Präsident Emeritus Wolfgang A. Herrmann

Zu einer modernen, weltoffenen und international hochgeachteten Universität hat Wolfgang A. Herrmann die TUM als ihr Präsident von 1995–2019 geformt. Er verfolgte eine stringente Reform- und Erneuerungs­politik, die geleitet war von einer Grundmaxime: die Gewohnheiten des Denkens überwinden. Als progressive Veränderungs­bereitschaft lebt dieser Leitgedanke heute in der gesamten Universitäts­gemeinschaft. Er steht für eine unter­nehmerische Universität, die sich dem Innovationsfortschritt verpflichtet fühlt auf Wissensgebieten, die das Leben und Zusammenleben der Menschen nachhaltig zu verbessern versprechen.

Erfolgsmodell „Entrepreneurial University“

Neue Autonomie und Handlungsspielräume verschaffte Wolfgang A. Herrmann der TUM mit tiefgreifenden Reformen der Universitäts-Governance, die durch eine Experimentierklausel im neuen Bayerischen Hochschulgesetz von 1998 ermöglicht wurden, und die sich als richtungsweisend für die Academia in der ganzen Bundesrepublik erwiesen haben. Heute zählt die TUM zu den forschungsstärksten Universitäten Europas und hat sich seit 2006 durchgehend als Exzellenzuniversität qualifiziert.

In seiner gesamten 24-jährigen Amtszeit legte Wolfgang A. Herrmann die Berufung neuer Professorinnen und Professoren in die Hand des Präsidenten, um mit wissenschaftlichen Spitzentalenten gezielt das Profil der Universität zu schärfen. Er führte nahezu 500 Berufungen durch. Durch konsequente Internationalisierung verband er die TUM mit der Welt und machte sie für Studierende und Forschende aus dem Ausland immer attraktiver. Meilensteine waren die Gründung des TUM Institute for Advanced Study, eines eigenen Campus in Singapur in der privatwirtschaftlichen Rechtsform der TUM Asia Pte. Ltd. als Tochterunternehmen der TUM, sowie des TUM Campus Straubing, des TUM Campus Heilbronn und der TUM International GmbH.

Als erste deutsche Universität führte die TUM ein echtes Tenure-Track-Berufungssystem nach internationalem Vorbild ein. Sie ging neue Wege in der Ausbildung von Promovierenden und der Postdoc-Förderung. Mit der Stärkung der Sozialwissenschaften (Munich Center for Technology in Society, 2012) und der in die TUM integrierten Hochschule für Politik München (2014) gelang ihr schließlich der gesellschaftliche Rückbezug in den Natur- und Technikwissenschaften, als Grundlage des im Zukunftskonzept zur Exzellenzstrategie 2019 formulierten „Human-Centered Engineering“ und „Future Design“.

Während seiner Präsidentschaft wurden die TUM-Standorte Singapur, Straubing, Heilbronn, Raitenhaslach und Berchtesgarden eröffnet, sowie mehr als 2,5 Milliarden Euro in Neubauten an den Standorten Garching und Freising-Weihenstephan investiert. In Burghausen entstand aus der ehemaligen Zisterzienser-Abtei das TUM Akademiezentrum Raitenhaslach.

Engagement als Präsident Emeritus

Als Präsident Emeritus nutzt Wolfgang A. Herrmann sein nationales und internationales Netzwerk für die TUM. Als Vorstandsmitglied der gemeinnützigen TUM Universitätsstiftung, die er 2010 gegründet hatte, wirkt er in der Talentförderung und bei der Gewinnung von TUM Partners of Excellence im Fundraising der Universität mit. Als Non-Executive Chairman engagiert er sich für die Entwicklung der TUM Asia Pte. Ltd. in Singapur (gegr. 2001). Als Deputy Chairman des Board of Directors der Skolkovo Foundation (Moskau) stellt er seine Erfahrungen in den Dienst der deutsch-russischen Wirtschafts- und Wissenschaftsbeziehungen. Seine bildungs- und hochschulpolitische Erfahrung nutzen nationale Stiftungen, die Wirtschaft und die Politik.

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Festpublikation anlässlich der Übergabe des Präsidentenamts an Thomas F. Hofmann zum 1. Oktober 2019:

Thomas F. Hofmann: „Wolfgang A. Herrmann – Die Gewohnheiten des Denkens überwinden“ (München: TUM.University Press, 2019).

Mit Beiträgen von Wegbegleitern aus Wissenschaft und Politik

  • Prof. Dr. Robert Schlögl: Digitalisierung der Katalyse (Vorwort von Prof. Dr. Richard W. Fischer)
  • Prof. Dr. Thomas F. Hofmann: Die Grenzen des Denkens überwinden!
  • Dr. Edmund Stoiber: Herrmanns Gespür für Politik
  • Dr. Otto Wiesheu: Katalysator im Münchner Ökosystem
  • Prof. Dr. Helmut Schwarz: In aller Welt sichtbar
  • Prof. Dr. Arnulf Melzer: Die hohe Kunst des Fundraisings

sowie

  • Curriculum Vitae und Impressionen
  • Interview zum Amtsantritt, aus den TUM-Mitteilungen Sommer 1995

Seit 2019
Deputy Chairman, Board of Directors, Skolkovo Foundation (Moskau)

1995–2019
Präsident der Technischen Universität München

1988 / 1993
Rufe an die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich; abgelehnt

1991
Angebot als Leiter der Konzernforschung der Hoechst AG; abgelehnt

1985
Lehrstuhl für Anorganische Chemie an der TUM (Nachfolge von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. E.O. Fischer)

1982
Lehrstuhl für Anorganische Chemie, J. W. Goethe-Universität Frankfurt am Main

1979
Extraordinarius für Chemie an der Universität Regensburg

1978
Habilitation an der Universität Regensburg („Organometall-Synthesen mit Diazoalkanen“) und venia legendi für das Fach Chemie

1975–1976
Forschungsstipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft bei Prof. P. S. Skell (Humboldt-Preisträger, Pennsylvania State University/USA)

1973
Dissertation (Dr.rer.nat.) bei Prof. Henri Brunner, Universität Regensburg („Optisch aktive Übergangsmetalle mit quadratisch-pyramidalen Molekülstrukturen“)

1970–1971
Diplomarbeit bei Prof. Ernst Otto Fischer, TUM (PH3-Komplexe von Übergangsmetall-Komplexen)

1967–1970
Chemiestudium an der TUM als Stipendiat der Bischöflichen Studienstiftung Cusanuswerk

1967
Abitur am mathem.-naturwiss. Donau-Gymnasium Kelheim

2019
Commandeur de l’Ordre national de la Légion d’honneur der Republik Frankreich

Dr. Karl Wamsler Innovation Award der Clariant AG

„Pro meritis scientiae et litterarum“ des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst

Christoph Mendel von Steinfels-Medaille, Ehrenvorsitzender der Universität Bayern e.V. 

Georg Maurer-Medaille in Gold des Klinikums rechts der Isar der TUM

2018
Goldener Ehrenring des Landkreises Altötting

Graf Maximilian Montgelas-Preis

2017
Ehrenbürgerwürde der Universitätsstadt Straubing

Denkmalschutzmedaille des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege

2016
Ehrenbürgerwürde der Stadt Burghausen

1990–2015
13 Ehrendoktorwürden in- und ausländischer Universitäten
4 Mitgliedschaften in den Wissenschaftsakademien zu Mainz, Halle (Leopoldina), München (Acatech), und Stockholm

2015
Verdienstmedaille in Gold der Universitätsstadt Garching bei München

2014
Landkreismedaille in Gold, Landkreis Berchtesgadener Land

2012
Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst

Präsident des Jahres 2012 (Deutscher Hochschulverband)

2010
Goldene Bürgermedaille der Universitätsstadt Freising

2009
Hochschulmanager des Jahres 2009 (Financial Times Deutschland, Centrum für Hochschulentwicklung)

2007
Bayerischer Verdienstorden

2005
Bayerische Verfassungsmedaille

Charles M. Knight-Lectureship (Universität Akron)

2004
ACS Award in Organometallic Chemistry (American Chemical Society)

2000
Officier de l’Ordre national de la Légion d’honneur der Republik Frankreich

1997
Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland

1995
Wilhelm Klemm-Preis der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GdCh)

1993
Glenn T. Seaburg Lecture, University of California at Berkeley/USA

1992
Rolf Sammet-Gastprofessur der Hoechst AG

1991
Max Planck-Forschungspreis

1990
Otto Bayer-Chemiepreis, Leverkusen

1987
Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft

1982
Klung Wilhelmy Wissenschaftspreis (Chemie), Berlin

1979
Chemiepreis der Göttinger Akademie der Wissenschaften

Seit 2019
Hochschulrat der Technischen Hochschule Ingolstadt

Vorsitzender des Innovationsbeirats des Freistaats Sachsen

Stiftungsrat der Stiftung zur Förderung von Bildung, Wissenschaft und Forschung des Erzbistums Köln

2017–2019
Vorsitzender der Strukturkommission „Technische Universität Nürnberg“ des Freistaats Bayern

Seit 2017
Senat der Max-Planck-Gesellschaft

Seit 2016
Kuratorium der Bertelsmann Stiftung

2015–2019
Chairman der Global Alliance of Technological Universities (GlobalTech)

2015–2019
Hochschulrat der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt

Seit 2014
Vorsitzender des Zukunftsrats der Bayerischen Wirtschaft (Vereinigung der Bayerischen
Wirtschaft e.V., vbw), gemeinsam mit Alfred Gaffal

Kuratorium der TÜV SÜD Stiftung (seit 2018 Vorsitzender)

2013–2018
Board of Trustees der American Academy in Berlin

2011–2019
Hochschulrat der Hochschule für Musik und Theater München

2010–2012
Zukunftsrat der Bayerischen Staatsregierung

Seit 2010
Vorstand TUM Universitätsstiftung (Vorsitz 2010-2019)

Deutsch-russisches Rohstoff-Forum (Lenkungsausschuss, Vorsitzender: Dr. Emund Stoiber)

Seit 2008
Geschäftsführendes Präsidium des Wirtschaftsbeirats Bayern

2008–2014
Governing Board (Verwaltungsrat) des European Institute of Innovation and Technology (EIT) der Europäischen Union

2007–2015
International Advisory Council der King Abdullah University of Science and Engineering (KAUST), Saudi Arabien

2002–2005
Vorsitzender der Bayerischen Rektorenkonferenz und Gründungsvorsitzender der Universität Bayern e.V.

1998–2014
Vorsitzender des Verwaltungsrats des Deutsches Museums München

Wolfgang A. Herrmann ist einer der meistzitierten deutschen Chemiker (ISI) mit über 800 Publikationen und ca. 80 Patenten; h-Faktor 102 (1.5.2020). Mit seiner Forschung auf dem Gebiet der Anorganischen und Metallorganischen Chemie verfolgte er das Ziel, molekular definierte effiziente Katalysatoren, vorzugsweise für industrielle Prozesse, synthesechemisch herzustellen, mechanistisch zu verstehen und technisch zu realisieren. Als methodischer Durchbruch gilt die Einführung der N-Heterocyclencarbene als hocheffiziente Steuerliganden in die Homogenkatalyse, u.a. die technische Olefin-Metathese.

Er wurde mit den höchsten deutschen Wissenschaftspreisen ausgezeichnet, etwa mit dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Max-Planck-Forschungspreis, sowie mit dem Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst. Viele seiner über 180 wissenschaftlichen Schüler, die bei ihm seit 1980 promovierten und habilitierten, wurden auf Professuren und in Vorstandsämter von Chemieunternehmen im In- und Ausland berufen.

Herrmann studierte Chemie an der TUM (Diplom 1971). Seine Alma Mater berief ihn 1985 als Nachfolger seines Lehrers und Nobelpreisträgers Ernst Otto Fischer auf den Lehrstuhl für Anorganische Chemie.

Wissenschaftliche Publikationen