Podcast „We are TUM“ – Transkript zur sechsten Folge

„Und wenn Sie sich jetzt vorstellen, Sie sind ein neu gegründetes Start-up, beispielsweise im pharmazeutischen Bereich. Sie hätten jetzt einen Wirkstoffkandidaten für etwas entwickelt. Dann sind Sie umzingelt von einer Reihe von global agierenden Konzernen, die weitaus größere finanzielle, juristische und auch Fertigungsmöglichkeiten haben als Sie. Wenn Ihre Technologie nicht geschützt ist, dann werden Sie in kürzester Zeit von dieser Konkurrenz vom Platz gefegt.“

[Moderator Matthias Kirsch:] Der Mann, den wir da gerade gehört haben, das ist Philipp Merkl. Und dass er darüber spricht, wie multinationale Firmen kleinen Gründerinnen und Gründern die Ideen klauen wollen hat einen guten Grund. Es ist nämlich seine Aufgabe, genau das zu verhindern. Philipp Merkl ist Technologiemanager an der TU München. Er hilft Forschenden dabei, für ihre Ideen ein Patent zu bekommen. Vom Hidden Champion dieser Folge hören wir gleich noch mehr. Herzlich willkommen zu „We are TUM“, der Podcast von und für die Technische Universität München. Mein Name ist Matthias Kirsch und ich begleite Sie durch diesen Podcast. Wie immer stellt Ihnen ganz zu Beginn der Präsident der Universität, Thomas Hofmann, die Themen der heutigen Episode vor.

[Präsident Thomas Hofmann:] Herzlich willkommen zu „We are TUM“. Liebe Zuhörende, ein Studium an der TU München bedeutet nicht nur faktisches Wissen oder fachliche Kompetenzen anzusammeln. Wir wollen unsere Studierenden befähigen, analytisch und strukturiert zu denken, verantwortungsvoll zu handeln, entlang eines moralischen und ethischen Wertekanons. Einer dieser Werte ist die Empathie. Sie spielt in der medizinischen Versorgung von Patienten eine besondere Rolle. Aber Studien haben gezeigt, dass Ärztinnen und Ärzte im Verlauf ihres Medizinstudiums an Empathie einbüßen – und das wollen wir ändern. Wie das gelingen kann, erzählt uns in dieser Folge Professor Pascal Berberat, der Studiendekan unserer Fakultät für Medizin.

Anschließend kommen unsere Studierenden zu Wort. Wir sprechen mit Fabian Richter, einem unserer engagierten Studierendenvertreter. Er teilt mit uns seine persönlichen Eindrücke aus dem Studium in Zeiten der Pandemie und wie diese das Lernen und Prüfen beeinflusst. Zum Abschluss dieser Folge von „We are TUM“ setzen wir uns dann mitten in ein Bewerbungsgespräch. Maximilian Mendius ist Recruiter bei BMW. Er weiß genau, worauf es ankommt, wenn junge Menschen den Sprung ins Arbeitsleben wagen. Und heute verrät er uns fünf Tipps, mit denen jedes Interview in Zukunft leichter fällt. Und nun wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Zuhören.

Spitzenforschung

[Kirsch:] Diese Folge von „We are TUM“ beginnt etwa einen Kilometer östlich vom Stammgelände der TU, im Klinikum rechts der Isar. Dort werden nicht nur Menschen behandelt und Leben gerettet, im Klinikum finden Krankenversorgung, Forschung und Lehre unter einem Dach statt. Und verantwortlich für die Lehre ist Pascal Berberat, der Studiendekan der Fakultät für Medizin. Er ist auch zuständig dafür, wie sich der Studiengang in Zukunft entwickelt. Und ein Thema liegt ihm besonders am Herzen: Ärztinnen und Ärzte sollen nicht nur gute Mediziner, sondern auch gute Menschen sein. Meine Kollegin Clarissa Ruge hat mit Pascal Berberat über Empathie gesprochen.

[Clarissa Ruge:] Hallo, Herr Berberat.

[Pascal Berberat:] Hallo.

[Ruge:] Sie schreiben in einem Artikel, dass Empathie bei Ärztinnen und Ärzten eine der wichtigsten Voraussetzungen für diesen Beruf ist. Wie bringen Sie den Studierenden Empathie bei?

[Berberat:] Also, tatsächlich ist es ja so, wenn man auch Ärztinnen und Ärzte von jeder Karrierestufe und auch Studierende fragt, was macht eigentlich das Wesentliche der Kunst des „Arztseins“ aus? Oder was ist die Differenz zwischen Mediziner und „Arztsein“? Dann würden fast alle sagen: Empathie. Aber nachher, wenn es darum geht, was ist eigentlich Empathie, da gibt es natürlich viel Theorie und auch ganz verschiedene Meinungen und das ist sehr unscharf. Von daher ist es sehr berechtigt zu fragen: Wie bringt man das bei? Und wir sind ja in der Medizin sehr geübt, viel Wissen und Fertigkeiten beizubringen. Und das ist vielleicht die Schwierigkeit. Empathie ist natürlich kein Lernziel, das man einfach abarbeiten kann. Dass man das überhaupt wahrnimmt, dass Empathie wichtig ist, das hat viel mit klinischer Erfahrung zu tun und auch Exposition zu ärztlichen Persönlichkeiten. Dass die Jungen Gelegenheit kriegen, bei erfahrenen Ärztinnen und Ärzten zu sehen, wie sie das machen und auch im klinischen Betrieb viel erleben können. Und das wird natürlich nicht nur Positives sein. Und ich glaube, darum ist es dann ganz wichtig, das auch aktiv zu reflektieren, was die Leute entsprechend erleben.

[Ruge:] Wenn man sich die Biografien von Ärzten ansieht, die plötzlich in die Situation kommen, selber Patienten zu werden, dann ist oft ein selbstkritisches Urteil dieser Ärzte: „ich hätte nie gedacht, dass die Kollegen so empathielos sind“ oder „ich hätte überhaupt nie gedacht, dass man sich so alleine fühlt mit einer schweren Krankheit wie Krebs“. Haben Sie da selber Erfahrungen? Oder können Sie diese Berichte oder Biografien teilen?

[Berberat:] Also ich kann das durchaus nachvollziehen. Natürlich bleibt oft das Negative hängen. Ich glaube, es ist sicher sehr wichtig, dass es auch viele Patienten gibt, die sehr positive Erfahrungen machen und Ärzten begegnen, die genau diese Empathie auch mitbringen. Was natürlich in der Literatur oft diskutiert wird, sind die negativen Erfahrungen und es gibt ja sogar Studien – die sind zwar umstritten – aber es gibt Studien, die zeigen, dass während des Medizinstudiums und während der Weiterbildung tatsächlich Ärzte an Empathiefähigkeit oder Bereitschaft abnehmen. Und ich glaube, das ist gar nicht so verwunderlich. Weil natürlich die Medizin mit einer hohen gesellschaftlichen Verantwortung, auch gegenüber dem Patienten, einhergeht. Und eigentlich Unsicherheit gar nicht akzeptabel ist in diesem Gebiet. Und dann reagieren natürlich Ärztinnen und Ärzte oft mit dem Willen, das zu kontrollieren. Und die Kontrolle hat oft damit zu tun, dass man dann Hemmungen hat, sich auch mit persönlichen Gefühlen und Nähe auf den Patienten einzulassen. Also, das ist so wie eine Reaktion, keinen Kontrollverlust zu haben und nicht eigene Emotionen oder Subjektivität reinzubringen, sondern immer alles evidenzbasiert zu machen. Was einerseits gut ist, weil die Medizin muss das ja. Aber andererseits zur Folge haben kann, dass sich eine gewisse Kälte und Distanz äußern kann, was dann Patienten wahrnehmen.

[Ruge:] Wie schaffen Sie es, dem entgegenzuwirken? Sie haben eingangs gesagt, dass die Studierenden sich natürlich auch an erfahrene Ärzte wenden oder richten. Aber was gibt es noch für Sie, speziell in der Lehre, wo Sie genau diese Punkte beibringen können? Also, auch sowas, wie Sie gerade meinten, mit Empathieabbau.

[Berberat:] Ich glaube, es ist wichtig, dass man das Thema Empathie offensiv angeht und nicht denkt, ja, das kann man sowieso nicht lehren, das ist dann halt Talent oder ist in einem Elternhaus mitgegeben worden. Ja, man kann nicht lehren, wie man zum Beispiel irgendwelche Wissensfakten vermittelt oder wie man zum Beispiel jemandem beibringt, wie man näht. Ich glaube, man muss dem explizit Raum geben, wo die Studierenden Zeit haben zu reflektieren, was sie erlebt haben. Wo jemand mit ihnen auch mal einfach eine Stunde spricht oder eine halbe Stunde. Es muss auch nicht immer so lange sein. Aber mehr regelmäßig fragen: „Was habt ihr heute auf Station erlebt?“. Und dann werden positive wie negative Erlebnisse kommen. Wichtig ist, dass das nicht nur an einem vorbeizieht, sondern dass man sich persönlich dazu verhält. Wie habe ich das jetzt wahrgenommen? Möchte ich so sein wie dieser Arzt oder diese Ärztin? Oder was würde ich anders machen? Und dann auch die Probleme sieht. Wir haben noch eine Technik, die ist noch ein bisschen neu, dass man sagt, man kann auch Hilfsmittel nehmen, aus Literatur, Kunst. Aber gerade in der Literatur und Kunst werden natürlich solche Themen verarbeitet, von einem persönlichen Standpunkt aus. Und das hilft manchmal Studierenden auch, sich in was einzufühlen und dann darüber zu reden.

[Ruge:] Da bin ich jetzt neugierig. Können Sie ein Beispiel nennen?

[Berberat:] Ja, zum Beispiel „Catch me if you can“. Diesen Film kennen ja fast alle, mit DiCaprio. Da spielt DiCaprio in einer Szene auch zum Beispiel einen Hochstapler, der vorgibt ein Arzt zu sein. Und diese Szene eignet sich eigentlich ganz gut, einfach mal die anzusehen. Also wirklich mal ohne Bezug zur Medizin: Was passiert hier eigentlich? Warum funktioniert das? Warum glauben die, dass der ein Arzt ist? Dann kommt man vielleicht auch drauf, was macht eigentlich einen Arzt aus, dass er von Patienten in dieser Rolle wahrgenommen wird, neben dem Fachwissen? Weil der Hochstapler hat ja kein Fachwissen. Das hilft den Studierenden, sich einfach bewusst zu werden, was es mal heißen könnte, Arzt zu sein. Das ist auch eine Methode. Neben dem Praktischen, wo man dann wirklich die täglichen Erfahrungen der Studierenden bespricht.

[Ruge:] Sie sind quasi mitten im Beruf, mitten in Ihrem Wunsch, Lehre in Ihrem Bereich zu verbessern. Könnten Sie konkret sagen: diese Punkte will ich schaffen in den nächsten Jahren?

[Berberat:] Ich habe jetzt wahrscheinlich noch so knapp 20 Jahre Berufsleben vor mir. Und ich glaube, da kann man zwei Punkte nennen, die mit dem Thema zu tun haben, das wir jetzt besprochen haben: diesem Subjektiven, dieser Beziehungsseite der Medizin im Curriculum mehr Bedeutung und mehr Raum zu geben. Wenn ich das irgendwie schaffe zu etablieren, nicht nur per Zufall, sondern dem einen gewissen systematischen Anstrich zu geben, das wäre ein wichtiger Punkt. Und der zweite: allgemein an der Universität und Probleme mit der Medizin speziell, weil natürlich unsere Dozierenden primär Kliniker sind, die täglich in der Patientenversorgung sind. Dann sollen sie Forschung machen – und die Lehre, die fällt dann oft hinten runter. In der heutigen Ökonomisierung des ganzen Gesundheitswesens ist das natürlich eine riesen Gefahr. Ich bin überzeugt, das ist eine riesen Ehre und eigentlich einfach ein Privileg, junge Menschen in einer kritischen Phase ihres Lebens, wo sie auch ihre Persönlichkeit entwickeln, begleiten zu dürfen. Und ich glaube, auch viele meiner Kolleginnen und Kollegen sehen das. Aber wir müssen Raum und Strukturen schaffen, dass sie das wirklich auch können und die Freude bewahren. Heute sind sie oft gehetzt und müssen dann Lehre auch noch machen. Und wenn ich das schaffe, dem mehr Raum zu geben, mehr Struktur und mehr Berechtigung, dann haben wir viel erreicht. Also, da gibt es viel zu tun.

[Ruge:] Ja, das glaube ich. Vielen Dank für das Gespräch und diesen Einblick.

[Berberat:] Dankeschön.

Hidden Champion

[Kirsch:] Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Idee. Eine Idee, die so gut ist, dass Sie um sie herum ein Unternehmen gründen, die Idee vermarkten und verkaufen wollen. Gleichzeitig gibt es internationale Großunternehmen, die genau diese Idee am liebsten als ihre eigene darstellen würden. An der TU, wo der Unternehmergeist großgeschrieben wird, kommt das immer wieder vor. Um zu gewährleisten, dass gute Einfälle auch der Gesamtgesellschaft zukommen, dafür ist Philipp Merkl zuständig. Er prüft, ob eine Idee das Zeug zum Patent hat und er ist der Hidden Champion dieser Folge. Mein Kollege Marcel Laskus hat ihn getroffen.

[Marcel Laskus:] Hallo, Herr Merkl.

[Philipp Merkl:] Hallo, Herr Laskus.

[Laskus:] Sagen wir mal, ich als Mitarbeitender der TU München habe eine geniale Idee. Wann wäre der richtige Zeitpunkt, um mit dieser Idee zu Ihnen zu kommen und sie schützen zu lassen?

[Merkl:] Also grundsätzlich, Sie werden eine Erfindungsmeldung bei uns einreichen, wir werden diese Erfindungsmeldung prüfen, oft im Zusammenspiel mit unserem Partner der Bayerischen Patentallianz. Das ist eine Patentverwertungsagentur, die durch die bayerischen Universitäten genau zu diesem Zweck gegründet wurde, um gebündelt Erfindungen auf Patentfähigkeit und Patentwürdigkeit zu prüfen. Was heißt Patentfähigkeit? Patentfähigkeit heißt, die Erfindung muss absolut neu sein, weil das Patentrecht kennt einen absoluten Neuheitsbegriff. Sie muss erfinderisch sein, gegenüber dem existierenden Stand der Technik und sie muss wirtschaftlich anwendbar sein. Dieser letzte Punkt ist allerdings fast immer erfüllt. Was wir auch noch prüfen und das ist der Punkt Patentwürdigkeit, da prüfen wir noch tiefer die wirtschaftliche Wertbarkeit. Wir geben im Prinzip eine kleine Marktanalyse in Auftrag. Wir wollen sehen, gibt es potenzielle Lizenznehmer für eine Erfindung, für eine Idee? Man könnte viel anmelden zum Patent, aber wir sind natürlich auch hier zum wirtschaftlichen Handeln verpflichtet. Eine Patentanmeldung ist sehr teuer und wir können nicht einfach alles anmelden, was sich später als wirtschaftlich überhaupt nicht verwertbar herausstellt.

[Laskus:] Warum ist Patentschutz an einer Universität wie der TUM so wichtig?

[Merkl:] Die TUM ist natürlich ein super Ort, an dem sehr viel Wissen generiert wird, an dem neue Technologien, Verfahren entwickelt werden. Und die TUM, wie jede Universität in Deutschland, hat die gesetzlich verankerte Aufgabe, diese Technologien auch in die Gesellschaft zu transferieren. Da geht es natürlich letztendlich um Arbeitsplätze, um wirtschaftliche Wertschöpfung, aber auch um allgemeinen gesellschaftlichen Fortschritt, der gefördert werden soll. Wenn wir uns das ganz große übergeordnete Bild ansehen, dann glauben wir, dass Europas Wohlstand und Konkurrenzfähigkeit in der Zukunft entscheidend davon abhängen wird, dass wir unsere Ideen und Technologien wirtschaftlich verwerten, ja. Wir sind kein Kontinent, der viele Rohstoffe exportieren könnte oder der den Billiglohnsektor bedient. Sondern wir denken, dass da unsere Zukunft liegt.

Und die TUM an sich ist natürlich eine Universität, die sich neben der klassischen Forschung und Lehre sehr dem unternehmerischen Gedanken verschrieben hat. Und auch der jetzige Präsident Hofmann will diese dritte Säule Entrepreneurship der Universität noch massiv weiter ausbauen. Und wenn Sie sich jetzt vorstellen, Sie sind ein neu gegründetes Start-up, beispielsweise im pharmazeutischen Bereich. Sie hätten jetzt einen Wirkstoffkandidaten für etwas entwickelt, dann sind Sie umzingelt von einer Reihe von global agierenden Konzernen, die weitaus größere finanzielle, juristische und auch Fertigungsmöglichkeiten haben als Sie. Wenn Ihre Technologie nicht geschützt ist, dann werden Sie in kürzester Zeit von dieser Konkurrenz vom Platz gefegt. Und deswegen ist es so wichtig, dass wenn Sie ein technologiebasiertes Start-up gründen, dass Sie Ihre Technologie schützen. Und dafür ist eben ein Patent sehr geeignet. Ein Patent ist in erster Linie, was viele Leute unterschätzen, ein Verbietungsrecht. Also nicht ein Recht etwas zu tun, sondern ein Recht, einem Konkurrenten zu verbieten etwas zu tun. Und nur so können Sie einem großen Global Player verbieten, einfach Ihr Produkt nachzumachen, Ihr Verfahren nachzumachen.

[Laskus:] Die Glühbirne soll ja von mehreren Menschen, unabhängig voneinander und fast gleichzeitig erfunden worden sein. Kommt das bei Ihnen vor, dass Patente gleichzeitig angemeldet werden, weil einfach die Zeit für eine Idee reif ist?

[Merkl:] Ich habe jetzt natürlich keine Statistik dafür. Es ist generell unvermeidlich. Wie Sie schon sagen, Entwicklungen laufen einfach parallel. Labore auf der ganzen Welt arbeiten an ähnlichen Fragestellungen. Prominentes Beispiel dafür war zum Beispiel das, was in den Medien meistens als Genschere bezeichnet wird, das CRISPR/Cas-System, wo auch zwei Labore Patentschutz beantragt haben, zu einer relativ ähnlichen Zeit. Das ist also wie bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Das wird immer vorkommen. Außerdem ist es aus einem anderen Grund noch unvermeidlich – und zwar, Patentanmeldungen werden erst 18 Monate nachdem sie eingereicht wurden veröffentlicht. Das heißt, Sie können in die letzten 18 Monate gar nicht reinschauen und Sie wissen nicht, ob ein Konkurrent bereits den Stand der Technik geschaffen hat, den Sie aber auch trotz bester Patentrecherche einfach nicht sehen. Und es gilt eben der absolute Neuheitsbegriff im Patentrecht. Das heißt, wenn es einen existierenden Stand der Technik gibt und Sie beschreiben in Ihrer Patentschrift dasselbe nochmal, dann können Sie einfach kein Patent mehr bekommen dafür.

[Laskus:] Was macht Freude an Ihrer Arbeit?

[Merkl:] Ja, die Arbeit ist sehr vielseitig. Ich kriege nicht nur Erfindungsmeldungen auf den Tisch und prüfe die, so wie wir das vorhin beschrieben hatten, sondern ein Großteil meiner Arbeit besteht auch darin, Klauseln, die sich auf geistiges Eigentum richten, in aller Art von Verträgen, die die TUM so schließt, zu verhandeln. Ich kriege Einblick in die neueste Forschung, die in verschiedensten Gebieten an der TUM so läuft. Das ist sicher auch sehr spannend, als früherer Wissenschaftler das noch zu sehen. Man ist sehr vielseitig in Kontakt mit verschiedenen Einrichtungen an der TUM. Mit den Lehrstühlen, mit anderen Zentralabteilungen. Nicht zuletzt auch relativ eng abgestimmt mit dem Hochschulpräsidium, weil wir arbeiten auch an Strategien, um unseren Bereich „geistiges Eigentum“ einfach weiterzuentwickeln. Und ich persönlich habe jetzt noch zwei andere separate Aufgaben. Ich betreue zum Beispiel eine Vorlesung, die von TUM ForTe Patente & Lizenzen organisiert wird, wo wir wirklich Studierenden einen ersten Einblick in die Welt des geistigen Eigentums geben wollen. Und ich bin auch Key Account Manager für die institutionelle Zusammenarbeit mit dem Europäischen Patentamt. Das zielt auch ab in die Richtung, zusammenzuarbeiten im Bereich IP Teaching, IP Awareness.

[Laskus:] Gab es mal einen Moment, wo Sie sich gedacht haben, weiß ich nicht, vielleicht in den Medien mitbekommen oder sonst wie mitbekommen, ha, Mensch, das habe ich damals geschützt und jetzt sind die so erfolgreich mit dieser Idee?

[Merkl:] Also, das so persönlich jetzt nicht. Aber man freut sich, wenn man zum Beispiel in den Medien liest, wie in den letzten Monaten über Start-ups, die extrem erfolgreich bei der TUM sind, wie zum Beispiel Celonis, unser 10-Milliarden-Unicorn.

[Laskus:] Vielen Dank für das Gespräch.

[Merkl:] Danke Ihnen.

Der junge Blick

[Kirsch:] Semesterferien. Das ist ein Wort, das ganz verschiedene Emotionen auslösen kann. Die einen denken dabei an Urlaub, an Ski fahren oder ans Meer. Anderen geht es nicht so. Denn viele Studierende schreiben in den Semesterferien noch Prüfungen. Und gerade ist es wieder soweit. Doch gerade während der Corona-Pandemie hat sich die Klausurphase grundlegend verändert. Prüfungen vor dem Laptop statt dem Audimax, Überwachung durch Software statt durch die Aufsicht. Fabian Richter ist Vorsitzender der studentischen Vertretung an der TUM. Mein Kollege Fabian Dilger hat mit ihm über den Prüfungsalltag in Corona-Zeiten gesprochen.

[Fabian Dilger:] Herr Richter, wir sind mittlerweile im vierten Corona-Semester. Welche verschiedenen Prüfungsformen finden denn derzeit an der TU statt?

[Fabian Richter:] Es gibt die Digitalprüfung und Präsenzprüfung. Das kommt immer sehr auf den Studiengang und auf das Modul selbst an. Nämlich nicht für jedes Modul lässt sich jede Prüfungsform anwenden. Viele Prüfungen, vor allem praktische Prüfungen, sollten oder werden auch noch viel in Präsenz durchgeführt. Und dann gibt es natürlich mittlerweile eine Vielzahl von digitalen Prüfungen. Das sind verschiedene digitale Formate. Es gibt einerseits einmalige Übungsleistungen, wo die Studierenden quasi zu Hause selbst daran arbeiten, es gibt wirklich digitale Prüfungen, die werden dann auch überwacht mit verschiedensten Methoden, aber es gibt eben auch noch die klassischen Präsenzprüfungen im Hörsaal.  

[Dilger:] Wenn Prüfungen in Präsenz stattfinden, welche Regeln gelten dafür, dass die Studierenden Zutritt haben?  

[Richter:] Da das einem besonderen Schutz unterliegt, gilt bei Prüfungen 3G-Plus, im Gegensatz zum normalen Betrieb gilt ja 2G1. Und das heißt, dass die Person entweder einen PCR-Test vorlegen muss oder einen Geimpft/Genesen-Status.

[Dilger:] Wie sieht denn die Überwachung bei einer solchen rein digitalen Prüfung aus?

[Richter:] Da gibt es unterschiedliche Modelle. Es gibt das Modell, dass die Personen mit einem Programm überwacht werden. Da gibt es aktuell vor allem Proctorio. Das überwacht den Studierenden einmal mit Kamera und Ton, die angegeben werden müssen und es überwacht auch den Monitor beziehungsweise den Bildschirm des Studierenden und achtet da auf Unregelmäßigkeiten. Oder es gibt die Möglichkeit, dass man eine Klausuraufsicht hat. Das heißt, die Person muss in Zoom oder BBB in einem Raum sein, hat die Kamera und Ton an und eine Klausuraufsicht, also ein Mensch sitzt dahinter und passt auf, was die Person macht, wie sie sich verhält. Und das halt durch die Kamera, durch die Webcam des Jeweiligen.

[Dilger:] Es gibt in Bayern die sogenannte, Achtung, ein schönes Wort: Fernprüfungserprobungsverordnung. Darin ist aber festgelegt, dass die Teilnahme an elektronischen Fernprüfungen freiwillig ist. Das bedeutet ja, dass jemand, der nicht an einer digitalen Prüfung teilnehmen möchte, diese grundsätzlich auch immer in Präsenz absolvieren kann.

[Richter:] Nicht ganz. Nicht alles, was als digitale oder Online-Prüfung wahrgenommen wird, ist tatsächlich eine. Das beste Beispiel dafür sind die einmaligen Übungsleistungen, die die Studierenden zu Hause ohne Überwachung in einem bestimmten Zeitrahmen ableisten und dann wieder hochladen müssen. Diese fordern keine Pflicht zu einer Präsenzalternative, da hier nicht von einer Prüfung, sondern von einer Übungsleistung geredet wird. Für den Studierenden ist es aber kaum zu erkennen, ob das jetzt eine Prüfung ist oder ob das eine Übungsleistung ist. Es steht am Ende im Prüfungsformat, in Campus online kann man jederzeit nachschauen. Aber für Fernprüfungen, wo man überwacht wird, muss es eigentlich immer eine Präsenzalternative geben und hat es auch zu geben.

[Dilger:] Was ist denn mit Ihnen selbst? Prüfung lieber im Hörsaal auf Papier oder zu Hause vor dem Laptop?

[Richter:] Das ist mir tatsächlich relativ egal. Ich habe meistens einmalige Übungsleistungen in der Mathematik. Das heißt, ob ich zu Hause sitze und die Prüfung erarbeite oder in der Uni. Ich schreibe sie auch zu Hause auf ein Papier, scanne es ein und lade es hoch. Der Unterschied ist, im Hörsaal gebe ich es einfach ab.

[Dilger:] Folgender hypothetischer Fall: Zwei Tage vor der Prüfung, die in Präsenz stattfindet, schlägt der Corona-Test positiv aus. Was macht der oder die Studierende dann, da sie sich ja in Isolation oder Quarantäne begeben muss?

[Richter:] Es ist genau dasselbe wie bei jeder anderen Krankheit. Der Unterschied ist, wenn man sich nur krank fühlt, muss man bestätigen, dass man trotzdem an einer Prüfung teilnehmen möchte und auch versichert, dass man daran teilnehmen kann. Das wird man immer am Anfang der Prüfung gefragt. Der Unterschied ist, bei Corona hat man nicht die Freiheit, selbst zu entscheiden und zu sagen, ja okay, mir geht es gut genug oder nicht gut genug. Sondern da gibt es Quarantänepflichten. Es gibt andere Krankheiten, da gibt es auch Quarantänepflichten. Und da läuft es genauso ab, wie wenn man krank ist und nicht an der Prüfung teilnehmen muss. Man geht entweder nicht hin, wenn es egal ist, ob man da eine Fünf drinstehen hat oder nicht. Ansonsten kann man sich vorher auch von der Prüfung abmelden und wirklich aufgrund von Quarantäne, von Krankheit lässt sich dann der Prüfungsversuch annullieren beziehungsweise zurücknehmen im Vorhinein.

[Dilger:] Herr Richter, gab es bei den Digitalprüfungen auch Erfahrungen, wo etwas nicht so gut gelaufen ist? Wo man nachbessern kann?

[Richter:] Mir fallen da ein paar Probleme mit Proctorio ein. Proctorio überwacht ja die Studierenden digital mit einer Maschine und da kann es häufiger passieren, dass ein möglicher Unterschleif falsch markiert wird. Das ist dann immer relativ viel Aufwand für die Dozierenden, wirklich zu überprüfen, ob das ein Unterschleif war oder nicht. Proctorio hat auch so einige Datenschutzbedenken. Es wurde gerade erst in Baden-Württemberg für Prüfungen verboten.

[Dilger:] Diese Falschmeldungen zu Unterschleif bei Proctorio, was ist denn da das Problem und wie könnte man es lösen?

[Richter:] Das Problem liegt irgendwo in der Software. Also, das haben auch schon verschiedene Dozierende mal testweise ausprobiert, in drei Minuten des Software-Nutzens wurde 20-mal angeschlagen, dass es einen Unterschleif gab. Und Proctorio markt alles, was irgendwie möglicherweise was Böses sein könnte erstmal als „hier könnte was passiert sein“ und gibt ein großes PDF aus. Und das muss der Dozierende dann quasi alles noch mal extra prüfen und sagen, ja okay, das sieht aus wie Unterschleif oder sieht nicht so aus. Da gibt es ab und zu Probleme.  

[Dilger:] Erwarten Sie denn, dass das Programm möglicherweise auch in Bayern bald abgelöst wird?

[Richter:] Aus studentischer Sicht würde ich es hoffen.

[Dilger:] Gab es in den letzten Semestern Erfahrungen, bei denen man das Prüfungskonzept, ob jetzt digital oder in Präsenz, noch nachbessern könnte?

[Richter:] Eine Sache die man bei digitalen Prüfungen vielleicht noch verbessern kann, was ich von verschiedenen Stellen gehört habe, ist, während der Prüfung auch Ansprechpartner für die Studierenden zu haben, sollte irgendwas technisch schieflaufen. Es kann immer passieren, dass irgendwas mit der Technik gerade komplett kaputtgeht. Ich hatte es selbst schon, dass mein Laptop in einer Klausur 10-mal abgestürzt ist, weil es ein File-Problem gab und ich konnte einfach nicht vorankommen mit dem Arbeiten und konnte dann am Ende auch nichts Sinnvolles abgeben. Für so was eine Ansprechperson zu haben oder eine Nummer, eine E-Mail-Adresse, wo man während der Prüfung technische Probleme melden kann, um vom Prüfungsversuch zurückzutreten oder Ähnliches. Das wäre noch ganz gut.

[Dilger:] Schauen wir mal auf die Zukunft der Prüfungen an der TU München. Wünschen sich die Studierenden da verstärkt solche digitalen Prüfungen als Angebot? Gibt es in Zukunft vielleicht nur noch ausschließlich digitale Prüfungen?

[Richter:] Ich denke, zur ausschließlich digitalen Prüfung werden wir in den nächsten Jahren nicht kommen. Dafür haben wir zu angewandte Prüfungsformate teilweise, die wirklich digital nicht denselben Lernerfolg bringen, wie wenn man sie in Präsenz oder praktisch durchführt. Es wird vermutlich weiterhin digitale Prüfungen geben, wir werden davon nicht wegkommen, je nachdem, wie die Pandemie verläuft. Derzeit gibt es Studiengänge, die in den letzten Jahren so rasant gewachsen sind, dass sich dort in absehbarer Zeit für die größeren Module keine reinen Präsenzprüfungen vermutlich ermöglichen lassen, weil es so viele Studierende sind, dass wir den Platz nicht haben, unter Hygienemaßnahmen alle Studierenden gleichzeitig zu prüfen. Das betrifft hauptsächlich Modulprüfungen in der Informatik, die auch von anderen Fakultäten viel gehört werden. Ganz berühmtes Beispiel dafür ist „Grundlagen: Datenbanken“. Das ist eine Vorlesung mit über 2.000 Studierenden, die sie hören. Und tendenziell sind noch ein paar mehr für die Prüfung jedes Mal angemeldet. Den Platz, sie alle gleichzeitig zu prüfen, ist unter Corona-Maßnahmen, also unter Hygienemaßnahmen, kaum da.

Fünf Tipps

[Kirsch:] Zum Abschluss der heutigen Folge verlassen wir wie immer das direkte Umfeld der TU und kommen zu unserer Rubrik „Fünf Tipps“. Unser Gast heute ist Maximilian Mendius. Er ist Leiter für Recruiting Systeme, Prozesse und Tools bei der BMW Group. Und er hat uns Tipps mitgebracht, die besonders die Studierenden unter unseren Zuhörenden interessieren dürften. Nämlich worauf man bei einer Job-Bewerbung unbedingt achten muss. Hallo, Herr Mendius.

[Maximilian Mendius:] Ja, Hallo. Herzlichen Dank für die Einladung. Freue mich, heute hier sein zu dürfen.

[Kirsch:] Herr Mendius, bevor wir zu den Tipps kommen, die Sie uns mitgebracht haben, Sie sind mittlerweile seit zehn Jahren bei BMW. Wie haben Sie sich denn damals eigentlich auf Ihr Bewerbungsgespräch vorbereitet?

[Mendius:] Ja, das ist eine spannende Sache, da noch mal zurückzudenken. Ich war in der Tat unterwegs, habe mich dann einfach im ICE noch mal hingesetzt, habe mir die Stellenbeschreibung angeguckt, habe überlegt, wie mein Lebenslauf sich mit dem deckt, was ich da gemacht habe sozusagen. Inwieweit ich da die Fähigkeiten und Fertigkeiten erworben habe, dass ich das Ganze auch mitbringe. Und dann habe ich mir überlegt, was könnten denn Fragen sein, die die Kolleginnen und Kollegen bei BMW mir stellen können. Und wie man sieht, Gott sei Dank, was ich nicht von Anfang an gedacht habe, hat es ja geklappt und ich darf heute hier sein.

[Kirsch:] Ja. Und jetzt sitzen Sie, elf Jahre später, auf der anderen Seite des Tisches, als Leiter für Recruiting-Systeme. Sie haben uns fünf Tipps mitgebracht, worauf man denn achten muss bei einer Bewerbung. Welche fünf Tipps sind das denn?

#1

[Mendius:] Also, fangen wir an mit Nummer eins. Nur wer mitspielt, kann gewinnen. Also, bitte, bitte, bitte fassen Sie sich ein Herz, wenn da ein Job ist, der Sie interessiert, bewerben Sie sich. Auch wenn Sie nicht alles erfüllen, was in der Stellenanzeige steht. Ganz oft kommen einem da Gedanken, oh, da sind acht Dinge gefordert, ich habe nur sechs, soll ich es machen oder nicht? Müssen Sie sich so vorstellen, das ist ein bisschen wie früher beim Wunschzettel an das Christkind, wir schreiben alles auf, was wir gerne hätten, aber es gibt wahrscheinlich nie alles. Das heißt, wenn Sie fünf oder sechs Sachen mitbringen, ist das großartig. Dann sollten Sie nicht über die zwei oder drei nachdenken, die Sie vielleicht noch nicht haben. Gerade wenn Sie jetzt von der Uni kommen, ist das auch völlig normal, dass man gewisse Dinge erst lernt. Deswegen, wenn es Ihnen Spaß macht und Sie interessiert: bewerben.

#2

Tipp Nummer 2: Das sind dann, wenn ich soweit bin und mich entschieden habe, die Bewerbungsunterlagen. Wie sollte ich die gestalten? Wie sollte ich die gestalten? Wie sollte ich die einreichen und so machen, dass die Recruiter sie gerne anschauen und im Idealfall auch gut finden? Ganz wichtig, das Thema Anschreiben hat ausgedient. Fokus sollte der Lebenslauf sein. Wir brauchen einen schönen, übersichtlichen CV, der chronologisch abläuft und am besten von heute beginnend nach früher zurückgeht. Und bitte versuchen Sie möglichst, in so einer Box oder möglichst gut sichtbar Themen wie Sprachkenntnisse, Programmiersprachen, bestimmte technische Fertigkeiten, CAD etc. darzustellen, dass das sofort ins Auge springt. Das Ganze möglichst kurz und kompakt und dann ist das super.

#3
Der dritte Tipp ist ein spezifischer, der Ihnen bei mehreren Firmen zunehmend passieren kann. Es gibt ein neues Format, das zunehmend das, sage ich mal, Telefoninterview ablöst, was früher ein Klassiker war, das ist das sogenannte zeitversetzte Videointerview. Da bekommt man eine Einladung, sich selber zu filmen und Fragen zu beantworten, die von den Recruiterinnen oder Recruitern in den Fachbereichen eingesprochen wurden. Wenn Sie dazu eingeladen werden, ganz wichtig, das heißt zeitversetzt, weil Sie es zu jeder Zeit machen können, wo es für Sie passt. Überlegen Sie sich also, was ist die Uhrzeit, wo ich besonders fit bin, wo ich besonders auch gut reagieren kann, wo ich mich wohlfühle. Genau da können Sie das machen. Wenn das bei Ihnen nachts um 1 ist, ist das völlig in Ordnung. Das guckt sich keiner an, wann Sie das machen. Also die Zeit wählen, wenn Sie sich gut fühlen. Dann gucken Sie sich an, wie Ihr Zimmer aussieht, weil Sie werden ja gefilmt. Dass Sie im Hintergrund gegebenenfalls kompromittierendes Material entfernen. Und dann, ganz, ganz wichtig, was zu Trinken hinstellen, einmal durchschnaufen, vielleicht noch mal kurz frische Luft schnappen, weil da können ja auch mal ein paar fiesere Fragen kommen. Dann sind Sie reaktionsfähig und gut vorbereitet und dann brauchen Sie keine Angst vor dem Tun haben. Aber wenn sowas kommt, kennen Sie es jetzt schon mal von der Erzählung und können sich darauf vorbereiten.

#4

Der vierte Tipp wäre dann, wenn wir ins echte Gespräch kommen. Da wäre wichtig, noch mal den eigenen Lebenslauf durchzulesen zur Vorbereitung. Man möchte es nicht glauben, wie oft es uns passiert ist, dass sich Kandidatinnen und Kandidaten nicht erinnern können, was in ihrem eigenen Lebenslauf steht. Und aber auch bei kritischen Fragen immer authentisch bleiben und deutlich kommunizieren. Weil das würden wir irgendwann merken und dann wäre das nicht so gut. Also, wenn Sie auch mal eine schwierige Situation hatten, dann kann man die ruhig beschreiben. Es geht dann darum den Bogen dazu zu schlagen, wie Sie die gelöst haben. Ein ehrliches „das tut mir leid, davon habe ich jetzt keine Kenntnis“ ist besser, weil wenn Sie um den heißen Brei herumreden, in eine total falsche Richtung gehen, dann wirkt das eher unprofessionell.

[Kirsch:] Also, auf jeden Fall immer, immer, immer bei der Wahrheit bleiben. Sie haben uns aber dann zum Abschluss auch noch einen fünften Tipp mitgebracht.

#5

[Mendius:] Genau. Selber Fragen vorbereiten und auch selber die eigenen Erwartungen vorbereiten. Manche werden regelrecht überrascht, wenn wir am Schluss fragen: Haben Sie noch Fragen? Denken Sie sich wirklich aus, was Ihnen wichtig wäre, was Sie wissen wollen, weil das ist eine riesen Chance. Weil ich sage mal, Bewerbung hat zwei Seiten. Wir prüfen als Firma, ob Sie zu uns passen, aber gleichzeitig gibt es Ihnen die Chance zu prüfen, ob wir auch zu Ihnen passen. Das ist, was ich eben auch meinte, sich selber noch für das Gespräch vorzubereiten. Man sollte auch sich selbst eine Vorstellung überlegen, wie denn die Gehaltserwartungen wären. Weil das ist was, was auch ganz oft passiert, dass wir da Leute vollkommen überrascht vorfinden, die dann wahnsinnig weit danebenliegen. Und das wäre einfach nur so der letzte Tipp, sich da einfach mal im Internet, in gängigen Foren informieren, sich auch gegebenenfalls, falls Sie sich in einem tarifgebundenen Unternehmen wie bei uns bewerben, einfach mal dort auf den Webseiten der Tarifparteien informieren, was denn so klassische Gehaltsstufen sind. Weil es natürlich manchmal etwas seltsam wirkt, wenn Sie meilenweit zu niedrig, oder meilenweit zu hoch sind.
 
[Kirsch:] Die erste Jobbewerbung ist ja oft ein ganz aufregender Moment in der jungen Karriere von Studierenden. Mit den Tipps von Herrn Mendius sind unsere Zuhörenden auf jeden Fall gewappnet für ihr erstes Bewerbungsgespräch. Herr Mendius, ich bedanke mich vielmals für die Zeit.

[Mendius:] Herzlichen Dank Ihnen auch. Und ich wünsche Ihnen allen einen großartigen, erfolgreichen Studienabschluss und viel, viel Erfolg und Spaß beim Eintritt in den Arbeitsmarkt.

[Kirsch:] Vielen Dank. Und das war es für diese Folge von „We are TUM“. Auch in der nächsten Folge sprechen wir wieder über Spitzenforschung, das Studienleben und über all die Menschen, die die TU zu dem einzigartigen Ort machen, der sie ist. Diese Folge wurde produziert von Fabian Dilger, Marcel Laskus, Clarissa Ruge, der ProLehre Medienproduktion und von mir, Matthias Kirsch. Das Sounddesign und die Postproduktion gestaltet Marco Meister von Edition Meister. Bis zur nächsten Folge. Kommen Sie mit uns und entdecken Sie die großen und die kleinen Geheimnisse der TU München.

1 Die Corona-Maßnahmen an der TUM richten sich nach der pandemischen Lage und können variieren. Die aktuellen Bestimmungen finden Sie hier: https://www.tum.de/die-tum/aktuelles/coronavirus/studium

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Dr. phil. Clarissa Ruge
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