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Kofi Annan ermutigt die Studierenden, politisch zu debattieren. (Bild: U. Benz / TUM)
Kofi Annan ermutigt die Studierenden, politisch zu debattieren. (Bild: U. Benz / TUM)
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Friedensnobelpreisträger Kofi Annan bei der „TUM Speakers Series“

Gerät die Demokratie in sozialen Medien in Gefahr?

Als UN-Generalsekretär hat Kofi Annan gegen zahlreiche Gefahren für Demokratien gekämpft. Bei der „TUM Speakers Series“ diskutierte der Friedensnobelpreisträger mit Studierenden über eine neue Herausforderung, die der digitale Wandel mit sich gebracht hat: Manipulationen der politischen Diskussion in den sozialen Medien.

Als positive globale Macht seien die sozialen Medien vor wenigen Jahren gefeiert worden, etwa bei den Aufständen in Iran und der arabischen Welt, erinnerte Kofi Annan die mehr als 1.000 Besucherinnen und Besucher im Audimax (Video der Veranstaltung im youtube-Kanal der TUM). Doch dann hätten nicht nur viele autoritäre Regierungen die Kontrolle über das Internet zurückerlangt. Auch inmitten der demokratischen Gesellschaften hätten sich problematische Entwicklungen gezeigt: „Soziale Medien wurden zum Schlachtfeld um die Manipulation der politischen Diskussion.“ Echokammern, in denen Meinungen verstärkt würden, machten Kompromisse schwieriger. Hass, Diskriminierung und Fake News hätten eine Plattform gefunden.

Annan forderte, dass für die sozialen Medien dieselben Grundsätze gelten sollten, die für andere Medien etabliert wurden, wie etwa klare Verantwortlichkeiten und Transparenz. Dazu seien wahrscheinlich neue internationale Gesetze nötig. Außerdem sollten die großen Unternehmen weiterhin daran arbeiten, Wege zu finden, um den Missbrauch ihrer Medien zu verhindern. „Wir müssen schnell handeln!“, betonte Annan. Sonst könnte die Entwicklung einem rutschigen Abhang gleichen, auf dem die Demokratie in Gefahr gerate.

„Ihr seid nie zu jung, um zu führen“

Die Studierenden rief Annan auf: „Glaubt nicht alles, was ihr hört! Glaubt nicht alles, was ihr lest!“ Die Quellen einer Nachricht zu checken sei ebenso wichtig wie mit Menschen zu reden, die anderer Meinung sind als man selbst. Eine gesunde Demokratie brauche eine harte Debatte, auch über unangenehme Themen, etwa die Arbeitsplätze, die durch Digitalisierung und Automatisierung wegfallen werden. Dieser Diskussion sollten sich auch diejenigen stellen, die selbst Unternehmen gründen.

Annan ermunterte die Studierenden, sich auch im Alltag einzumischen: „Übernehmt Verantwortung, wenn ihr glaubt, etwas tun zu können. Wenn ihr seht, dass etwas falsch läuft, tut euch mit Freunden zusammen und packt es an. Ihr seid nie zu jung, um zu führen.“

TUM erforscht politische Wirkung sozialer Medien

Der Friedensnobelpreisträger stellte damit ein Thema zur Diskussion, das die TUM in ihrer School of Governance intensiv erforscht und lehrt. Mehrere Professuren arbeiten in der 2016 gegründeten Fakultät zur Frage, wie digitale Medien politische Prozesse verändern.

Kofi Annan war von 1997 bis 2006 Generalsekretär der Vereinten Nationen. Als Gründer der Kofi Annan Foundation mobilisiert er weiterhin politischen Willen. Zusammen mit Nelson Mandela, Jimmy Carter und anderen angesehenen Staatsmännern gründete er außerdem The Elders, eine unabhängige Gruppe, die gemeinsam für Frieden und Menschenrechte eintritt.

Die „TUM Speakers Series“ wird von Studierenden für Studierende organisiert. Morgen ist der langjährige Google-Chef Eric Schmidt zu Gast. Beide Veranstaltungen finden im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz statt.

Mehr Informationen:

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Technische Universität München Klaus Becker
klaus.becker(at)tum.de

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