Studienorganisation und Prüfungen

Um Studierenden mit Behinderung oder chronischer Erkrankung ein chancengleiches Studium zu ermöglichen, können verschiedene Maßnahmen wie Nachteilsausgleiche oder eine Beurlaubung beantragt werden.

Wichtig: Lassen Sie sich zu den Möglichkeiten, die für Sie in Ihrer jeweiligen Situation geeignet sind, in der Servicestelle für behinderte und chronisch kranke Studierende und Studieninteressierte und an Ihrer Fakultät oder School von den Ansprechpersonen für behinderte und chronisch kranke Studierende beraten!

Nachteilsausgleich – was ist das?

Ihre Behinderung oder chronischen Erkrankung kann sich auf Ihr Studium im Allgemeinen auswirken. Da zum einen die Anforderungen Ihres Studienfachs inklusive der Prüfungs­bedingungen beachtet werden müssen und zum anderen die Auswirkungen einer Behinderung oder chronischen Erkrankung sehr individuell sind, empfehlen wir Ihnen, sich mit den Ansprechpartnern an den Fakultäten bzw. Schools (PDF, 20 KB) in Verbindung zu setzen.

Nachteilsausgleiche im Studium sind Maßnahmen, die beeinträchtigungsbedingte Erschwernisse im Studienverlauf und in Prüfungen ausgleichen. Nachteilsausgleiche werden stets individuell und situationsbezogen gestaltet und nicht pauschal vergeben. Sie sind zum Beispiel abhängig von den Auswirkungen der Beeinträchtigung und dem jeweiligen Studienfach. Nachteilsausgleiche sind auch keine Erleichterungen. Die Leistungsziele der Studien- und Prüfungsordnung bleiben erhalten. 

Studierende haben den Anspruch auf einen Nachteilsausgleich, wenn sie eine studienbeeinträchtigende und ausgleichsfähige Beeträchtigung haben, allerdings nicht unbedingt in der von ihnen gewünschten Form.

Nachteilsausgleiche für Organisation und Durchführung des Studiums

Wenn sich aufgrund Ihrer Behinderung(en) und/oder chronischen Erkrankung(en) Ihr Studienverlauf verzögert, können Sie bei dem für Ihren Studiengang zuständigen Prüfungsausschuss eine Verlängerung Ihrer Prüfungsfrist beantragen, beispielsweise um ein weiteres Semester.

Reichen Sie entweder das Antragsformular auf Nachteilsausgleich oder einen formlosen Antrag ein. Sie müssen in jedem Fall geeignete (fach-)medizinische Atteste oder Gutachten einreichen, die kenntlich machen, weshalb Sie eine Studienzeitverlängerung beantragen.

Hier finden Sie eine Auflistung möglicher weiterer Maßnahmen, die Nachteile im Studium ausgleichen können:

  • Individueller Studienplan und Verlängerung von Abschlussfristen (siehe oben „Antrag auf Studienzeitverlängerung“)
  • Zulassung zu Veranstaltungen unter Vorbehalt
  • Bevorzugte Zulassung zu teilnahmebegrenzten Lehrveranstaltungen
  • Modifikationen von Anwesenheitspflichten
  • Modifikationen im Zusammenhang mit Praktika und Laboren
  • Modifikationen im Zusammenhang mit Exkursionen und Auslandsaufenthalten
  • Verlegungen von Lehrveranstaltungen (räumlich, zeitlich) 

Wichtig: Nachteilsausgleiche sind immer individuell und spezifisch!

Nachteilsausgleich in Prüfungssituationen

Um einen Nachteilsausgleich bewilligt zu bekommen, müssen Sie einen Antrag auf Nachteilsausgleich bei dem für Ihren Studiengang zuständigen Prüfungsausschuss stellen.

Dazu benutzen Sie das Antragsformular (PDF, 135 KB).

Wichtig ist, dass Sie nicht nur eine Diagnose angeben, sondern vielmehr die erkrankungsspezifischen Auswirkungen auf Prüfungssituationen darstellen und daraus (eine) entsprechende nachteilsausgleichende Maßnahme(n) ableiten. 

Zusätzlich benötigen Sie ein (fach-)ärztliches Attest oder Gutachten, welches Sie dem Antrag beifügen. Das ärztliche Attest bescheinigt Ihnen die Behinderung oder chronische Erkrankung, beschreibt die Auswirkungen auf Prüfungen und die aus ärztlicher Sicht notwendigen Maßnahmen. Das ärztliche Attest sollte aktuell sein. 

Seien Sie bei den nachteilsausgleichenden Maßnahmen so konkrekt wie möglich! Bitte beachten Sie, dass die Beantragung, Begutachtung und Bewilligung bzw. Ablehnung ein Verwaltungsakt ist, das heißt es dauert einige Zeit bis der Antrag bearbeitet wurde. Stellen Sie daher so früh wie möglich einen Antrag auf Nachteilsausgleich!

Wo beantragen Sie den Nachteilsausgleich?

Der Antrag wird von dem für Ihren Studiengang zuständigen fachlichen Prüfungsausschuss begutachtet. Sie können daher den Antrag direkt dort abgeben, der Ansprechperson für Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung an Ihrer Fakultät/School oder der Servicestelle für behinderte und chronisch kranke Studierende und Studieninteressierte zukommen lassen. 

Wichtig bei der Beantragung des Nachteilsausgleiches sind die Fragen: Wie wirkt sich meine Behinderung oder Erkrankung in einer Prüfung aus und welche nachteilsausgleichende Maßnahme passt zu mir? Nicht jede Maßnahme ist für jede Situation geeignet!

Ein Nachteilsausgleich in Prüfungssituationen könnte sein:

  • Zeitverlängerung bei schriftlichen oder mündlichen Prüfungen
  • Pausen während der Prüfung
  • Adaption von Aufgabenstellungen (einfache Sprache, Schriftgröße, Schriftart etc. oder als Audiodatei) sowie Anpassung von Sprechtempo oder Aussprache bei mündlichen Prüfungen
  • Einsatz personeller Hilfen und/oder technischer Hilfsmittel zur Kompensation des Handicaps (zum Beispiel Schreib- oder Vorlesekräfte, Gebärdensprachdolmetscher)
  • Entzerren von Prüfungszeiträumen (Splitten)
  • selten: Änderung der Prüfungsform (zum Beispiel schriftliche statt mündlicher Prüfung), wenn kein anderer NTA möglich ist

WichtigBeim Einsatz von Hilfsmitteln ist dringend empfohlen, die betroffenen Prüfenden/Dozierenden früh zu informieren und sie mit eventuell zu beachtenden technischen Besonderheiten vertraut zu machen.

Die gesetzlichen Grundlagen finden Sie in der Rubrik „Rechtliche Grundlagen“.

An der TUM ist der Nachteilsausgleich für Bachelor- und Masterstudiengänge in §19 der Allgemeinen Prüfungs- und Studienordnung (APSO) geregelt:

„(1) Im Prüfungsverfahren ist auf Art und Schwere einer Behinderung Rücksicht zu nehmen. Macht ein Studierender glaubhaft, dass er wegen lang andauernder oder ständiger körperlicher Behinderung nicht in der Lage ist, die Prüfung ganz oder teilweise in der vorgesehenen Form abzulegen, kann dies durch entsprechende Verlängerung der Arbeitszeit oder eine andere Gestaltung des Prüfungsverfahrens ausgeglichen werden. Auf Verlangen ist ein ärztliches Attest vorzulegen.

(2) Entscheidungen nach Abs. 1 trifft der zuständige Prüfungsausschuss im Einvernehmen mit dem Prüfenden.

(3) Für mündliche Prüfungen gelten die Abs. 1 und 2 entsprechend.“

Für Diplomstudiengänge finden sich in §9 (4) der Allgemeinen Diplomprüfungsordnung (ADPO) Regelungen zum Nachteilsausgleich:

„Prüfungskandidaten mit länger andauernder oder ständiger körperlicher Behinderung ist auf schriftlichen, an den Vorsitzenden des Prüfungsausschusses zu richtenden Antrag eine Verlängerung der Bearbeitungszeit für schriftliche Prüfungsteile um bis zu einem Viertel zu gewähren, wenn die Behinderung dies rechtfertigt. Der Antrag ist der Meldung zur Prüfung beizufügen. Später eingehende Anträge können nur berücksichtigt werden, wenn die Behinderung erst nach der Meldung eingetreten ist. Der Vorsitzende des Prüfungsausschusses kann die Vorlage eines ärztlichen Attestes, in begründeten Zweifelsfällen zusätzlich ein Zeugnis des Gesundheitsamtes, verlangen.“

Beurlaubung

Wenn Sie aufgrund von gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht studierfähig sind, also Ihrem Studium nicht mehr angemessen und wie gewohnt nachgehen können, und wenn absehbar ist, dass diese Phase nicht nur vorübergehend ist, sondern länger anhaltend, kann eine Beurlaubung die geeignete Maßnahme sein. So können Sie sich für ein oder mehr als ein Semester offizi­ell vom Studium „abmelden“ und pausieren, um sich ganz auf Ihre Genesung, zum Beispiel eine Therapie und Reha, zu konzentrieren.

Weitere Informationen zu Beantragung, Fristen etc. finden sie auf der TUM-Seite zur Beurlaubung.