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Die Retorio-Gründer Abdurrahman Namli, Patrick Oehler und Christoph Hohenberger (v.l.) trainieren Gespräche. (Bild: A. Eckert / TUM)
Die Retorio-Gründer Abdurrahman Namli, Patrick Oehler und Christoph Hohenberger (v.l.) trainieren Gespräche. (Bild: A. Eckert / TUM)
  • Entrepreneurship

Start-up Retorio entwickelt Software für Kommunikationscoaching

Künstliche Intelligenz als Rhetorik-Trainer

Frei vor anderen zu sprechen, fällt vielen Menschen schwer. Doch Vorträge und Gespräche zu üben, ist ohne professionelles Feedback mühsam. Ein Psychologe, ein Betriebswirt und ein Informatiker haben deshalb einen Online-Trainer entwickelt, der mit Künstlicher Intelligenz die Rhetorik und persönliche Merkmale der Nutzerinnen und Nutzer beurteilen kann. Nun hat das Team an der Technischen Universität München (TUM) das Start-up Retorio gegründet, um die Software auf den Markt zu bringen.

Allein steht man vor dem Publikum, mit verschwitzten Händen, der Mund ist wie ausgetrocknet. Ob beim Bewerbungsgespräch oder der Hochzeitsrede: Wenn sie vor anderen sprechen müssen, sind viele Menschen nervös und unsicher, wie ihr Auftreten wirkt. Auch eine Vorbereitung hilft nicht immer, wenn ein Feedback fehlt. So ging es auch Patrick Oehler: „Als Doktorand musste ich oft Vorträge halten und hatte anfangs Lampenfieber“, sagt der Betriebswirt, der bis vor kurzem am Lehrstuhl für Strategie und Organisation der TUM gearbeitet hat.

Gemeinsam mit Christoph Hohenberger, der als Psychologe am selben Lehrstuhl promovierte, und dem Informatiker Abdurrahman Namli fasste er deshalb den Entschluss, mit ihrem Wissen aus Forschung und Lehre eine praktische Lösung zu finden. Sie entwickelten einen Online-Kommunikationstrainer – und wurden zu Gründern des Start-ups Retorio.

Algorithmus aus 10.000 Videos gespeist

Ihr Programm filmt die Nutzerinnen und Nutzer, eine Künstliche Intelligenz bewertet ihr Auftreten. Sie analysiert Stimme, Sprache, Mimik und Gestik. In Echtzeit liefert sie Feedback, weist also zum Beispiel darauf hin, dass die Sprechgeschwindigkeit zu schnell ist. Anschließend erläutert sie ausführlich, was überzeugend wirkte und welche Aspekte der Rhetorik verbessert werden könnten. Außerdem erstellt sie ein umfangreiches Persönlichkeitsprofil, das unter anderem Empfehlungen für verschiedene Berufsgruppen gibt.

Damit das funktioniert, musste der Algorithmus zunächst mit Daten gefüttert werden. „Maschinen können bereits Stimme, Mimik und Gestik analysieren", sagt der Informatiker Namli. „Wir müssen ihnen aber beibringen, wie andere Menschen darauf reagieren und ob diese den Vortrag als authentisch empfinden." Dazu hat das Retorio-Team eine Datenbank mit 10.000 Videos aus verschiedenen Forschungsprojekten aufgebaut, in denen Personen aus unterschiedlichen Kulturkreisen in verschiedenen Situationen über eine große Bandbreite an Themen sprechen. Versuchspersonen schauten sich die Videos an und beantworteten Fragen wie „Würden Sie mit dieser Person gern zusammenarbeiten?" oder „Würden Sie dieser Person vertrauen?". Aus diesen Informationen leitet der Algorithmus Muster ab.

„Die Künstliche Intelligenz ist brutal ehrlich“

So können die künftigen Nutzerinnen und Nutzer des virtuellen Kommunikationstrainers nicht nur am eigenen Computer üben, wann und wo sie wollen. Sie können sich auch spezifisch auf bestimmte Situationen vorbereiten, von der Präsentation in der Firma bis zum ersten Date. Intensiv mit dem Programm arbeiten können Profis, für deren Beruf erfolgreiche Kommunikation entscheidend ist, beispielsweise im Vertrieb. „Die Künstliche Intelligenz ist brutal ehrlich“, sagt Patrick Oehler. „Aber mit ihr zu üben, fällt vielleicht leichter als mit Menschen, die zuschauen.“ Die Gründer sehen darüber hinaus Personalabteilungen als potenzielle Kunden. Ein großer deutscher Luftfahrtkonzern setzt die Technologie bereits ein, um Talente in Bewerbungsprozessen frühzeitig zu erkennen.

Förderung im European Venture Program

Gegründet hat das Team sein Unternehmen vergangenes Jahr im „Inkubator“ der TUM, wo Gründungsteams intensiv unterstützt werden. Als Mentorin im Rahmen eines EXIST-Stipendiums stand ihnen außerdem Prof. Isabell Welpe vom Lehrstuhl für Strategie und Organisation zur Seite. Im European Venture Program der EuroTech Universities Alliance konnten sie schon in einer führen Phase der Gründung in vier Ländern vor Investoren pitchen. Und bei UnternehmerTUM, dem Zentrum für Innovation und Gründung, bekamen sie neben Coachings auch Zugang zu einem großen Netzwerk inklusive Kontakt zu potenziellen Kunden.

Dann ging im Laufe des Jahres alles ganz schnell: Die ersten Investoren kamen an Bord und während Retorio die Testversion der Software weiterentwickelt, läuft schon die zweite Finanzierungsrunde – damit das erste Produkt 2019 auf den Markt kommen kann.

Mehr Informationen:

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