.

Wer sich ausruht, verliert die Zukunft

Das hohe Interesse an der Gesprächsrunde kam dabei nicht von ungefähr: In der Region Heilbronn-Franken sind zahlreiche familiengeführte Unternehmen zuhause, die den zunehmenden Druck spüren. Sie führen ihren Betrieb heute durch die digitale Transformation und nehmen immer stärker die Nachhaltigkeit in den Blick. Parallel müssen sie eine Übergabe an die nächste Generation vorbereiten. „Wer sich auf dem Erfindertum seiner Vorgänger ausruht, der hat die Zukunft verloren“, warnte Gastgeber Prof. Thomas F. Hofmann, Präsident der TUM.

Mit dem Global Center for Family Enterprise (GCFE) unter der Leitung von Professor Miriam Bird hat die TUM am Standort Heilbronn einen interdisziplinären Forschungsschwerpunkt aufgebaut. An der Schnittstelle von Wirtschaft, Recht, Psychologie und Soziologie wird hier an wissenschaftlichen Antworten auf Fragen der unternehmerischen Praxis gearbeitet. Gefordert sind dabei die Kernkompetenzen, die Familienunternehmern gerne zugeschrieben werden: Kreativität, Eigeninitiative und eine hohe Innovationsfähigkeit.

Dies stellten die Gäste des TUM Talks eindrucksvoll unter Beweis. Kirsten Hirschmann, geschäftsführende Gesellschafterin von Hirschmann Laborgeräte, verwies auf ein mit Solarkraft betriebenes Gerät aus ihrem Hause – das bereits 2000 auf den Markt kam. Ökonomie und Ökologie ließen sich in dem Pionier-Produkt verbinden: „Es hat einen hohen Nachhaltigkeitsaspekt, vor allem aber einen hohen Kundennutzen“, sagte Hirschmann.

Neue Ideen und Arbeitsweisen für Traditionsbetriebe

Das Innovations-Instrumentarium hat sich dabei stark erweitert. Statt der Tüftelei im Verborgenen stehen immer häufiger Kooperationen im Fokus. Auch der Austausch mit Start-ups kann helfen, neue Ideen und neue Arbeitsweisen in einen Traditionsbetrieb zu bringen: „Man kann so die Begeisterungsfähigkeit von jungen Firmen in die Familienunternehmen hereintragen“, sagte Rechtsanwalt Wolf Michael Nietzer, der viele Unternehmer berät. Angesichts begrenzter Ressourcen müssen Gesellschafter und Geschäftsführer jedoch darauf achten, sich nicht zu stark zu verzetteln. „Ich bin nicht dafür, komplett ‚out of the box‘ zu denken“, betonte Uwe Wagner, Vorstand für Forschung und Entwicklung beim Zulieferer Schaeffler, „sondern eher dafür, die eigene Box immer etwas größer zu machen.“

Anstrengen statt Ausruhen steht daher für die meisten Familienunternehmer auf der Agenda. Das Engagement ist nicht nur wichtig, um die Firma wirtschaftlich auf Kurs zu halten. Sondern auch, um potenzielle Nachfolger und dringend gesuchten Fachkräfte für die Traditionsunternehmen zu begeistern. Das kostet Kraft und Zeit. „Unternehmer müssen immer früher an die Übergabe denken“, sagte Professor Helmut Krcmar, der durch die Diskussionsrunde führte, „um einen Nachfolger zu finden und die Organisation auf den Wandel vorzubereiten.“ Diese Aufgaben werden tatsächlich in vielen Firmen mit Elan angegangen, bestätigte auch Sarna Röser: „Unser Familienunternehmen ist unser Zuhause, und für ein Zuhause lohnt es sich zu kämpfen.“

Das Netzwerkformat auf dem Bildungscampus Heilbronn zeigte: Im Miteinander von Praxis und Forschung lassen sich neue Strategien für die heutigen Herausforderungen herausarbeiten. Dieser Austausch ist auch für den nächsten TUM Talk geplant. Der findet am Donnerstag, 28. April 2022, statt.

Mehr Informationen:

TUM Talk Heilbronn

Technische Universität München

Corporate Communications Center Kerstin Besemer / Ulrich Meyer

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Kerstin Besemer
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